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und geht…

Was ist Kunst? Teil 2

von Andrea

Die Antworten, die seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts auf diese Frage gegeben wurden, kann man als ziemlich komplex, sehr uneinheitlich und unübersichtlich bezeichnen. Um es vorweg zu nehmen:  Es gibt keine schlüssige, von allen geteilte Definition für Kunst.

Mit dem Versuch einer Definition beschäftigen sich Künstler und Philosophen. Für die  zeitgenössische  Kunst  ist die Philosophie übrigens  auch über die Frage hinaus sehr wichtig geworden. Nicht nur interessieren sich die postmodernen Philosophen stark für Kunst,  auch die Künstler studieren die Werke der ästhetischen Philosophie und deren Theorien  haben großen Einfluss auf ihr künstlerische Schaffen. Die Documentas beweisen ein deutliches Interesse an der Philosophie seitens der Kunst. Die philosophischen Sichtweisen werden in Kunstwerken verarbeitet.  Das bedeutet auch, dass der philosophische Blick nicht nur von außen auf die Werke gerichtet wird sondern ihnen bereits innewohnt.

Aber das Verhältnis von Philosophie und Kunst ist durchaus auch problematisch, wenn es z.B. um Definitionsmacht geht. Und es ist sehr fraglich, ob sich künstlerische Darstellungen überhaupt in Begriffe – welche das Werkzeug der Philosophie sind- übersetzen lassen.

Im Folgenden werde ich Sichtweisen der Kunstdefinition einiger wichtiger zeitgenössischer Vertreter der ästhetischen Philosophie vorstellen, sie machen die Problemetik der Definitionsmacht und der Un-)Übersetzbarkeit deutlich.

Arthur Coleman Danto (1924 – 2013 ), amerikanischer Philosoph, ist  Vertreter der analytischen Philosophie und einer der meist  beachteten Vertreter der Kunsttheorie. Er ist heute vor allem durch seine These vom „Ende der Kunst“ (Neuauflage der Hegelschen These) bekannt.

Er hatte 1964 ein Schlüsselerlebnis, ausgelöst durch einen Besuch in der New Yorker Stable Gallery, die Andy Warhols „Brillo Boxes“ ausgestellt hatte.  „Brillo Boxes“ sind Supermarktkartons, die als  Verpackung für Putzschwämme dienen.  Warhol ließ diese in seiner Werkstatt in Sperrholz nachbauen und per Hand bemalen. Aus Sicht von Danto war die Brillo-Box-Ausstellung  geeignet, die gesamte Kunsttheorie zu revolutionieren: Warhol und andere Pop-Art-Künstler hätten gezeigt, dass von zwei Gegenständen, die genau gleich aussahen, eines ein Kunstwerk und das andere keines sein konnte.

Der Unterschied Kunstwerk nicht Kunstwerk kann also nicht ästhetisch erkannt werden. Den Unterschied macht vielmehr die Interpretation. „Kunst ist eine Sache, deren Existenz von Theorien abhängig ist“ sagt Danto. Der Status als „Kunstwerk“ wird einem Objekt zuerkannt, indem die Interpretation dessen Bezug zu „Über-etwas-sein (aboutness)“ herstellt.

Das bedeutet also: ohne Interpretation gibt es keine Kunst. Jede Interpretation konstituiert ein neues Werk. Das bedeutet aber auch, dass es laut Danto keine Kunst per se gibt. Kunst wird nicht durch Künstler geschaffen sondern entsteht durch Interpretation. Hier stellt sich naturgemäß die Frage, wer die Definitionsmacht haben soll. Diese hat Danto eindeutig an die Philosophie übergeben, da eigentlich nur die Philosophie fähig ist, die Definitionen zu liefern.

Witzigerweise war Danto in der New Yorker Kunstszene ein gefeierter Schreiber, obwohl seine  ästhetische  Theorie  besagt ,  dass  es gar  keine  Kunstwerke  gibt. Das liegt daran, dass die philosophischen  Ästhetik  inzwischen auch als  eine Art  Werbebranche für die  Kunst fungiert.  Dabei geht es allerdings nicht um ein generelles Wertzertifikat  für  die  Kunst  als  solche,  sondern  um  die  Beförderung  des  Marktwertes einzelner  Künstler.  Die  Kommentare  der  Philosophen und  Ästhetiker  sind  zu  einem  Bestandteil der Spekulationsbranche namens Kunstwelt geworden. Der Inhalt der Kommentare ist dabei allerdings ziemlich gleichgültig, wie der Fall Dento zeigt.

