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und geht…

Sind wir real?

von Andrea

Um diese Frage zu beantworten, stelle ich mir vorab einmal die Frage, wer ist eigentlich derjenige, der prüft oder erkennt bzw. nicht erkennen kann, was wirklich und was simuliert ist. Wer ist z.B. eigentlich „ich“ bei Decartes wenn er sagt „ich denke, also bin ich.“ Wer ist dieses „ich“, das Descartes offensichtlich mit dem Denken gleichsetzt. Ist dieses „ich“ wirklich etwas so sicheres?

Aus meiner Sicht ist das heute nicht mehr so leicht zu behaupten und es muss zunächst sichergestellt werden, dass es überhaupt etwas oder jemanden gibt, der erkennen kann, was Wirklichkeit und was Simulation ist. Im Zusammenhang damit ist selbstverständlich auch zu klären, was Wirklichkeit ist.

Was Simulation ist, kann hingegen erst einmal beiseite gestellt werden, denn eine Simulation kann es ja nur geben, wenn es überhaupt eine erkennbare Wirklichkeit gibt, die simuliert werden kann.

Mit der Frage, was dieses „ich“ ist und damit in gewisser Weise auch, was die „Wirklichkeit“ ist, beschäftigt sich heute nicht nur die Philosophie sondern auch die Neurobiologie.

Deren Erkenntnisse legt der Philosoph und Bewusstseinsforscher Thomas Metzinger in seinem Buch „Der Egotunnel“ dar. Er zeigt, dass das Ego lediglich ein virtuelles Werkzeug sei, das sich entwickelt hat, damit wir mit seiner Hilfe unser eigenes Verhalten kontrollieren und vorhersagen und das Verhalten anderer verstehen konnten. „Jeder von uns lebt sein bewusstes Leben in seinem eigenen Ego-Tunnel, ohne direkten Kontakt mit der äußeren Wirklichkeit“ Und er führt weiter aus: „Wir sind Ego-Maschinen, aber wir haben keine Selbste. Das Ego und sein Tunnel sind repräsentationale Phänomene: Sie sind nur eine von vielen möglichen Weisen, in denen bewusste Wesen ein Modell der Wirklichkeit erzeugen können.“

Danach ist das „ich“ also bereits eine Fiktion oder wie Metzinger sagt „ein Werkzeug“. Aber es ist kein Werkzeug zur Erkenntnis der Wirklichkeit sondern eines zu dessen Erzeugung. Lebe „ich“ dann vielleicht bereits in meiner eigenen Simulation, indem ich mir meine Wirklichkeit erzeuge? Oder ist vielleicht die von mir erzeugt Wirklichkeit bereits die „wirkliche Wirklichkeit“ Oder gibt es noch eine absolute Wirklichkeit neben der von mir erschaffenen?

Diese Frage aber muss ich leider unbeantwortet lassen, da es mir – sofern ich mich als das Ego i.S. Metzingers betrachte- als Werkzeug der Erschaffung der Wirklichkeit nicht möglich sein kann, dies zu erkennen. Ich kann nur wieder neue Wirklichkeit schaffen, indem ich dies bejahe oder verneine.

Ich lasse es vorerst so stehen und betrachte die Wirklichkeit, die ich mir erschaffen habe oder vielleicht auch nur die Schnittmenge, der von mir und von der Mehrheit, der mich umgebenden Menschen als Wirklichkeit erkannten Phänomene als „die Wirklichkeit“ an.

Gibt es dann vielleicht die Simulation dieser Schnittmenge oder ggf. auch die Simulationen jeder von einem einzelnen erschaffenen Wirklichkeit?

In dem Film Matrix führen vom Menschen erschaffene Maschinen mit künstlicher Intelligenz einen Krieg gegen diese. Ich möchte die Frage, ob es eine Rolle spielt, dass Maschinen die Simulation durchführen oder höher entwickelte Zivilisationen – wie in Bostroms Hypothese – gern unbeantwortet lassen, weil ich nicht erkennen kann, dass dies eine zur Klärung der Frage beitragende Rolle spielt. Die Maschinen also in „Matrix“ entwickelten die Computersimulation der Matrix, um die bewusstlosen Menschen unter Kontrolle zu halten. Die Körper der Menschen liegen unbeweglich und an zahlreiche Leitungen angeschlossen. Hier ist – für den Zuschauer- ganz einfach zu erkennen, was Simulation und was Wirklichkeit ist. Beides besteht parallel. Aber es ist eben nur für einen Filmzuschauer erkennbar, weil der Film uns die Wirklichkeit und die Simulation vorgibt.

