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und geht…

Prof. Judith Butler in Köln: Verletzlichkeit menschlicher Subjekte

von Andrea

Vom 20. bis zum 23. Juni 2016 weilt die Philosophin und Philologin Judith Butler als Albertus-Magnus-Professorin an der Universität Köln.

Die Uni Köln hat 2005 die Albertus-Magnus-Professur eingerichtet, mit welcher sie des mittelalterlichen Universalgelehrten Albertus Magnus gedenkt, der Mitte des 13. Jahrhunderts die Generalstudien des Dominikanerordens in Köln leitete und als einer der geistigen Väter der 1388 gegründeten Universität gilt.

Judith Butler ist Professorin für Rhetorik und Komparatistik an der University of California, Berkeley und weltweit bekannt insbesondere durch ihre Arbeiten zur feministischen Theorie.

Berühmt wurde sie durch ihr 1990 veröffentlichtes Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“ (original: Gender Trouble) . In diesem Buch kritisiert sie den bisherigen Feminismus der Differenz, der lediglich einen Gegenentwurf zum Patrarchismus vorsehe und Optionen auch der Frauen beschränke.

 Sie schlägt dagegen vor, das soziale Geschlecht (gender) als Performance zu betrachten. Das männliche und weibliche Verhalten entstehe über soziale Prägung, es werden Muster übernommen und versucht, diese zu leben. Aber diese seien nicht bereits biologisch festgelegt. Über Verhaltensweisen werde der Charakter eingeübt, der als typisch männlich oder weiblich angesehen wird. Aber nicht aus dem Charakter folgen die Ausdrucksweisen, es sei vielmehr umgekehrt: Die einstudierten Muster formen den Charakter.

In Köln widmete Butler zwei Vorlesungen den Themen  der Verletzlichkeit menschlicher Subjekte und der Frage, warum manche Leben als betrauerbar erscheinen und andere nicht.

Aus Letzterem leitet sie eine Ethik der Gewaltlosigkeit ab, die sie am Montagabend ausführte. Ob ein Leben als betrauerbar angesehen wird oder nicht, ist für Butler ein rassistischer Diskurs. Mittelmeerflüchtlinge und der Afroamerikaner Eric Garner, der 2014 im Würgegriff eines New Yorker Polizeibeamten auf offener Straße starb, haben gemeinsam, dass sie durch ein „historisch-rassisches“ Schema beschrieben werden, das von weißen Männern formuliert wird, ein Gedanke, den sich Butler von dem antikolonialen Psychiater Frantz Fanon entlehnt. Um aber sicherzustellen, dass auch diese Leben als betrauerbar gelten, fordert Butler, dass Gewaltlosigkeit zur Norm wird.

http://www.taz.de/!5316112/

10. Von der „Sorge“ zur „Fürsorge“

Veranstaltung vom 16.06.2016

von Rainer

Von der“Sorge“ zur „Fürsorge“

Sorge (besorgen) bezieht sich auf den Umgang mit Zeugs.
Herstellen, bearbeiten, anbauen von Waren, Werkzeugen etc.
Fürsorge bezieht mich und die Anderen ein; es handelt sich
um eine Art Personifizierung, Einbringen in das Leben:
das Zeug wird dienstbar gemacht!

das Bild des Bootes verweist auf anderes Dasein

S.118   Wir leben mit dem Zeug und den Anderen;
            Zeug ist hierbei kategorisch, die Anderen sind Exenziale

S.119   „Die Anderen…“
            -> S.123,Z32 Struktur der Weltlichkeit
                 -> „Andere“ zeigen sich im „Boot“

Wir denken verschieden, es ist keine „Ich-Verdoppelung“
[Wir sehen die Menschen mit etwas beschäftigt]