Nelson Goodmans (1906 -1998) ist ebenfalls Amerikaner und ein weiterer wichtiger Vertreter der ästhetischen Philosophie, er ist von einer skeptischen, analytischen und konstruktivistischen Richtung geprägt. Übrigens war er zudem ein begnadeter Kunstsammler (Ausstellung der Goodmanstiftung in Harvard)

In seinem 1968 erschienenen Hauptwerk Languages of Art (dt. Sprachen der Kunst) wendet er sich gegen die üblichen Zugangsweisen zum Ästhetischen, nämlich gegen den Zugang durch das Leitprädikat „schön“ (viele der besten Bilder sind ganz offensichtlich häßlich), er ist aber auch gegen den Zugang über das Emotionale (also Empfindung, Gefühle, Genuß). Er ist vielmehr für den kognitiven Zugang zum Kunstwerk. Das Emotionale solle allenfalls dem Zweck der Erkenntnis dienen.

Goodman geht davon aus, daß es so etwas wie die eine Welt nicht gibt, die erkannt werden kann. Vielmehr wird die Welt in einem konstruktiven Erkenntnisprozeß erst gemacht. In diesem Prozeß verschwindet die eine Welt, und an ihre Stelle treten verschiedene Sichtweisen oder „Weltversionen“. Diese „Welterzeugung“ geschieht anhand von Symbolen (hier sind nicht Symbole im klassischen Sinne gemeint, der Begriff meint eher Zeichen,  es umfaßt hier also Buchstaben, Wörter, Texte, Töne, Bilder, Diagramme, Karten, Modelle und vieles andere mehr). Der primäre Zweck in Zeichenzusammenhängen ist Erkenntnis.  Nach  Goodman können  alle  Formen  der  Kommunikation  (Sprache,  Kunst,  Wissenschaft)  als  Symbolsysteme aufgefasst  werden.  Die Symbole werden Symbolsystemen zugeordnet, z.B. die Wissenschaften, die Philosophie oder die Künste. Keines der Systeme hat Vorrang vor den anderen. Wissenschaften und Künste unterscheiden sich lediglich in der Art des Symbolgebrauchs, nicht aber in der Richtigkeit oder gar Wahrheit ihres Zugangs zur Welt.

Die Theorie der Kunst ist deshalb – ebenso wie die Theorie der Wissenschaften – Teil einer umfassenden Erkenntnis- bzw. Symboltheorie. Ausgehend von dieser These versucht  Goodman die  Charakteristika des Symbolsystems der Kunst herauszuarbeiten, um so eine Brücke von der Kunst zur Erkenntnistheorie zu bauen.

Für Goodman gibt es kein Generalkriterium für das Ästhetische. Er nennt stattdessen lediglich Symptome für das Ästhetische (Syntaktische Dichte, semantische Dichte, relative Fülle   und   Exemplifikation). Diese Symptome  sind aber weder   notwendige   noch   hinreichende Bedingungen   für   ästhetische   Erfahrung.   Jedoch   kommen   sie   in   der   Kunst   verstärkt   vor: „Wahrscheinlich sind die vier Symptome in ästhetischer Erfahrung eher zu finden, als dass sie fehlen,  und  normalerweise  nehmen  sie  eine  hervorragende  Stellung  ein;  aber  jedes von  ihnen kann  in  der  ästhetischen  Erfahrung  fehlen  oder  in  der  nicht ästhetischen zu finden sein.“ ( Sprachen der Kunst). Goodman spricht von Symptomen nicht von Kriterien, da es selbst bei Vorliegen aller Symptome möglich ist, dass das Untersuchte eben kein Kunstwerk ist. Wie gesagt, es gibt nicht ein einziges verbindliche Kriterium für Kunst.

George Dickie (*12. August 1926 ), auch US- Amerikanischer Philosoph, arbeitet ausschließlich auf auf dem Gebiet der Ästhetik in der Tradition der analytischen Philosophie.

Ausgehend von kritischen Untersuchungen klassischer Theorien zur ästhetischen Erfahrung, Einstellung und Wahrnehmung kommt Dickie zu dem Schluss, dass sich Kunst nicht unter Bezugnahme auf mentale Zustände oder unmittelbar wahrnehmbare Eigenschaften bestimmen lässt.

Vielmehr sei eine Institution, die Kunstwelt („artworld“ ist übrigens ein Begriff, der von Arthur C. Dantos geprägt wurde ) Ausgangspunkt der Bestimmung von Kunst zu nehmen. Ein Kunstwerk ist ein Artefakt, dem eine Gruppe von Experten den Status eines Kunstwerks verliehen hat. Grob gesagt: Kunst ist das, was im Kunstmuseum steht.

