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und geht…

6… Ein Traum von Foucault rettet (vorerst) Heidegger für mich

zur Veranstaltung vom 24.11.2016

von Andrea :

Leider war der letzte Donnerstag für mich ein sehr arbeitsreicher Tag gewesen, sodaß ich im Heideggerseminar nicht nur fast eingeschlafen wäre, sondern tatsächlich hin und wieder mittels eines kleinen Sekundenschlafes dem Seminar entfloh. Der Blick auf meinen Nachbarn verstärkte die Müdigkeit, weil er ebenfalls zeitweilig die Augen geschlossen zu haben schien.

Naturgemäß ist eine solche Müdigkeit – auch nach einem noch so langen Arbeitstag – nie nur eine rein körperliche. Ja, ich gestehe: nachdem mich Heidegger anfänglich verärgert hatte, langweilt er mich nunmehr. Deshalb ging ich den ganzen folgenden Freitag mit dem Gedanken um, nicht mehr in das Seminar zu gehen. (Live is too short to be bored). Hätte ich nicht in Nacht von Freitag auf Samstag einen Traum gehabt, in welchem ich mich mit Michel Foucault in deutscher Sprache unterhalten hätte………………

Jetzt sind sicher alle sehr gespannt, was mir Foucault mitzuteilen hatte. Leider kann ich mich daran nicht mehr daran erinnern, schade!

Aber der Traum führt mich zurück zur Heideggerlektüre.

Foucault hatte mit Beginn seines Studiums Deutsch  gelernt, um Husserl, Heidegger und Hegel im Original lesen zu können. Das beschämt mich. Ich kann Heidegger im Original lesen, welch ein Vorteil!

Viel habe ich aus der letzten Seminarstunde nicht mitgenommen. Darum kann ich hier auch eine Zusammenfassung geben. Für diejenigen, welche die letzte Stunde (ebenfalls) versäumt haben, verweise ich auf die Ausführungen zu den §§ 28 bis 38 in wikibooks https://de.wikibooks.org/wiki/Martin_Heidegger/_Sein_und_Zeit/_F%C3%BCnftes_Kapitel_%C2%A7%C2%A7_28%E2%80%9338

4.1 These: Finden wir das verlorene „Ich“ wieder?

Zusatz zum Stand der Gedanken

solo3

von Rainer :

 

These:

Um die Frage nach dem Sinn von Sein neu zu erörtern stellt Heidegger
das Dasein, als Alltäglichkeit in den Vordergrund.
Anders als bei seinen (modernen) Vordenkern („Ich denke also bin ich.“)
verschwindet das Ich zugunsten der „Anderen“ aus der Betrachtung.
Das nicht mehr vorhandene Ich ist einem „Man“ (Öffentlichkeit) –
ein „Niemand“, das alles ist, gewichen.
Erst hier, ohne den Ballast eines quasi metaphysischen „Ich“,
kann hinter den Verdeckungen über das „Man-selbst“ begonnen werden,
nach einer Identität zu suchen.
Es ist nicht das „Ich“-Postulat von Descartes (vom Ich zum allgemeinen),
sondern aus dem Dickicht des Allgemeinen findet er ein „Selbst“.

4. Verwandlung des „Man“ bis zur Unkenntlichkeit

Veranstaltung vom 10.11.2016

solo3

von Rainer

Nachdem das „Man“ das „Ich“ quasi neutralisiert hat (einige meinten, das „Ich“ wäre als „Moorleiche“ untergegangen) stellt Heidegger fest, dass in der (S.126/Z.40) „…Unauffälligkeit und Nichtfeststellbarkeit (…) das Man seine eigentliche Diktatur (entfaltet).“ (S.127/Z.4) „Das Man, das kein bestimmtes ist und das Alle, obzwar nicht als Summe, sind, schreibt die Seinart der Alltäglichkeit vor.“

In Durchschnittlichkeit, Abständigkeit, Einebnung zeigt sich, was wir „die Öffentlichkeit“ nennen. (Die
Öffentlichkeit verdunkelt alles, gibt sich aber als bekannt aus.)
(S.127/5.Abs.) „Das Man entlastet so das jeweilige Dasein in seiner Alltäglichkeit.“ -> es führt zu einer
„Seinsentlastung“, entlastet das Dasein mit „Leichtigkeit“, verfestigt gerade dadurch „seine hartnäckige
Herrschaft.“

(S.128/Z.6) „Jeder ist der Andere und Keiner er selbst.“ Das Man beantwortet die Frage nach „dem Wer des
alltäglichen Daseins“ mit „Niemand“.
Dieses Niemand ist kein Nichts, es ist „ens realissimum“ , das allerrealste Wesen, d. i. Gott.
Heidegger meint, das Man sei so wenig vorhanden, wie das Dasein. Je offensichtlicher das Man ist, desto
versteckter ist es – dennoch ist es aber nicht Nichts.

