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und geht…

6.2 „Natur als Feind?“ – eine Antwort!

von Andrea

ich hatte immer vor, noch etwas zu (dem)… Text über die Natur als Feind sagen. Ich fand  auch, dass es so viele tolle Autoren gibt, die zu diesem Thema kluge Sachen sagen, die das, was ich denke viel besser ausdrücken, als ich das je vermöchte. Es eine Zusammenfassung der Gedanken meiner Lieblingsautoren zu diesem Thema.

 

Naturbeherrschung: Gemeinsamkeiten von Nietzsche, Adorno und Foucault

Friedrich Nietzsche, Michel Foucault, Philosophie, Theodor W. Adorno

„[…] macht Euch die Erde untertan.“

Die Bibel, AT Genesis 1,28

Dieser alttestamentarische Imperativ mag in den Köpfen von Nietzsche, Adorno und Foucault gewesen sein, als sie sich mit der Naturbeherrschung befasst haben. Nietzsche schreibt in „Götzendämmerung“: „Die christliche Moral ist ein Befehl; …“142, welcher nicht zu hinterfragen ist. Was gut und was böse ist, weiß nur Gott allein. Die Wahrheit ist göttlichen Ursprungs.

Die Naturbeherrschung ist die logische Folge des Befehls und der (instrumentellen) Vernunft, wie sie im vorangegangenen Kapitel behandelt wurde. Während sich Foucault auf die Beherrschung der inneren Natur spezialisierte, hat sich Adorno in seiner umfassenderen Theorie mit der inneren und der äußeren Naturbeherrschung beschäftigt.

Für Nietzsche ist die Aufklärung, wie bereits erwähnt, die prolongierte Form des christlich-asketischen Ideals. Eine Moral, die – wie im obigen Bibelzitat angedeutet – die Natur beherrschen soll. Die Vorwegnahme des christlichen Ideals, und daraus resultierend die Ideale der Aufklärung, verortet Nietzsche, genau wie Adorno143, in der Antike. Und exakt wie später Adorno und Foucault, konstatiert er in der Beherrschung der äußeren Natur gleichsam die Notwendigkeit der Unterdrückung der eigenen Natur. Dies steht im Kontext der Sklavenmoral, welche nicht nur ein schlechtes Gewissen schafft, sondern auch die Legitimation der Naturbeherrschung in sich trägt. In ‚Die Geburt der Tragödie’ rekurriert Nietzsche auf Euripides. In der ‚Genealogie der Moral’ spricht er gar von der „Vergewaltigung der Natur und des Selbst durch die Maschinen und die Ingeneur-Erfindsamkeit“144.

Die Natur wird von den Menschen als Bedrohung angesehen. Um dieser Bedrohung zu entgehen, gab es zu allen Zeiten Opfer. Seien es symbolische Opfer an die Götter oder, in der modernen Variante, die Unterdrückung der eigenen Natur.

Natur in der Aufklärung

Exemplifiziert wird dies bereits bei Adornos Interpretation des Homer Epos’ ‚Odysseus’, in welchem die Ruderer nicht zur Seite schauen dürfen und ihre Ohren verstopft sind, sodass sie den Gesang der Sirenen nicht hören können. Nur so kann es vorwärtsgehen, nur so kann es Fortschritt geben. Dies ist, so Adorno, ein wesentlicher Moment in einer Entwicklung, welche anders hätte verlaufen müssen, sollte ein menschengerechter Zustand erreicht werden.

In der Aufklärung wird oftmals vom Naturzustand als Grundmoment der Menschheit gesprochen. In selbiger Aufklärung, der Zeit der Repräsentation, wird die Natur, nach Foucault, „absolut verallgemeinert. Statt lediglich Geltung hinsichtlich der Beziehungen der Natur und der menschlichen Natur zu besitzen, erfragt sie die Möglichkeit jeglicher Erkenntnis.“145