Dickie gibt eine Formel für die Klassifizierung von Kunst:

(1) ein Artefakt,

(2) eine Menge seiner Eigenschaften, der der Status eines Kandidaten für Wertschätzung durch eine oder mehrere Personen übertragen wurde, die im Namen einer bestimmten gesellschaftlichen Institution (der Kunstwelt) handeln.“

Hier stellt sich erneut die Frage, welche Personen urteilen dürfen, was Kunst ist. Bei dieser Auffassung scheint die Frage zu einer kulturpolitischen zu werden.

 

Jean-François Lyotard (1924 – 1998)  französischer Philosoph und Literaturtheoretiker und wichtiger Theoretiker der Postmoderne hat einen ganz anderen Zugang zur Kunst als die bisher genannten Philosophen.

Seiner Meinung nach ist Kunst nicht diskursiv darstellbar. Lyotard richtet sich gegen die von Hegel bis zu (einem bestimmten, frühen) Adorno vertretene Ansicht, dass die philosophische Interpretation das begrifflich klar macht, was die Kunst eigentlich sagen wollte, aber nicht sagen konnte, da sie nicht begrifflich vorgeht sondern sinnlich. Er geht gegen die die „Nichtgrenze“ der begrifflichen Auslegung vor. Die Kunst kann nach seiner Auffassung nicht einfach in Begriffe übersetzt werden.

Er zeigt auf, dass Grenzen der Darstellbarkeit gibt und jenseits davon Undarstellbares. Genau dies ist für Lyotard Kennzeichen der modernen Kunst. Die Kunst der Avantgarden werde selbstflexiv. Sie frage sich selbst nach den bestehenden Mustern,  was Kunst zu sein habe. Sie frage nach den Grenzen der Darstellbarkeit und wende sich dem dem Undarstellbaren (dem Erhabenen) zu. Es handele sich um eine Kunst des Dissenses, der Zuspitzung, die sich auf die Ränder des Kunstphänomens sowohl als auch auf die unserer Existenz richte. Lyotard nimmt Bezug auf den Begriff des Erhabenen wie Kant ihn verwendet.  Bei der Ästhetik des Erhabenen geht es anders als bei der Ästhetik des Schönen nicht um Harmonie sondern um Unvereinbarkeit. Das Erhabene entzieht sich dem Geschmack und dem kollektiven Konsens, es ist ein anderes Gefühl. Es ist das Terroristische, dass das Schöne zerstört. Das Erhabene verweigert sich der Transparenz, es ist das unendlich Unversöhnliche, Provokante. Das Erhabene ist der produktive Riss, der unendliche Abgrund, der sich im Augenblick ereignet.

 

 

Literatur online

http://www.kunstphilosophie.info/Goodman/Einfuehrung.html

http://www.tabularasamagazin.de/artikel/artikel_2581/

http://www.zeit.de/2013/45/nachruf-arthur-c-danto

http://www.kunstphilosophie.info/Dickie/Einfuehrung.html

http://micc-project.org/wp-content/uploads/MICC_WP_05-Nelson-Goodman1.pdf

http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/

und Wikipedia

Kierkegaard / Phil.Brocken 01

von Rainer

  • 1. ​Schuld ​bzw. ​Sünde

​ ​ ​ ​Gott ​schuf ​den ​Menschen ​mit ​der ​Fähigkeit ​des ​Verstehens ​und ​
   der ​Bedingung ​für ​das ​Verstehen ​(z.B. ​Sprache ​(gleiche)).
​ ​ ​ ​-> ​der ​Mensch ​aber ​wandte ​sich ​ab ​von ​der ​potenziellen ​Fähigkeit ​ die ​

   Wahrheit ​erkennen ​zu ​können; ​er ​wurde ​zur ​“Unwahrheit“.
​ ​ ​ ​(Im ​AT ​ist ​die ​Sünde ​(Erbsünde) ​das ​Essen ​vom ​“Baum ​der ​Erkenntnis“)

​ ​    ​Schuld ​bei ​Kierkegaard: ​Hinwendung ​zur ​Unwahrheit ​
                                     (Verschleuderung ​der ​​Gottesgabe)
​ ​  ​​Schuld ​im ​AT. ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​     ​:  ​Erkenntnis ​der ​Wirklichkeit, ​der ​Suche ​nach ​
                                     der ​Wahrheit

  • 2.  ​Da ​der ​Mensch ​(s. ​1.) ​sich ​von ​Gott ​abwendet, ​wird ​er ​schuldig ​
    (Gott ​und ​die ​Wahrheit ​sind ​synonym).
  • 3. ​Gott ​ist ​ein ​produktiver ​Gott, ​der ​aus ​selbstloser ​Liebe ​den ​Lernenden ​
        zur Wiedergeburt, ​die ​Rückführung ​aus ​dem ​“Nichtsein“ ​(Unwahrheit) ​

        in ​das ​“Sein“ (Wahrheit) ​führt
    ​ ​ ​  ​-> ​Erkenntnis ​“Ich ​bin ​Mensch ​und ​strebe ​aus ​der ​Unwahrheit ​zur ​Wahrheit ​(Erkennen)