(S.129/Z.10) „Das Man ist ein Existenzial und gehört (…) zur positiven Verfassung des Daseins.“
Die Betrachtung des Daseins beginnt nicht mit dem (S.129/Z.28) „ich bin…im Sinne des eigenen Selbst, sondern die Anderen in der Weise des Man.“ Erst hieraus werde „ich mir selbst zunächst gegeben.“
Das Dasein ist zunächst Man und bleibt zumeist.

Das Dasein in der Welt erschließt sein eigentliches Sein immer durch das (S.129/Z.32) „Wegräumen der Verdeckungen und Verdunkelungen, als Zerbrechen der Vorstellungen, mit denen sich das Dasein gegen es selbst abriegelt.“

Hier scheint das „Ich“ (siehe Moorleiche) aus dem „Man-selbst“ wieder aufzutauchen, oder?

 

Kritik zu Susan Neimann „Die Quelle allen Unglücks“

Beitrag zu Diskussionstext im Seminar Teil 2.  Hiedeggers „Sein und Zeit“

von Andrea

Kritik zu Susan Neimann „Die Quelle allen Unglücks“

Neiman vertritt in dem Zeit-Artikel vom 27.10.16 mit dem Titel „Die Quelle allen Unglücks“ die Ansicht, dass Heideggers Nähe zum Nationalsozialismus und sein Antisemitismus auf seinen Antimodernismus zurückzuführen seien. Warum dies allerdings so ist, wird aus dem Artikel leider nicht verständlich. 

Nach Ansicht von Neimann sieht Heidegger in der aufklärerischen Moderne die Quelle allen Unglücks unserer Zeit. Für sie selbst erscheint der Antimodernismus  als die Quelle jeglichen Übels. Leider erläutert Neimann den heideggerschen Antimodernismus nicht eingehend und erklärt auch nicht, wieso daraus gerade eine Nähe zum Nationalsozialismus folgen muß. Sie hält ein Plädoyer für die Ideen der Aufklärung und versucht eine Apologie derselben gegen ihre Kritiker. Sie wünscht sich die Fortführung der Moderne, denn diese erscheint ihr „der einzige Weg, der Hoffnung auf irgendeine Form von Fortschritt“ zuläßt. Welche Art von „Fortschritt“ sich Neimann wünscht, bleibt allerdings offen. Jedenfalls glaubt sie an die Idee der Aufklärung, welche vermutlich vor falschen Ideen und wie Nationalsozialismus und Antisemitismus schützen soll.

Liest man Neimann bekommt man sogleich ein schlechtes Gewissen, wenn man der Postmoderne nahesteht und nicht mehr an die großen Erzählungen und Ideale glaubt. Wird man dann vielleicht schon politisch als Sympathisant des Nationalsozialismus und Antisemitismus verdächtigt?

Brauchen wir wirklich – wie Neimann es sieht- eine bestimmte „gute“ Idee von der Wirklichkeit wie z.B. die Aufklärung, die uns davor schützt, falschen Ideen, wie dem Nationalsozialismus aufzusitzen?

Waren es aber nicht immer gerade Ideen für die Kriege geführt wurden? Wurden nicht immer Menschen bekämpft, die den gerade herrschenden Ideen nicht entsprachen? Kann uns wirklich ein „gutes“ Ideal vor anderen schlechteren Idealen schützen. Ist es nicht vielmehr so, dass ein Mensch, der sich mit einer Idee identifiziert- sei es die Idee der Aufklärung oder sonst eine Idee- von jemandem bedroht fühlt, der seine  Vorstellungen ablehnt und dann den anderen bekämpfen muss.

3.1 Heidegger und die „Subjektphilosophie“

Ergänzung zur 3. Veranstaltung

von Andrea

Heidegger setzt sich in „Sein und Zeit“ mit der „Subjekthhilosophie“ (Subjekt von lateinisch subiectum ‚das Daruntergeworfene) auseinander.

Ursprünglich kennzeichnete der Begriff „Subjekt“ einen Gegenstand des Handelns oder einen Sachverhalt, über den eine Aussage gemacht wird.