Durch das christliche, asketische Ideal wird die Macht über den Körper auf die Macht über den Geist transferiert. Dies geschieht über die Unterdrückung der Bedürfnisse. Bei Adorno kommt dies der inneren Naturbeherrschung gleich, die nötig ist, um die äußere Naturbeherrschung zu gewährleisten. Bei Foucault wird durch den Körper qua Überreglementierung oder, wie er es sagt, mittels Disziplinierung auf den Geist eingewirkt. Die äußere Natur ist, ähnlich wie bei Nietzsche, im Zentrum der Analyse zur Naturbeherrschung zu finden.146

„Seine Herrschaft über die äußere Natur ist nur möglich durch asketische Selbstbeherrschung, durch rigide Kontrolle über das eigene identische „ICH“. Selbsterhaltung ist somit paradoxerweise nur möglich durch Selbstverleugnung und muß dadurch überdies mit der Entsagung von tatsächlichem Glück bezahlen. Dem Konsistenzzwang, äußeren Natur korreliert ein biographischer Konsistenzzwang, ein Zwang zur Identität, der das verhindert, was eigentlich erhalten werden sollte: die Entwicklung eines mündigen Subjekts, das sich frei, jenseits von allem Zwang, entfalten kann.“147

Das Band zwischen Mensch und Natur verlor sich durch den Begriff und die Vernunft. Diese Vernunft, deren Ursprung angesichts ihrer Askese auf den Selbsterhalt reduziert bleibt, ist der christlichen Theologie geschuldet. Schon der Terminus Adornos, „Askese“, deutet auf Nietzsche hin, dessen beschriebene Priester um dem Willen zur Macht zu entgehen, die Askese proklamieren.

„Der asketische Priester richtet nun den Ressentiment-Instinkt gegen sich selbst, er sagt: ‚Du bist selbst Schuld, das du krank bist, dass du leidest!’ und gewinnt aus der Affektentladung von der gewünschten Rache über Betäubung endlich Erleichterung. […] Es ist also die priesterliche Umdeutung des schlechten Gewissens zur ‚Sünde’, die das schuldige Mittel des Priesters ausmacht, und die in ihrer Folge nun die Sündhaftigkeit als Beschäftigung mit sich selbst zur Folge hat als weitere nach-innen-Richtung des Menschen, als weiteres sich-vom-Leben-entfernen, vom Willen zur Macht.“148

Das Ziel der Naturunterdrückung, dessen Empfänger der Beherrschte ist, ist gleichsam die Möglichkeit Menschen gefügig zu machen. „Was die Menschen von der Natur lernen wollen, ist, sie anzuwenden, um sie und die Menschen vollends zu beherrschen. Nichts anderes gilt.“149

Die von Kant deduzierte „selbstverschuldete Unmündigkeit“ erkennt Adorno als das Unvermögen der Selbsterhaltung. Dieser Prozess, die Natur zu kontrollieren, kann als Machtausübung verstanden werden. Auch Foucault verweist auf diesen Aspekt, wenn er in einem Text über Nietzsche150 schreibt, dass die „Kraft gegen sich selbst kämpft“151:

„Auf ihre Ermüdung [der Kraft des eigenen, unterdrückten Ichs] reagiert sie [die Kraft], indem sie sich von der ermüdeten Kraft nährt und so die Ermüdung weitertreibt: sie zwingt ihre Grenzen, Opfer und Kasteiungen auf, staffiert sie mit einem hohen moralischen Wert aus und gewinnt so wiederum neue Kraft. Darum entsteht das asketische Ideal im ‚Instinkte eines degenerienden Lebens, welches … um sein Dasein kämpft.“152

Natur und die Naturwissenschaften: Adorno und Foucault

Die Herausbildung der Naturwissenschaften ist laut Adorno und auch Foucault von immanenter Bedeutung. Eine Korrelation zwischen ihnen ergibt sich entlang der Linie der Naturbeherrschung, deren beider Ursprünge sich bereits bei Nietzsche verorten lässt.

So weiß Foucault, dass es die Naturwissenschaften waren, die die Disziplinartechniken entwickelt haben und Adorno schreibt, es seien die Naturwissenschaften, die die Natur auf die Verfügbarkeit reduzieren.