​ ​ ​  ​Dies ​findet ​nicht ​ständig ​(abrufbar) ​statt, ​es ​ist ​eine ​Singularität ​ ​->.
    ​der ​“Augenblick“
​ ​ ​ ​ („Fülle ​der ​Zeit“) ​in ​der ​die ​“Ewigkeit“ ​real ​wird ​[Unterschied ​zu ​Sokrates!].

  • 4. ​Ich ​meine ​die ​Tugenden:

​ ​ ​ ​Maß, ​Klugheit, ​Tapferkeit, ​Gerechtigkeit ​ ​ ​ ​ ​als weltliche ​Tugenden
​ ​ ​ ​und

​ ​ ​ ​Hoffnung, ​Glaube, ​Liebe. ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​als theologische ​Tugenden
​ ​ ​ ​können ​gelehrt ​bzw. ​pädagogisch ​den ​Lernenden ​nahe ​gebracht ​werden.

Kapitalismus ohne Ethik

solo3

von Rainer

Der Urproduzent von Dingen des täglichen Lebens
(Nahrungsmittel, Werkzeuge…) musste seine Ressourcen
einschränken, begrenzen. Seine Überlebenssituation
machte eine „nachhaltige“ Wirtschaftlichkeit notwendig.
Er schützt die Natur, raubt sie nicht aus, erhält sie von
sich aus – um morgen überleben zu können -> „ETHIK“

Im Kapitalismus geht es letztlich nicht mehr um das Produkt,
sondern um das „Kapital“ -> Geld.
d.h. die Erhaltung der Überlebensbedingungen ist sekundär
geworden. Es geht um kurzfristige Zunahme des Kapitals.
Ausbeutung ist das Prinzip – aber nicht nur des Arbeiters,
sondern auch der Natur -> es gibt keine Ethik, da die Produktion
und das endliche Produkt (Geld) zwar ein konkretes, aber letztlich
ein abstraktes Ziel ist – ohne Rücksicht auf Gegenwärtiges.

Was ist Kunst? Teil 1

von Andrea

Kürzlich mußte ich mich wieder einmal  fragen: „was ist eigentlich Kunst ?“ Ich saß mit meinem Vater im Wartezimmer seines behandelnden Arztes. Der Raum war mit abstrakten Gemälden geschmückt. Mein Vater fragte mich (etwas polemisch), ob dies Kunst sein solle. Erstens sei es nicht besonders schön und zweitens könne er das auch.

Was sollte ich dazu sagen? Er hatte ja vollkommen Recht. Und ob das nun Kunst war, keine Ahnung. Wie schwer Kunst zu erkennen ist, zeigen Geschichten von Reinigungskräften deutlich, welche allein durch gewissenhafte Ausübung ihrer Arbeit am falschen (Kunst?-)Objekt hohe Versicherungsschäden verursacht haben.

So hatte im Januar 2016, eine Putzfrau das Kunstwerk „Behausung 6/2016“ in der Philippuskirche in Mannheim mit Müll verwechselt, wie im „Stern“ unter der Überschrift „Ist das Kunst oder kann das weg“ zu lesen war. ( der Titel stammt von Christian Saehrends Documentabuch) Die Künstlerin Romana Menze-Kuhn hatte das Werk aus Europaletten und Rettungsfolien gestaltet. Es sollte für Menschen in Not stehen, die mit geringen Mitteln ihre Unterkunft schaffen müssen. Die Reinigungskraft riß die am Boden bestigten Folien ab.

Da sich das Werk nicht reparieren ließ, steckte die Künstlerin die abgerissenen Teile in eine Mülltonne und integrierte diese in ihr Werk. „Die Teile, die fehlen, symbolisieren für mich Menschen, die Schutz suchten in der Behausung und auch im Altarraum der Kirche. Sie landeten jetzt in der Tonne.“, sagt Menze-Kuhn. Es gibt also eine neue Installation, sie heißt „Behausung 2a/2016“.