Nun, es ist eben nur ein Film und ich habe gelernt, dass das im Film dargestellte nicht wahr ist. Stimmt doch, oder?

Aber „Reality Shows“, die sind doch nun wirklich wahr? Ups, bin ich da noch auf derselben Ebene? Gerade habe „ich“ (also das Werkzeug zur Realitätserzeugung) mir eine Wirklichkeit erschaffen, kommt jetzt vielleicht durch die Welt der Medien noch eine weitere durch diese erschaffene Wirklichkeit hinzu.

Ich will mich nicht verzetteln, aber, wenn ich die Wirklichkeit erforschen will, muss ich doch wohl auch hier weiter forschen, denn die mediale und digitale Welt ist sehr präsent in meinem Alltag. Vielleicht kommt ja auch von dieser die Simulation? Baudrillard sagt mir, hier wird es langsam schwierig die Wirklichkeit und die Simulation zu unterscheiden. Merke ich das überhaupt noch?

Der Philosoph und Soziologe Baudrillard sieht ein umfassendes Netz von Simulationen, welches die Stelle der Wirklichkeit eingenommen hat. Mittels entsprechender Software sind die medialen Abbildungen der Welt täuschend echt zu manipulieren. Aus seiner Sicht überholt Simulation die Realität, die Differenz von Wahrheit und Täuschung spielt eine immer geringere Rolle. Die reale Welt wird von ihrer Simulation entwertet. Er spricht von „Hyperrealität“. Er sagt auch, dass die Realität verschwunden ist. Ein umfassendes Netz von Simulationen habe sich an ihre Stelle gedrängt.

„Wir leben wir heute im Zeitalter der „Simulation“ – einem gesellschaftlichen Zustand, in dem Zeichen und Wirklichkeit zunehmend ununterscheidbar werden.“

Für mich ergibt SICH? hieraus Folgendes:

es gibt oder wir sind das Ego, das sich seine Wirklichkeit erschafft. Diese Wirklichkeit wird seitens der medialen und digitalen Welt simuliert und beide Bereiche kaum mehr zu unterscheiden.

So gesehen leben wir sowohl in der Wirklichkeit als auch in der Simulation.

Ob es zudem vielleicht noch eine weitere Simulation – gewissermaßen von außen gemäß der Bostrom- Hypothese- gibt, wird das sich die Wirklichkeit oder – im Falle einer solchen Simulation- scheinbar die Welt erschaffende Ego aus meiner Sicht nicht feststellen können. Denn dieses hat bei seinem Blick durch den Egotunnel ja immer den Eindruck einer bereits vorhandenen Wirklichkeit.

Also sitzen wir fest, jedem inner- und außerweltlichen Simulationsbegehren heillos ausgeliefert?

Im Film „Matrix“ lernen die Helden Morpheus und Neo, dass in der Simulation der Matrix physikalische Gesetze durch mentale Kraft erkannt und der Code durch diese überschrieben werden kann.

Vielleicht ist hier der Ausweg?

Haben wir neben dem die wirklichkeitserschaffenden Ego ggf. als bewusste Wesen doch noch eine echte Erkenntnismöglichkeit? Dieses legen jedenfalls die spirituellen Überlieferungen aller Kulturen nahe. Sie sprechen von Erkenntnissen, die durch das Denken allein nicht zugänglich sind. Denken können ja auch die, an die Matrixmaschine angeschlossenen, Menschen, aber sie bleiben gefangen in der Simulation. Können wir vielleicht wie Morpheus und Neo durch eine das Denken überschreitende Geisteskraft Simulation erkennen und ihr entkommen?

In den östlichen Philosophien gibt es neben einem Ego –welches hier ebenfalls eine Fiktion ist – das Selbst, das ein Teil eines allumfassenden Bewusstseins ist. Der Mensch kann lernen, durch Bewusstseinsschulung die Egotäuschung zu durchschauen und höhere Erkenntnisse erlangen. Diese Erkenntnis wird durch spirituelle Praxis gewonnen. Decartes „cogito ergo sum“, das die vollkommene Identifikation mit dem Denken bedeutet, würde hier als Irrtum betrachtet werden. Und auch Metzinger sagt, dass das Ego und sein Tunnel lediglich eine Möglichkeit der Wirklichkeitserzeugung sind.

Vielleicht sollten wir es versuchen und unser Bewusstsein schulen, um die Chance zu erhöhen, der Matrixmaschine, der Hyperrealität Baudrillards und jeder weiteren perfiden Simulation notfalls entkommen zu können. Es wäre den Versuch wert.

Seien wir achtsam!

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