S.120   „bei der Arbeit“ treffen, heißt primär in ihrer
            „In-der-Welt-sein“
„Auch das Alleinsein des Daseins ist Mitsein in der Welt!“
-> Modus des Sein des Daseins

unten Entfremdung

S.121   „Modus der Gleichgültigkeit und der Fremdheit“
                  -> Dasein ist Mitdasein (auch umgekehrt)

Sorge zur Fürsorge

Zitate aus „wikibooks.org“

Da das Sein des Daseins als Sorge bestimmt wurde, gründet hierin auch das Mitsein: das Verhältnis zu Anderen fasst Heidegger in der Fürsorge. Sie umfasst auch die Modi der Defizienz (z. B. Wider-einandersein) und der Indifferenz (Einander-nichts-angehen).positive Fürsorge kann weiterhin in zwei Formen auftreten, sie kann für den anderen einspringen, dem Anderen die Sorge abnehmen, dies führt für diesen jedoch zur Abhängigkeit, oder aber sie kann für den Anderen vorspringen, sodass sie nämlich dem Anderen hilft, für seine eigene Sorge frei zu werden. Wie zum Besorgen die Umsicht gehörte, so eignet der Fürsorge die Rücksicht und Nachsicht. Mitsein ist somit umwillen Anderer, Besorgen umwillen seiner selbst.

S.126 §27,2.Abs. Konkurrenz – Abstand z.B. ausgleichen,
                  aufholen, überholen

Das Man als das Wer des alltäglichen Daseins
Mit dem Terminus Man fasst Heidegger den kulturellen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund des Daseins. Der Mensch ist als kulturelles Wesen stets auf ein Überlieferungsgeschehen angewiesen und durch dieses bestimmt. Die Summe der kulturellen und gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen nennt Heidegger Faktizität. Von ihr kann niemals abgesehen werden, da sie wesentlich zum Mensch als kulturelles Wesen gehören. Wird dem Dasein seine Bestimmung durch die Tradition jedoch nicht bewusst, so ist es den vorgegebenen Verhaltensmustern und Anschauungen ausgeliefert. Diesen Zustand des Ausgelieferseins nennt Heidegger uneigentlich.

Heidegger hat nun andererseits den Menschen als Möglichkeit bestimmt: was ihn ausmacht, ist seine Existenz. Allerdings ist unser Verständnis der Möglichkeiten zunächst durch die Anderen bestimmt. Sie nehmen dem Dasein das Sein ab, Dasein steht in der Botmäßigkeit der Anderen. Die Anderen sind hierbei niemand Spezielles und so lautet die Antwort auf die Frage, wer das Daseins in seiner Alltäglichkeit ist: das Man.

„Wir genießen und vergnügen uns, wie man genießt; wir lesen, sehen und urteilen über Literatur und Kunst, wie man urteilt; wir ziehen uns aber auch vom ‚großen Haufen‘ zurück, wie man sich zurückzieht.“

Das Man wacht über jede sich vordrängende Ausnahmen:

„Alles Ursprüngliche ist über Nacht als längst bekannt geglättet. Alles Erkämpfte wird handlich. Jedes Geheimnis verliert seine Kraft. Die Sorge der Durchschnittlichkeit enthüllt wieder eine wesenhafte Tendenz des Daseins, die wir die Einebnung nennen wollen“.

Diese Funktion des Man bezeichnet Heidegger als Öffentlichkeit. Das Man übernimmt zudem die Verantwortung für das Dasein, denn das Dasein kann sich stets auf es berufen: Das macht man so. Heidegger formuliert scharf: „Jeder ist der Andere und Keiner er selbst.“

Das Man hat auch auf die Entwicklung der philosophischen Tradition seine Auswirkung, denn es bestimmt das vorontologische Verständnis des Daseins, d. h. die Auslegung des Sinns des Seins, als auch seine ontologische Auffassung des Daseins als aus der Welt heraus verstanden.