Aha, hier gab es nun offensichtlich zwei Kunstwerke. War der Eingriff der Reinigungskraft dann überhaupt ein Verlust? War die Skulptur „Behausung 6/2016“  wertvoller als  „Behausung 2a/2016“ oder war sie mehr Kunst als die andere. Vielleicht war es auch umgekehrt. Ich denke sogleich an das Unwetter 2007, das auf der Documenta in Kassel die Skulptur „Template“ von Ai Weiwei einstürzen ließ. Der Künstler kommentierte dies so: „Das ist besser als vorher.“

Aber nicht immer wird das so gesehen. Im Herbst 2011 entfernte eine Putzfrau einen Kalkfleck aus einem Werk von Martin Kippenberger („Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“) im Museum Ostwall in Dortmund. Bei dem Werk handelte sich um einen Holzplattenturm, unter welchem sich mittig ein Gummitrog und in diesem auch der Kalkfleck befand . Das Werk war eine Leihgabe. Der Versicherungswert betrug 800.000 Euro. In dem Fall habe sich das Kunstwerk nicht verbessert, sagte Gerhard Finckh, Direktor des Von-der-Heydt-Museums in Wuppertal. Bei Ai Weiwei sei dies anders gewesen. (s. http://www.welt.de/kultur/article13698825/Eine-Putzfrau-wirft-die-Frage-auf-Was-ist-Kunst.html. Daraus soll nun einer schlau werden.

Der erste Vorfall dieser Art, an den ich mich erinnere, war berühmte Fettecke von Joseph Beuys auf der Documenta 1986, die ebenfalls von einer Reinigungskraft beseitigt wurde. Auch in diesem Fall war das Kunstwerk unwiderbringlich verloren. Mit dem Fett wollte Beuys ein Werk schaffen, das seine Farbe und Konsistenz verändert, das „lebt“ und – genauso wie der Mensch – irgendwann nicht mehr da ist. Die Putzfrau hatte den Prozess des Verfalls offensichtlich zu sehr beschleunigt und damit erreicht, dass nunmehr auch die Kunst nicht mehr da war.

Sind Putzfrauen Kunstbanausinnen? Ist das abstrakte Gekritzel und das in die Ecke geschmierte Fett überhaupt Kunst? Und wenn ja, wieso denn? Wieso ist dann das Fett in der Ecke meiner Küche kein Kunstwerk? Kalk- und Fettflecken können offensichtlich dann Kunst sein, wenn damit eine Aussage verbunden ist. Man kann den weggeputzten Kalkfleck auch nicht einfach wieder hinmachen, weil es nicht mehr derselbe wäre. „Das Original ist eben das, wo ein Künstler zum ersten Mal etwas gemacht hat“, meint Raimund Wünsche, Kunstbuchautor und pensionierter Direktor der Münchener Glyptothek. „Deshalb hat es oft eine besondere Intensität.“ Es geht um die Idee – nachmachen kann jeder. (Quelle wie vor). Es geht also um den schöpferischen Vorgang, um den eigenen, unverwechselbaren Ausdruck.

Na, klar, darum sind die Bilder von Beltracchi keine Kunst, bzw. keine Kunst mehr (als man noch nicht wußte, dass es Fälschungen sind, waren sie ja noch Kunst). Obwohl er unglaublich gut malen kann, macht er keine Kunst, weil er kopiert bzw. im Stil eines andern malt. Kunst kommt ja nicht von Können und kopieren reicht nicht, oder?

Andererseits jedoch kopiert Jeff Koons ja auch, nämlich Spielzeug, und seine Werke gehören zu den am Kunstmarkt am teuersten verkauften. Und auch Andy Warhols hatte kopiert, mit seinen „Brillo Boxes“ von 1964  hatte er die im Supermarkt erhältlichen Kartons für Brillo Putzkissen exakt nachgebaut; diese sind Ikonen der Popkultur geworden.

Marcel Duchamp geht noch einen Schritt weiter, er machte sich die Arbeit des Kopierens erst gar nicht. Er kaufte sich einen Flaschentrockner im Kaufhaus und signierte diesen. Der „Flaschentrockner“ bekam dadurch einen Wert von zig tausend Franc.

Und es kommt noch dicker: Der Hamburger Kunsthallenchef Werner Hofmann, der in den 60er Jahren eine Hamburger Pop-Art-Ausstellung veranstaltete, wollte für die Schau auch gern einen solchen Flaschentrockner und schrieb dem Künstler. Duchamps antwortete, Hofmann könne diesen im Kaufhaus „Samaritaine“ an der Seine erstehen.

Sind beide im Supermarkt gekauften Flaschentrockner jetzt Kunst oder nur der signierte?

Und wenn Sie jetzt denken, ich hätte eine Antwort auf all meine Fragen, muß ich Sie enttäuschen. Na, klar, es gibt Definitionen für Kunst. Aber sie sind zahlreich und widersprechen einander. Außerdem sind sich Künstler und Philosophen nicht einig, wer die Definitionsmacht hat (natürlich möchte sie jeder für sich).

Was meinen Sie? Wissen Sie, was Kunst ist?