In der Neuzeit wurde der Begriff dann immer mehr einem „erkennenden Ich“ zugeordnet. Dieses erkennt die Welt, aber nicht so „wie sie ist“ sondern im Rahmen seiner Erkenntnismöglichkeiten (Kant). Es entsteht dadurch ein Dualismus zwischen Innen- und Außenwelt. Indem das Subjekt sich auf die Dinge in der Welt richtet, ist das Subjekt Träger sogenannter intentionaler Akte. Die intentionalen Gegenstände der Erkenntnis werden dann im Denken repräsentiert und als Objekt bezeichnet. Es gibt nun ein Subjekt-Objekt-Schema. Vertreter der modernen Subjekt -Philosophie sind Descartes und Kant.

Nach Heidegger ist das Subjekt und die Subjektiviät des Subjekts nicht das Selbstverständliche, sondern das Fragwürdige. Für ihn stellt die Subjektphilosophie das Zentrum der abendländischen Metaphysik dar.

Der Mensch ist für Heidegger nicht mehr im klassischen Sinn Subjekt, dem eine ihm externe Welt gegenübersteht. Heidegger hat in „Sein und Zeit“ mit der Subjektphilosophie gebrochen. Der Mensch ist laut Heidegger schon immer in der Welt. Das In-der-Welt-sein bezeichnet die Seinsweise des Daseins. Die Welt steht dem Subjekt nicht gegenüber, wie in der Subjektphilosophie, sondern Dasein ist immer schon in der Welt.

Heidegger unterläuft die Subjekt-Objekt-Spaltung der klassischen Subjektphilosophie, weil er meint, dass wir immer schon in der Welt sind, die uns in der Alltäglichkeit über den Umgang mit den Gebrauchsdingen erschlosssen ist. Es geht ihm um den pragmatischen Bezug zu innerweltlich Seiendem. Der Mensch ist bei ihm zwar auch ein Konstrukteur, aber er ist auch schon eingelassen in eine Welt voller Bezüge.

3. Mitsein, Abständigkeit – „Man“ kontra „Ich“.

Veranstaltung vom 03.11.2016

solo3

von Rainer

 
Per steter Wiederholung wollen wir uns Heideggers „Man“ annähern.

Das „Mitsein“ resultiert aus der Einsicht, dass eigenes Dasein und und das der Anderen sich existenzial bestimmen:
z.B.    1. ein A versucht den Abstand zu B aufzuholen (schneller zu sein)
          2. B versucht den Abstand zu A aufrecht zu erhalten (schneller zu sein)
                 → „Abständigkeit“ – Konkurrenz
S.126/Z.20 „In dieser zum Mitsein gehörigen Abständigkeit liegt aber: das Dasein steht als alltägliches Miteinandersein in der Botmäßigkeit der Anderen.“
A oder B stehen nicht etwa außen vor, nein (S.126/Z.26) „Man selbst gehört zu den Anderen und verfestigt ihre Macht.“
→ (Z.31) „das ‚Wer‘ ist das Neutrum, das Man.“

Und das hat Konsequenzen:
S.127/Z.9f Miteinandersein besorgt die Durchschnittlichkeit
          1. durchschnittlich „gehört es sich, dass…“
          2. durchschnittlich „was man gelten lässt und was nicht“
          3. durchschnittlich „was und wem man Erfolg zubilligt oder nicht“
          4. durchschnittlich „was darf gewagt werden und was nicht“
Durchschnittlichkeit ebnet die Differenz ein
               → Einebnung, Glättung aller Seinsmöglichkeiten

Alles Individuelle wird neutralisiert.

S.127/Z.21 „Abständigkeit, Durchschnittlichkeit, Einebnung
konstituieren die Seinsweisen des „Man“ das, was wir als „Öffentlichkeit“ kennen.“
„Die Öffentlichkeit verdunkelt alles und gibt das so Verdeckte als das Bekannte und jedem Zugängliche aus.“

„Man“ wird vorschreibend und gibt an, was gelten darf oder nicht
          → Das „Ich“ ist neutralisiert !

S.127/Z.31 „Das Man ist überall dabei, doch so, daß es sich auch schon immer davongeschlichen hat, wo das Dasein auf Entscheidung drängt.“
„Weil das Man jedoch alles Urteilen und Entscheiden vorgibt, nimmt es dem jeweiligen Dasein die Verantwortlichkeit ab.“

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