Der uneigentlichen Fremdbestimmung stellt Heidegger das eigentliche Selbstsein als existentielle (nicht existenziale) Modifikation des Man entgegen. Hierzu analysiert Heidegger im folgenden Abschnitt die drei dem In-sein zugeordneten Existenzialien Befindlichkeit, Verstehen und Rede. In dem Bestreben, ein authentisches Leben zu führen, kann das Dasein, so Heidegger, nur im Rahmen dieser Existenzialien bleiben, sie konstituieren ja das Menschsein. Allerdings ist es ihm möglich, sich zu ihnen zu verhalten und so eine Modifikation ihrer vom uneigentlichen hin zum eigentlichen zu vollziehen.

9. Das in-der-Welt-sein als Mit- und Selbstsein. Das „Man“.

Veranstaltung vom 09.06.2016

von Andrea

Kritik an der klassischen Subjektphilosophie

Viertes Kapitel § 25:

Das In-der-Welt-sein als Mit- und Selbstsein. Das „Man“

Bei  der  Untersuchung des  In-der-Welt-seins  ist das Dasein in  seiner  Alltäglichkeit   Thema.  Heidegger  untersucht zuerst  das  Phänomen  der  Welt,  ausgehend vom innerweltlich Zuhandenem, weil der Mensch in  seinem  Alltag  sich  in  typischer  Weise  zur  Welt  verhält.  Welt wird zunächst durch das Zeug verstanden.

Das Dasein ist von seiner Welt benommen.  Seinsart des Aufgehens in der Welt und das zugrunde liegende in-Sein bestimmen das Phänomen, dem jetzt nachzugehen ist (SZ S.. 113 unten). Dies geschieht mit der Frage:

Wer ist es, der so in der Welt und in der Alltäglichkeit des Daseins ist?“

bei Wittgenstein – der spielende Mensch

bei Karl Marx – der arbeitende Mensch

vorher in der klassischen Philosophie war es das „ich“: Was diesem „ich“ begegnet ist verschieden, aber das ich bleibt identisch.

Descartes- cogito ergo sum

Gegenposition: wIr erfinden das Subjekt, wir erfinden die Welt

Exkurs Subjekt-Philosophie:

Mit der Reflexion auf das eigene Erkenntnis­vermögen erfolgte in der Neuzeit ein Bedeutungswandel. Der Begriff des Subjekts wurde nun eingeschränkt auf das erkennende Ich. Es entstand die Vorstellung eines Dualismus von einer (geistigen) Innenwelt und einer (materiellen) Außenwelt. Seitdem versteht man in der Philosophie unter Subjekt den menschlichen Geist, die Seele, das sich selbst gewisse und sich selbst bestimmende Ich-Bewusstsein. (Wikepedia)

Bei Heidegger erfolgt in §  25 eine Destruktion der klassischen Subjektphilosophie.

Bereits Nietzsche hatte fundamentale Kritik am neuzeitlichen Subjektbegriff formuliert. Er bezeichnete Descartes Idee eines Ich als „Fabel“. Diese ist darin begründet, dass Descartes in dem grammatischen Satz „Ich denke“ bereits das Ich als existierend voraussetzt und damit einen Zirkel erzeugt.(Wikepedia)

„Niemand [ist] heute mehr so unschuldig, noch in der Art des Descartes das  Subjekt  ‚ich’  als  Bedingung  von  ‚denke’  zu  setzen;  vielmehr  ist  durch  die  skeptische  Bewegung  der  neueren  Philosophie  die  Umkehrung,  nämlich  das  Denken  als  Ursache  und  Bedingung  sowohl  von  ‚Subjekt’wie  von  ‚Objekt’,  wie  von  ‚Subustanz’  wie  von  ‚Materie’ anzunehmen  –  uns  glaubwürdiger  geworden:  was  vielleicht  nur  die  umgekehrte  Art  des  Irrthums  ist“  (KSA  11,  637  (40[20])).  Für  Nietzsche  bleibt  die  Frage  zu  klären,  „[…] Doch, es gibt das Ich, Es gibt das Ich’, d.h. ‚Das Denken gibt das Ich’. Das Ich ist das Ergebnis des Denkens – nicht umgekehrt. […] Das Ich ist keine Person,  sondern  ein  Personalpronomen in  einem  Satz,  und  nicht  das  Ich  bildet  den  Satz,  sondern der Satz bildet das Ich“

„Wer“ hatte in der klassischen Philosophie das Wesen der Vorhandenheit.