(Text zuerst veröffentlicht unter https://heinrich11.wordpress.com/)

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Philosophie als Suche

solo3

von Rainer

Philosophie als Suche / Liebe nach der Wahrheit

Mensch wünscht Wahrheit als Absolutes – es gibt nur eine!
Er begegnet aber nur Grautönen, da die Unwissenheit seine Farben sind.

Wahrheit ist mehr als Wahrscheinlichkeit – menschlich: nicht entgültig
— daher die Suche nach dem Letzten, alles Erklärbarem, Erklärendem.
Bescheidenheit, Bescheidung wäre angesagt.
Theologie mit der Voraussetzung von Glauben ist „Wahrheit“ eingesackt;
Wahrheit erscheint nur absolut; Wahrheit ist mehr als Ja oder Nein

Wahrheit ist eher abstrakt – logisch

Aber mit dem Glauben ist alles zu Ende, denn es gibt nunmehr nur eine
Wahrheit und die ist größer denn alle Vernunft

Während die Vernunft das Ergebnis der eingehenden Wahrnehmung des
Verstandes ist, ist die Festlegung der obigen Größe bereits beider Ende:
Für die „Wahrheit“ im Glauben bedarf es nicht des Verstandes
(der Fähigkeit der Wahrnehmung) noch der Vernunft
(als Ergebnis der Arbeit, die nach den Dingen und Sinnesaufnahmen,
Konzequenzen aus Innen und Außen, menschlich und prinzipiell zu
Einstellungen führen, die das Denken verändernd
beeinflussen – aber auch das Verhalten verändern).

Der Glaube ist Festlegung, er ist „Wahrheit, ist Macht, ist endgültig „

Eine Möglichkeit der individuellen „Wahrnehmung“ von „Wahrheit“ ist
persönliche Freiheit – Freiheit des Denkens, im Sinne kultureller,
gesellschaftlicher und persönlicher Achtung >>>>
Freiheit geht nur über die eigene Person – damit ist „Wahrheit“ sehr persönlich!

Dr. Joseph G. Thomas

 

Dr.Joseph G.Thomas

Dr.Joseph G.Thomas

Studium der Kunst, Kunstgeschichte, Psychologie, Philosophie und Pädagogik in Kaiserslautern
und Braun­schweig. Lehrt an öffentlichen und kirchlichen Institutionen Philosophie, Psychologie, Kunst, Theorie des Films und an der TU Braunschweig Philosophie der Logik. Themenschwerpunkte seiner Forschung sind Kontinuität und Diskontinuität philosophischen Denkens und der Zusammenhang der Philosophie der Moderne in ihrer geschichtlichen Differenz.

Was ist Leben?

solo3

von Rainer

Du bewegst dich doch, sagte ich zum Elektromotor und unterstellte ihm damit, dass er lebte.
Als jedoch die Wasserflut kam, sagte ich ihm, „keine Angst, du wirst nicht ersaufen, sorge nur dafür, dass dein Rotor immer genügend Sauerstoff bekommt.“
Mein Elektromotor hörte zwar meine Worte, das Hochwasser jedoch überlebte er nicht.

Ich unterstelle erst einmal, dass er nicht genügend Lebenswillen hatte. So hatte er doch einen genügenden mechanischen Standard: er konnte bei -10 °C und bei 50 °C arbeiten, er war mindestens Spritzwasser geschützt und auch klimatische Besonderheiten machten ihn laut Typenschild keine Probleme. Doch er überlebte nicht – er verreckte!

Offensichtlich ist Bewegung oder die Fähigkeit sich bewegen zu können, kein, eines oder nur eines von vielen Kriterien für Leben.

Mein Motor konnte sich nicht an die äußeren Umstände anpassen. Er tat nur das, wofür er geschaffen wurde, er drehte sich.
Für Leben sind also mehr Dinge notwendig, um dieses zu bezeichnen.

Wachsen, verändern (Evolution), wuchern, mutieren, sich fortpflanzen (mit allen hier enthaltenden komplizierten Prozessen).

Dann kommt noch der Verstand bei Lebewesen der höheren Art hinzu. Diese Wesen sind in der Lage ihre eigene Veränderung wahrzunehmen und zu beschreiben.
Eine weitere Stufe ihrer Vollkommenheit ist die Fähigkeit, sogar über diese Wahrnehmung nachdenken zu können (Hegel: das Sein in Begriffen zu erfassen).

Lebt ein Stein?

Kann es sein, dass etwas lebt, dessen Veränderung in eines Menschen Leben nicht zu erfassen ist?
Leben als pure Veränderung? Ob langsam oder schnell, ob wahrnehmbar oder unmerklich, hieße dies, auch ein Bergrutsch wäre Leben. (Wenn der Prophet nicht zum Berge kommt, kommt der Berg zum Propheten).