Die Reduzierung der Natur auf bloße Verfügbarkeit und somit die Reduktion zum Objekt ist gleichsam die Verfügbarkeit über das objektivierte Individuum. Die Angst vor der Natur, ob der Eigenen oder der Äußerlichen, ist der Tatsache geschuldet, dass ein Ausleben unmöglich ist und daraus resultiert die Motivation zur Entwicklung bestimmter Techniken.

Naturbeherrschung und Macht

„Die Verdopplung der Natur in Schein und Wesen, Wirkung und Kraft, die den Mythos sowohl wie die Wissenschaft erst möglich macht, stammt aus der Angst des Menschen, deren Ausdruck zur Erklärung wird.“153

Techniken beziehen sich hierbei auf technische Erfindungen oder auf (in einem anderen Sinne instrumentelle) Selbsttechniken des Subjekts.

Foucault beschreibt die Unterwerfung der Natur am Beispiel des Sexualtriebes. Sex a priori wurde verteufelt, manche sexuelle Praktiken wurden bzw. werden als anormal gesehen. Durch Verinnerlichung dessen wurde die Kontrolle erst möglich. Da er sich von den vorhergegangenen Weber’schen Machtdefinitionen unterscheiden will, fokussiert er „eine Geschichte der Mächte im Westen …, und zwar vor allem der Mächte, die in die Sexualität eingebracht wurden“154.

Die Maschen der Macht“ vor der Aufklärung waren zu groß und der Kontrolle entging zu vieles, also wurde die Macht in den Körper jedes Einzelnen und somit in die gesamte Bevölkerung eingeschrieben. „Das Leben ist jetzt, vom 18. Jahrhundert an, ein Objekt der Macht geworden.“155 Mit beispielsweise der Kontrolle des Sexuallebens kann das Individuum diszipliniert und die Bevölkerung reguliert werden.

Ziel des Aufwands der Naturbeherrschung ist, das Herrschen zu erleichtern. Der Beherrschte fungiert als Adressat. „Ein schwachsinniger Despot kann Sklaven mit eisernen Ketten zwingen; ein wahrer Politiker jedoch bindet sie viel fester durch die Kette ihrer eigenen Ideen; deren erstes Ende macht er an der unveränderlichen Ordnung der Vernunft fest.“156

 

Adorno weist in seinem Werk verschiedentlich darauf hin, dass die Aufklärung zur Barbarei führe. Die Tatsache, wie der Mensch unseres Kulturkreises mit Tieren umgeht, spricht Bände darüber, was er mit Menschen macht, die als Tiere eingestuft werden. Auch Nietzsche prophezeit die Barbarei, die sich vormals als Aufklärung sah.157 Diese Logik ergab sich nicht erst im Faschismus und bleibt auch weiterhin von flagranter Wahrheit, denn die Naturbeherrschung ist zweckhaft, sei es die Herrschaft von Menschen über Menschen oder die prinzipiell synonyme Technik der Disziplinierung. Foucault und Adorno identifizieren mit der Naturbeherrschung und der herrschenden Vernunft den Ausgangspunkt für ihre weiteren Analysen der Gesellschaft, wobei Adorno mit seiner holistischen Theorie das Ganze abbildet und Foucault mit seiner Spezialisierung auf die Feinheiten detaillierter eingeht. Von Nietzsche über Adorno zu Foucault ist die äußere Naturbeherrschung nur durch die Beherrschung der inneren Natur denkbar.

Die Naturbeherrschung ist rational und sie ist ökonomisch – darin stimmen Foucault und Adorno überein. Für Foucault gilt, dass jegliche Form der Disziplinierung von Grund auf zwei Aspekte hat: Ökonomie und Politik. Dies beschreibt er nicht nur in ‚Überwachen und Strafen’, es zieht sich auch durch seine ‚Geschichte der Gouvernementalität’, in welcher er die Ökonomie als den eigentlichen Antrieb für die Humanisierung der Strafpraxis sieht.158 Auch Adorno betrachtet den ökonomischen Faktor als Vehikel der Macht, welche den legitimen – vernünftigen – Grund für die Unterwerfung bietet. „…, daß die Gesetze der Ökonomie das Prinzip der Macht nie außer Kraft gesetzt oder auch nur geschwächt hatten … – zu einem besonders effektiven Mittel verdeckter, strukturell gewordener Machtausübung geworden waren.“159

Literaturnachweis für die Gemeinsamkeiten von Nietzsche, Adorno und Foucault zur Naturbeherrschung

138 Foucault (1985): „Freiheit und Selbstsorge“, S. 53.

139 Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“, S. 106.