 Dasein kann nach Heidegger nicht als Vorhandenes verstanden werden.

„Wer “ darf also nicht mit einer Essenz des Daseins, nicht mit einem Kern des Daseins beantwortet werden. Dasein ist nur, indem es existiert, also als Lebensvollzug

 

Verweisung auf ein Mitdassein

Alles in der Welt verweist

  1. auch S 71 Zeile 3

Gegenstände sind Zeichen von jemandem. So  verweist zum Beispiel das verankerte Boot am Ufer auf dessen Besitzer, die Mausefalle vor dem Mauseloch auf den Mausefallensteller.

Wir begegnen Zeug (Falle, Boot), das für andere Zuhandenes ist

Heidegger-Kritik

von Andrea

100-Seiten-Frist für „Sein und Zeit“

Regierungen haben ihre 100-Tage-Frist, Schriftsteller bei mir ihre 100-Seiten-Frist. Jetzt haben wir etwa 100 Seiten von „Sein und Zeit“ studiert und ich möchte darlegen, was mir – bisher- an dem Werk gefällt und was nicht.

Was mir gefällt

Was mir gefällt ist die Idee der ontologischen Differenz.

Heidegger kritisiert die klassische  Ontologie, weil sie die ontologische Frage nach dem Sein immer nur vermittels des ontischen Seienden gestellt hat. Sie führe das Sein auf Seiendes zurück. Dadurch aber wird nach Heidegger das Sein des Seienden verstellt. Denn wenn man beispielsweise davon ausgehe,  dass Seiendes Materie ist, dann wisse man nur, dass der Hammer Holz und Metall ist, aber nicht, dass er „das Ding zum Hämmern“ ist.

Auch der Mensch selbst könne sich nur dann verstehen, wenn er sich nicht nur als Vorhandenes sondern als Dasein/Existenz ansehe. Er könne sich selbst nicht als lediglich vorhanden  Gegenstand denken. Sondern er sei vielmehr ein Seiendes, welches zugleich so beschaffen sei, dass es nach seinem eigenen Sein fragen kann. Der Mensch müsse erkennen, dass er nur im Lebensvollzug existiere. Dasein hat nach Heidegger immer schon ein gewisses Vorverständnis von sich, dem Sein und dem Seienden, die Welt ist ihm als sinnhafte Ganzheit gegeben, hinter deren Sinnzusammenhänge er nicht zurückgehen könne.

Das das ein interessanter und vielversprechender (damals) neuer Ansatz für Heideggers Untersuchung.

Was mir nicht gefällt

  1. die Körperlosigkeit des Daseins

Aber es ist nicht einfach, das Dasein auf sein Sein hin zu befragen, wenn man nur sehr unklare Begriffe desselben hat. Ich finde Heidegger macht sich ein bisschen schnell davon, wenn er erklärt, was das Dasein sein solle.

Es ist ja nicht Mensch, also nicht Mann, nicht Frau (Tatsächlich habe ich es mit immer weiblich vorgestellt, weil es mich an meine Mutter erinnert, die auch zeitlebens im Seinsmodus der Sorge war und noch ist). Aber Dasein hat bei Heidegger bis Seite 100 kein Geschlecht. Vielleicht muss es sich dann wenigstens um seine Sexualität nicht sorgen.

Irgendeinen Körper muss das Dasein aber haben, denn zum Sorgen benötigt es ein Gehirn, das Gedanken produziert oder empfängt. Außerdem hämmert es laut „Sein und Zeit“. Zum Hämmern bedarf es ebenfalls eines Körpers.