Wenn also Leben auch jenseits von Wahrnehmung stattfände, dann lebt alles um uns herum.
Somit könnten wir erst einmal wieder bei der puren Bewegung angelangt sein.
Ein Gas breitet sich aus, ein Körper verändert sich durch Rotation, Sterne verdichten sich oder verdünnen sich – all das müsste auch zum Leben gehören.

Leben wäre also nicht nur biologisch, sondern auch geologisch, astronomisch, kosmologisch und alle diese Prozesse betreffend, die uns umgeben.

Vorläufig:
Es scheint, der wichtige Begriff für das Leben ist die Fortpflanzung…

Wissen – weise – Hölle

solo3

von Rainer

Wir wollen alles wissen, da wir neugierig sind – das sind wir aus Überlebens-
Strategie. Weißt du alles kannst du die Umwelt erkennen, beherrschen.
Wissen ist Information, die überprüfbar ist (empirisch).
Wissen verhindert nicht seine Zunahme, sondern fördert eher seine ver-
mehrte Zunahme.
Wissen ist erst einmal wertfrei – erst…
Der Weise weiß dieses Wissen einzuordnen, zu strukturieren, zu bewerten.
Er kann auch diesem Wissen seine Erfahrung bzw. seine Intuition hinzu
fügen – und damit zu einer höheren Erkenntnis gelangen.
(also hinter die Erscheinung, die äußere Wahrnehmung gelangen!)
d.h. Weisheit ist Wissen zu verstehen…

Warum ist Glauben eher positiv?
Es geht um die Verheißung der „unsterblichen Seele“, des ewigen Lebens –
wenn du „gut“ (positiv, im Sinne der Religion) bist.
Dazu gehört der innere Widerspruch des „böse“ – Seins. Er ist nicht der
Widerspruch zum Glauben od. innerhalb des Glaubens, er ist als „Hölle“
Teil dieses. (Der Mensch wird auf den „rechten Weg“ gebracht)

Klagenfurter Studie über „Weisheit“ (WDR/Quarks+Co.14.08.2012):
Weisheit ->
Offenheit ->. <- Mastery
Reflektive. <- Emotionsregulation
Grundhaltung->. LEBENSEREIGNISSE
Emphatisch ->. <- Altruismus

Alle Ereignisse bringen den Menschen weiter!

Kriterien für Weisheit ( Studie s.o.)
1) Offenheit 2) Gefühle steuern
3) Reflexion. 4) Mastery
1) keine Angst vor neuen Ideen und Veränderungen
2) sensibel mit eigenen und anderen Gefühlen
3) über sich, das Leben und andere Menschen
4) man kann im Leben nicht alles kontrollieren –
c aber man ist auch nicht völlig ausgeliefert

Spannung01

Hier stehe ich

Bezugspunkt

von Andrea

Auch ich gehöre keiner philosophischen Lehre an. (jedenfalls nicht, dass ich wüßte) Aber ich bin wohl ein Kind der Postmoderne*.

„Unklares klar machen“ und „Dinge erkennen“ sagst Du, klingt ja gut. Bestimmt können wir ja unsere Sinne und unser Denken schulen. Aber wie wollen wir denn Erkenntnis erlangen, durch vernüftiges Denken? Unsere Erkenntnismöglichkeiten sind m.E. ganz relativ. Ich sehe es wie Foucauld (Das Licht, das die Vernunft ins Dunkel undurchschauter Abhängigkeiten gebracht hat, wird – um eine Metapher Foucaults aufzugreifen – nunmehr als ›Falle‹ empfunden; denn die erreichte Transparenz ermöglicht zugleich universelle Überwachung, Kontrolle und Disziplinierung alles Andersartigen und Fremden, nicht zuletzt auch der ›unvernünftigen‹ inneren und äußeren Natur. s.u.)

Ich schätze Wittgenstein ebenfalls sehr. Wittgenstein ist es zu danken, dass wir der Sprache nicht mehr trauen und uns durch diese nicht mehr auf falsche Fährten führen lassen.
In den Philosophischen Untersuchungen warnt er vor der „Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache“- Verwobenheit von Denken und Sprechen prägt unsere Lebensform. Wunderbar erkannt!

Du schreibst auf dem blog unter „was wir wollen“, dass Du die „wirkliche“ Natur der Dinge erkennen willst und dass Du erkennen willst, „was die Welt im innersten zusammen hält“. Da bin ich nicht mehr dabei, das ist metaphysisches Denken.

Ich freue mich zwar auch über die Erkenntnis, dass ich auf irgendeinen „Holzweg“ geraten bin. Ich glaube aber nicht an „den Weg“, an die „Wahrheit“.