140 Foucault (1993): „Ordnung der Dinge“, S. 15.

141 Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“, S. 95.

142 Tanner (1994): „Nietzsche“, S 53.

143 Vgl. „Odysseus oder Mythos und Aufklärung“ in: Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“; Horkheimer/Adorno (2003).

144 Zitiert nach Weiniger (1998): „Vernunftkritik bei Nietzsche und Horkheimer/Adorno“, S. 76.

145 Foucault (1993): „Ordnung der Dinge“, S. 209.

146 Fischer (1999): „Verwilderte Selbsterhaltung“, S. 135.

147 Kager (1988): „Herrschaft und Versöhnung“ S. 53.

148 Dukagjini (2002): „Zur Genealogie der Moral“, S. 13. (unveröffentlichte Quelle)

149 Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“, S. 11.

150 Es ist zwar eine Nietzsche-Interpretation Foucaults, doch schrieb Foucault m. E. stets im Dienst des eigenen Projekts.

151 Foucault (1996): „Nietzsche, die Genealogie, die Historie“, S. 76.

152 Ebd.

153 Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“, S. 21.

154 Foucault (1999): „Botschaften der Macht“, S. 180f.

155 Ebd., S. 185.

156 Foucault (1994): „Überwachen und Strafen“; S. 131.

157 Vgl. Fischer (1999): „Verwilderte Selbsterhaltung“, S. 28.

158 Foucault (2004): „Geschichte der Gouvernementalität“, S. 24; vgl. auch Foucault (2005): „Analytik der Macht“, S. 233.

159 Wiggershaus (1998): „Theodor W. Adorno“, S. 63.

 

Quelle: http://www.soziologie-politik.de/naturbeherrschung-gemeinsamkeiten-von-nietzsche-adorno-und-foucault/

 

2. Das In-der-Welt-sein als Mit- und Selbstsein. Das „Man“

Veranstaltung vom 27.10.2016

von Andrea

SZ Viertes Kapitel §§ 25 bis 27

Das In-der-Welt-sein als Mit- und Selbstsein. Das „Man“

Lektüre Ausschnitt aus Mc Intyre aus „Verlust der Tugend“, Warum das Projekt der Aufklärung scheitern mußte:

Mc Intyre legt die allgemeine Form des klasssischen moralischen Systems dar. Aristoteles analysierte die Grundstruktur in der Nikomachischen Ethik. Es besteht danach ein fundamentaler Gegensatz zwischen dem Menschen wie er ist und wie er sein könnte, wenn er sein eigentliches Wesen erkennen könnte. Handeln nach Gottes Gebot ist das Ziel (Telos)des Menschen.

Heidegger kennt in „Sein und Zeit“ einen solchen Gegensatz nicht, wenn er das Dasein als Sein des Menschen analysiert. Für Heidegger gibt es kein Ziel. Es gibt keine Differenz zwischen Sein und Wollen.

Heidegger verwirft die die klassische Subjekt-Objekt Philosophie . Er setzt im Gegensatz zur klassischen Philosophie nicht ein Wesen des Menschen voraus.

Heidegger beantwortet die Frage nach dem Wer des Daseins so, dass das Dasein in seiner Alltäglichkeit gerade nicht eigentlich es selbst ist.