Mein Eindruck ist, dass Heidegger den Körper irgendwie unangenehm ontisch findet an diesem hübsch ausgedachtem Dasein und ihn darum ein wenig unter den Tisch fallen läßt. Denn der Körper macht die ontologische Differenz im Hinblick auf das Dasein etwas komplizierter, weil er eben auch ontisch ist. Aber Dasein gibt es nicht ohne diesen ontischen Bestandteil.

  1. Natur nur unter Nützlichkeitserwägungen

Was mir auch nicht so gut gefällt ist die Betonung des Vorrangs des praktischen Weltbezugs dahingehend, dass auch die Natur nur unter Nützlichkeitserwägungen erscheint.Dies ist ein Punkt, welcher bereits von einer Kommilitonin angesprochen worden war. Heidegger wird ja diese Sichtweise in seiner späteren Technikkritik selbst aufgeben. Weshalb ich mich an dieser Stelle frage, ob es  vielleicht ein Fehler ist, sich allzu ausführlich mit „Sein und Zeit“ zu befassen und nicht lieber rascher zum „späten Heidegger“ wechseln sollte.

  1. die Sprache Heideggers

Was mir – wie offensichtlich vielen anderen auch- nicht recht gefällt, ist die Sprache Heideggers. Einige Kritiker sind der Ansicht, das Werk sage im Ganzen recht wenig, jedenfalls wenig Neues, und verschleiere dies mit vielen Worten. Meine philosophische Bildung ist gering und meine „Sein und Zeit“-Lektüre nicht über 100 Seiten hinaus gelangt, daher enthalte ich mich einer regelrechten Kritik und lassen es damit bewenden, zu erwähnen, dass mich die Sprache zunehmend nervt. Einen heideggerschen Begriff nach dem anderen habe ich mir gefallen lassen. Aber langsam aber verliere ich die Freude an weiterer Lektüre. Bisher hat sich mir nicht erschlossen, warum alles gerade so ausgedrückt werden muss.

Mein Wunsch

Ich würde es begrüßen, nicht allzu lange bei „Sein und Zeit“ zu bleiben und lieber den späten Heidegger“ zu studieren.

Newsletter Juni 2016

Rainer Beinlich sendet den Newsletter 03 an alle Philosophie-Freunde , Dienstag, 7. Juni 2016

8. „immer unterwegs“ (Heidegger)

solo3

von Rainer

Einer der wichtigen Gedanken der Philosophie Heideggers ist:

S.79 Z16
„Ausweichen gehört als Einschlagen einer Richtung wesenhaft zum In-der-Welt-sein
des Daseins. Dieses ist immer irgendwie ausgerichtet und unterwegs;“

„immer unterwegs“ (Heidegger) steht contra zu der klassischen Position: Ruhe,
verharrend.
[zuerst bei Karl Marx gibt es die „dynamische Umwälzung“]
→ „Unterwegs zur Sprache“ (Heidegger)
→ wir müssen erst einen Weg finden
Bewegungsbestimmtheit des Daseins

S.79/80
Zeichen ist kein Ding zu anderem Ding in zeigender Beziehung;
sondern ein Zeug (Zeugganzes) „das ein Zeugganzes ausdrücklich in die Umsicht
hebt, so daß sich in eins damit die Weltmäßigkeit des Zu-handenen meldet.“

Anzeichen und Vorzeichen “zeigt sich“ was kommt
Merkzeichen zeigt woran man jeweils ist
Zeichen zeigen immer „worin man“ lebt.