Obwohl ich als spiritueller Mensch auch sagen könnte “ Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Johannes Evangelium 14,6), aber das ist eine andere Ebene, das ist Mystik. Hier ist Erkenntnis auf anderem Weg zu erlangen. Übrigens kann man hier auch den verehrten Wittgenstein wiedertreffen. Literaturempfehlung hierzu: „Der Denker als Seiltänzer. Ludwig Wittgenstein über Religion, Mystik und Ethik“.)

Ludwig Wittgenstein, Der Denker als Seiltänzer

Ludwig Wittgenstein, Der Denker als Seiltänzer

 
Postmoderne:
*Angesichts des in vielerlei Hinsicht desaströsen Zustands der weitgehend durch rationale Prozesse bestimmten Wirklichkeit nicht nur am Ende des 20. Jhs. ist der Glaube der aufgeklärten Moderne an die Universalität und Einheit der sich aus sich selbst heraus rechtfertigenden und begründenden Vernunft immer stärker ins Wanken geraten. Vernunftkritik und Vernunftschelte sind geradezu in Mode gekommen; sie gelten dem schon von Nietzsche, einer Vaterfigur der Postmoderne, diagnostizierten ›Wahnsinn‹ der Vernunft, der allgegenwärtiger zu sein scheint als selbst die bescheidensten Realisierungsansätze jener optimistischen Heilsvisionen von Descartes über Condorcet bis hin zu dem trotz aller Kapitalismuskritik grundsätzlich kaum skeptischeren Spätaufklärer Marcuse, die darin übereinstimmen, dass sie von der Durchsetzung von Vernunft und Wissenschaft den mühelosen Genuss aller Früchte und Annehmlichkeiten der Erde für alle Menschen erwarten. Repression und Zerstörung, eurozentrische, phallozentrische und technische Machtausübung stehen in dem Verdacht, das Werk der einst als Befreierin von bestehenden Geltungs- und Machtansprüchen gepriesenen Vernunft zu sein. Die von ihr begonnene Kritik an tradierten Inhalten hat sie selbst eingeholt: Auch das Vermögen der Kritik wird zum Gegenstand metakritischer Betrachtung. Das Licht, das die Vernunft ins Dunkel undurchschauter Abhängigkeiten gebracht hat, wird – um eine Metapher Foucaults aufzugreifen – nunmehr als ›Falle‹ empfunden; denn die erreichte Transparenz ermöglicht zugleich universelle Überwachung, Kontrolle und Disziplinierung alles Andersartigen und Fremden, nicht zuletzt auch der ›unvernünftigen‹ inneren und äußeren Natur.

(Quelle: http://www.philosophie-woerterbuch.de/online)

Peter Lustig erklärte den Kindern die Welt

Alles Philosophieren beginnt mit Beobachten und Fragen, und wenn Kinder damit anfangen, stehen ihre Fragen natürlich im Zusammenhang mit ihrer erfahrbaren Umwelt, mit dem wunderlichen Geschehen in der Natur, im Garten, am Himmel, in ihren Körpern, den Geheimnissen der Technik. Kinder sind Empiriker und Sensualisten, und dabei schon früh zu kritischem Hinterfragen aufgelegt (solang

Der Löwenzahn-Peter

Der Löwenzahn-Peter

man’s ihnen nicht austreibt). Und ist es nicht ganz angenehm und entlastend, liebe Eltern, wenn euch bei den tausend Fragen eurer Kids ein netter und vertrauenswürdiger Erklär-Bär ein wenig Arbeit abnimmt? Und das mit dem kindgerechten Erklären vielleicht auch noch besser macht als ihr es könntet?Mir war das jedenfalls ganz recht, wenn mein Sohn (und öfter auch Kinderbesuch aus der Nachbarschaft) allsonntäglich ein halbes Stündchen Weltwissen extra verabreicht bekam, von diesem Peter Lustig, dem Mann in der Latzhose, der lustigerweise im echten Leben so wie im Fernsehen hieß.„Löwenzahn“ war seine Sendung, in der er aus seinem bunten Bauwagen heraus mit ansteckender Neugier in die Welt guckte und die wirklich wichtigen Fragen stellte wie „Warum ist das so? Es könnte ja auch ganz anders sein.“ Um dann mit seinen Tüfteleien und Experimenten den Dingen auf den Grund zu gehn, so dass nicht nur Kindern, sondern auch so manchem Großen das eine oder andere Lichtlein aufging.

Quelle: Philosophische Schnipsel – Notizen, Essays & Reflexionen zu Kultur, Medien, Literatur und Gegenwartsphilosophie

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