Das Dasein ist nichts Vorhandenes, Vorhandenes ist Zeug. Die Frage nach dem Wer, darf auch nicht mit einer Essenz des Daseins, nicht mit einem Kern des Daseins beantwortet werden. Dasein ist nur, indem es existiert, also als Lebensvollzug, weshalb Heidegger die der ontologischen Tradition entspringenden Begriffe Essenz und Existenz gleichsetzt. Das Wesen des Daseins besteht somit darin, dass es als Möglichkeit ist: „die Substanz des Menschen ist nicht der Geist als die Synthese von Seele und Leib, sondern die Existenz“ (https://de.wikibooks.org/wiki/Martin_Heidegger/_Sein_und_Zeit/_Viertes_Kapitel_%C2%A7%C2%A7_25%E2%80%9327)

Was den Menschen ausmacht, ist seine Existenz. Allerdings ist unser Verständnis der Möglichkeiten zunächst durch die Anderen bestimmt. Sie nehmen dem Dasein das Sein ab, Dasein steht in der Botmäßigkeit der Anderen. Die Anderen sind hierbei niemand Spezielles und so lautet die Antwort auf die Frage, wer das Daseins in seiner Alltäglichkeit ist:

Das „Man“

Das Wer ist nicht dieser und nicht jener, nicht man selbst und nicht einige und nicht die Summe Aller. Das „Wer“ ist das Neutrum, das Man.

In dieser Unauffälligkeit und Nichtfeststellbarkeit entfaltet das Man seine eigentliche DIKTATUR. Abständigkeit, Durchschnittlichkeit und Einebnung konstituieren als Seinswesen des Man das, was wir alle als „die Öffentlichkeit“ kennen.  Dasein ist bei Heidegger immer in Bezug auf ein anderes, z.B. in Konkurrenz. Die Abständigkeit ist ein Existenzial.

„Wir genießen und vergnügen uns, wie man genießt; wir lesen, sehen und urteilen über Literatur und Kunst, wie man urteilt; wir ziehen uns aber auch vom ‚großen Haufen‘“

Das Seinsverständnis des Daseins liegt im Verständnis anderer, Dasein ist Mitsein. Es hat diesbezüglich die Modi des sich Öffnens und sich Verschließens.

Exkurs zu  Dilthey:

Er trennte erstmals zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, indem er die Methoden unterscheidet, mit denen die jeweiligen Fachgebiete sich ihren Gegenständen nähern.

Um die eigene Relativität zu verstehen, bedarf es laut Dilthey des Erlebens, Einfühlens, Nachvollziehens. Dieser Ansatz wurde von der Kommunikationstheorie  aufgegriffen.

Die durch Descartes aufgekommene Idee eines Subjekts, das sich erst der Außenwelt versichern müsste, weist Dilthey durch den Hinweis auf das Erleben als Grundstruktur jeglicher Realität zurück. Damit gibt es kein selbstgenügsames Subjekt mehr, auf welches lediglich gelegentlich Erfahrungen von außen einwirken, sondern alles, was geschieht, ist in einen Gesamtzusammenhang eingebunden, d. h., wird erlebt. Die cartesische Abtrennung von Subjekt und Außenwelt läßt sich hingegen nur theoretisch vollziehen, sie lässt sich nicht erleben.(Wikepedia)

Diesen Ansatz hat Heidegger weitergedacht. Beim Erschließen des anderen kommt dessen Seelenleben in den Blick.

1. Vom Dasein zum Mitsein

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Veranstaltung vom 20.10.2016

von Rainer

Also nehmen wir wieder den Kampf mit „Sein und Zeit“ auf.

Heidegger sucht nach dem Sinn von Sein, aber nicht wie die Klassiker
[Descartes: „Ich denke also bin ich.“]
Kein geistiges Sein, sondern ein „Dasein“ ist die Basis. Dieses
führt zur Frage nach dem „Dasein“ (in alltäglicher Welt, ein durchschnittliches
Dasein).
Dieses Dasein soll nicht kategorial sondern wird „existenzial“ bestimmt.
Die Seinsweise wird als das „Dasein in der Welt“ – mit „Zeugs“ beschrieben.
Die Antwort auf die „Wer“-Frage ist nicht das „Ich“.