S.83 §18
Sein eines Seienden (Zeug spezial) hat die Struktur der Verweisung
(Verweisungsgesamtheit)

Bewandtnis (mit etwas auf sich haben)) z.B. ein Raum (Bewandtnisganzheit)

S.84 Z10
Wozu fragt nach der Dienlichkeit (Zweck)
Wofür verwendet (wobei bezieht sich auf die Bewandtnis)

Ein Beispiel:
Hammer hämmert…  → Befestigung
→ Dachpappe als Schutz vor Unwetter
→ ergibt Dasein
die Einzelheiten im Beispiel bilden die Bewandtnisganzheit,
sie zeichnet vor: das in-der-Welt-sein des Daseins, s.a.S.71

S.85
…ich habe verstanden, welche Funktion eine Ampel hat
es ist mir erschlossen (verstanden) → Dienlichkeit

S.86
Die Erschließung des Zwecks gehört zum Seinsverständnis

Ich verstehe den Zweck des Seienden
Gibt es keinen erkennbaren, frage ich danach
Vom „hämmern“ zum Hammer → Seinsart der Bewandtnis

Gerade auch das Nichtverstehen führt zum Verstehen!

6.1.5 Leben und Kreativität als Mittel des Überlebens

solo3

von Rainer

Gerade weil der Mensch Teil der Natur ist, betrifft sie ihn auch unausweichlich.
Sie ermöglicht ihm das Überleben oder präzise das Leben.
Die Betrachtung der Feindschaft geschieht, indem der Mensch sich theoretisch
außerhalb der Natur stellt. Es ist eine abstrakte Position, die aber in der
Praxis Konsequenzen hat.

Auf der Skala Leben, mit und in der Natur gibt es Eckpunkte zwischen denen
der Istpunkt des Lebens bewegt wird. Ein nur kleines Bewegungselement ist die Selbstbestimmung des Menschen.
Seine Konstitution aber wird hauptsächlich bestimmt durch die ihn umgebenden und ihn ausmachenden Funktionen. Ist er krank ändert das seine Position auf obiger Skala. Diese Betrachtung erfolgt aus menschlicher Perspektive. Aber die Position ist keine Wahlmöglichkeit, sie zu verändern bedarf es des Erkennens und der Kreativität.

Während dieses „Überlebenskampfs“, was einem „nicht-zu-Tode-kommen“ entspricht, kämpft der Mensch zum Betrachtungszeitpunkt sowohl um sein Leben, als auch für sein Leben und dabei kämpft er zuallererst gegen die Faktoren, die sein Leben verkürzen wollen!

Was ist Kreativität?

Kurz, Kreativität ist die schöpferische Kraft, die sich z.B. im Erfindergeist für
für die Überlebensfähigkeit sehr vorteilhaft auswirkt. Erfinden und benutzen von Werkzeugen war eine dieser Vorzüge.
Kreativität zum / aus Vergnügen war erst möglich und wahrscheinlich als die
Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt waren.
Kreativität im Zusammenhang mit Kultur und Vergnügen ist sicher auch ein
spirituelles (Zusatz-) Erlebnis.
Kinder in Afrika basteln aus Blechdosen Spielzeugautos a.) um damit zu spielen
aber b) auch um sie an Touristen zu verkaufen, zur Aufbesserung des Familieneinkommens.

Die Behauptung, Angst und Kampf seinen „Kreativitätsbremsen“ gilt sicher nur für den Fall a) und damit für den Vergnügungsaspekt – die Kreativität zu Überleben dürfte hier auch mehr gefragt sein.

6.1.4 Noch ein paar Gedanken zu Mensch und Natur

von Andrea

Ja, es stimmt: Natur kann auch Feind sein.

Die Antwort auf die Frage , ob Natur als solches als Feind angesehen werden kann, hängt davon ab, ob der Mensch selbst zur Natur gehört oder nicht. Darüber gibt es keinen Konsens.

Du zählst den Menschen nicht oder nur temporär zur Natur oder siehst eine Dichotomie von Mensch und außermenschlicher Natur. Darum kann ich Deine Position verstehen, ohne sie zur Zeit aber zu teilen (vielleicht werde ich noch davon überzeugt). Ich zähle den Menschen zur Natur hinzu.

Für Dich kann Natur an sich also durchaus schlüssig Feind oder Freund sein, weil sie ein Gegenüber ist. Ich – als Teil der Natur – könnte vielleicht sagen: „dieser Wolf, der mich angreift, ist mein Feind (und wie ich Teil der Natur)“. Aber das könnte ich auch über einen Menschen sagen, der mich angreift. Für Dich könnte hier ein Unterschied vorliegen. Mit dem Wolf griffe Dich „die Natur“ an, mit dem Menschen nicht.

Allerdings sehe ich nicht, dass uns die Natur einen Überlebenskampf „aufzwingt. Eher fühlt sich das Individuum, das Interesse am Weiterleben hat, gezwungen, dafür zu kämpfen, dass innerhalb der gesetzten Bedingungen überlebt. Überlebenskampf kann eventuell mit oder gegen „die Natur“erfolgen, vielleicht auch beides gleichzeitig. Der Überlebenskampf ist aber doch per se eher ein Kampf um oder für etwas, nicht gegen etwas. Man sagt auch, ein Kranker kämpfe ums Überleben. Da wird die Differenzierung schwierig; ist die Krankheit Natur und der Mensch nicht? Was ist mit Autoimmunkrankheiten?

Eine Gefährdung des eigenen Lebens – sofern man es erhalten möchte- fordert sicher den Überlebenswillen heraus. Allerdings zweifele ich daran, dass der „Widerpart Natur“ die Ursache von Kreativität ist. Kreativität gehört zu unserer Natur wie sie auch zur Natur der Natur gehört. Nach meiner Beobachtung liebt es der Mensch kreativ zu sein, es ist ihm ein Vergnügen, sich auszudrücken. Angst und Kampf sind eher Kreativitätsbremsen.

Aber ist stimme zu, dass Menschen kreativ darin sind, gefährliche Elemente der außermenschlichen Natur zu bezwingen. Aber sie sind genauso erfinderisch darin, kulturellen Gefährdungen zu begegnen. Es war schon sehr kreativ (zum eigenen Schutz?)eine Atombombe zu erfinden.

6.1.3 Was bedeutet „Feind“ sein?

solo3

von Rainer

Feind,
als Begriff und durch emotionale Verbundenheit sicher subjektiv  →  nicht diskutabel.
Wenn aber etwas existenzbedrohendes faktisch gegen mich gerichtet ist,
kontakariert es mein Leben → wird diskutabel.

Unsere Körper und das Bewußtsein sind auf Existenzerhaltung eingerichtet.
Überfährt ein Autofahrer einen Fußgänger, geschieht das in der Regel
nicht mit Absicht, aus „bösem Willen“ – es ist eher ein Versehen oder
Zufall, dass ein „Fehler“ ein solch „böses Ende“ nimmt.
Überrollt mich eine Gerölllawine und fügt mir Schaden zu, rechne ich
das auch eher dem Zufall (meiner Anwesenheit) zu, als einer bösen Absicht
des Berges.

Wenn ich meinen Körper in das Denken „Natur“ einbeziehe, geschieht
Ihm in obigen Fällen aber eine Herauslösung, da sie „mein Ende“ darstellt.
An keiner Stelle meiner Texte wird behauptet, die „Natur“ sei „nur Feind“
oder / und nur gegen das Leben gerichtet.
Ich beziehe mich z.B. auf die Biologie (Leben hervorbringen) und gerade der
„Überlebenskampf“ den uns „das Leben“ und hier „die Natur“ aufzwingt,
ist zum großen Teil „das Leben“.

Der natürliche Widerpart ist die Ursache für Kreativität und „Überlebenswillen“.
Natur im Widerspruch zum Leben ist keine Behauptung, die ich aufstelle –
im Gegenteil:
Nur durch das Hin und Her des Zusammenspiels von Natur (egal gedacht
als Ganzes oder etwas Anderes) und Mensch (als einzelnens autonomes Wesen
oder als Teil Natur) ist menschliches Leben möglich.

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