S.116/Z.20 „Die Klärung des In-der-Welt-seins zeigte, dass nicht zunächst
„ist“ und auch nie gegeben ist ein bloßes Subjekt ohne Welt. (…)…am
Ende ebensowenig zunächst ein isoliertes Ich gegeben ohne die Anderen.“

S.117/Z.20 „Allein die „Substanz“ des Menschen ist nicht der Geist als
die Synthese von Seele und Leib, sondern die Existenz.“

Am Beispiel des Bildes (verankertes Boot am Strand, S.118/Z.3) verschmilzt
das Ich (ich sehe das Boot, fasse es an) mit den Anderen (es gehört jemand;
als „fremdes Boot“ zeigt es Andere).
Ihre Gemeinsamkeit ergibt sich aus dem „Zeugzusammenhang“ – Ich ist Teil
der „Anderen“, die „Anderen“ des Ich – Ich bin die Anderen.

S.118/Z.30f Die Anderen sind nicht der Rest, außer mir – das Ich –
„…die Anderen sind vielmehr die, von denen man selbst sich zumeist
nicht unterscheidet, unter denen man auch ist.“
-> „Mitvorhandensein“ innerhalb einer Welt

S.118/Z.40 „Das In-Sein ist Mitsein mit Anderen. Das innerweltliche
Ansichsein dieser ist Mitdasein.“

S.119/Abs.3 „W.v.Humboldt hat auf Sprachen hingewiesen, die das „Ich“
durch „hier“, das „Du“ durch „da“, das „Er“ durch „dort“ ausdrücken…“
(Soweit zur Wichtigkeit der Personalpronomina!)

S.120/Z.32ff „Das Mitsein bestimmt existenzial das Dasein auch dann,
wenn ein Anderer faktisch nicht vorhanden und wahrgenommen ist.
Auch das Alleinsein des Daseins ist Mitsein in der Welt. Fehlen
kann der Andere nur in einem und für ein Mitsein.“

Was im Dasein die Sorge, ist im Mitsein die Fürsorge (S.121f).

Die „Wer“-Frage für „Alle“ beantwortet das Neutrum, das Man.

Plädoyer für eine kleine Herbstdepression

von Andrea

Plädoyer für eine kleine Herbstdepression

 

Wie jedes Jahr im Herbst, wenn mir die mich umgebende Natur meine eigene Vergänglichkeit stärker wiederspiegelt als zu anderen Jahreszeiten und die blinde Hoffnung auf Beständigkeit keine Chance mehr hat, besucht mich eine Herbstdepression. Inzwischen kann ich ganz heiter über sie plaudern, früher aber hatte sie mich gewaltig im Griff. Sie ist erheblich freundlicher geworden seit ich sie nicht mehr fürchte sondern höflich begrüße. Ich begrüße sie als jemanden, der in dieser Zeit zu mir gehört.  Sie kommt in der Zeit der kürzer werdenden Tage  und der sinkenden Temperatur, der tiefstehenden Sonne auf bunten Blättern.  So ist auch ihre Natur, dunkel und kalt mit Sonnenstrahlen auf buntem Laub.  Früher war sie für mich überwätigend wie C.G. Jungs  “dunkler Engel”,  heute nenne ich sie “depressio macchiato”, also eine dunkle Stimmung mit Flecken heiterer Phasen.

 

Eigentlich hatte ich sie ganz loswerden wollen. Jedoch machte sie sich immer breiter, wenn sie spürte, dass ich einen Fluchtversuch unternehmen wollte. Ich nehme ihr das nun nicht mehr übel. Ich weiß ja, ihr liegt meine Weigerung zugrunde, mich der Angst vor Tod und Vergänglichkeit zu stellen. Erfahrungsgemäß geht es mir aber viel besser, wenn ich mich stelle. Das Vermeidenwollen macht alles schlimmer und die Angst größer. Wenn ich jedoch meine Trauer über meinen gewissen Verfall und Tod durchlebe, hat die Angst keine Chance mehr: keine Hoffnung, keine Angst.

 

Ich betrachte die Natur und weiß, dass es das ewige Leben gibt, leider nur nicht das individuelle. Ich brauche mir also keine Sorgen mehr zu machen und keine Fluchtversuche unternehmen. Der Ausgang steht fest. Ich kann meine Energie einfach dafür nutzen, es mir ganz gemütlich zu machen.

 

https://heinrich11.wordpress.com/

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