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und geht…

Heideggers „Sein und Zeit“ – kurz und bündig.

solo3

von Rainer :

Abriss und Kommentierung über das Dasein bei Heideggers „Sein und Zeit“

 

Einleitung

Heidegger und seine Sprache

Als ungeübter Leser von „Sein und Zeit“ stolpert man zuerst
über die ungewohnte Sprache und die unbekannten Wörter von
Heidegger – es geht bis zur Verständnislosigkeit.
Der Versuch mit neuen Wörtern altes Denken (Denken der
Klassik und Moderne) zu überwinden führt bei manchem,
auch gutwilligem Leser, zu erhöhtem Widerstand, Unbehagen
und großer Zerknirschtheit.
Entkleidet der Verschrobenheit der wissenschaftlichen Sprach-
versuche wird die differenzierte Leistung des Erkennens sichtbar.
Bei intensiver Befassung mit dem Text stelle ich fest, dass Heidegger sich
einer, auch modernen Wirklichkeit der Daseinsbeschreibung und
ihrer Probleme annähert. Ist man hier angekommen
wird der kluge Gedanke deutlich.

 

1.) Das Dasein

Die Frage nach dem Sinn von Sein steht im Vordergrung des 1.Teils.
Da das „Sein“ ein höchst allgemeiner, dunkler, ja undefinierbarer
aber auch selbstverständlicher Begriff ist, gibt es eine Art
„Seins-Vergessenheit“.
Da das Verstehen und nicht Verstehen zum Sein des Menschen gehört,
ist „das Fragen ein Suchen“ nach Antworten über das Dasein.
Es geht dabei um „mein Sein“, meine Existenz in einem „Seinsverhältnis“
und das Fragen ist nach Heidegger ein „Existenzial“.
„Das Dasein…versteht sich immer aus seiner Existenz…mit der
Möglichkeit seiner selbst, es selbst oder nicht es selbst zu sein.“

Steht das Dasein bei der Betrachtung des Seins im Vordergrund,
nennt Heidegger es „Existenz“ (es geht dem Menschen um sich selbst).
Das Dasein kann gewählt (Entscheidung), ungewollt übernommen
(Fatalismus) oder per Tradition gelebt werden.
Zum Dasein gehört wesenhaft: Sein in einer Welt
-> in-der-Welt-sein

Merkmale des menschlichen Daseins sind die „Existenziale“
-> der Mensch „wohnt“ in der Welt (in-sein).

Das Sein in der Welt besteht aus der „Sorge“, dem „besorgen“ (Aktivität
der Sorge).
Zum Sorgen gehört auch das Herstellen, Beschaffen unter anderem von
„Zeug“. Arbeit ist Rationalität der Sorge.
Das Zeug spielt eine wichtige Rolle im Dasein, sind es doch die
„Seinsdinge in der Welt“.
Für Heidegger ist das Dasein auch bestimmt durch die „Bewegungs-
bestimmtheit“, „immer unterwegs“ („unterwegs zur Sprache“, da wir
erst einen Weg finden müssen).
Über die „Existenziale“ bekommt das Dasein aktives Leben zugewiesen.

Das Dasein, wie es Heidegger hier präsentiert, ist verständlich,
fast materialistisch und frei von Metaphysik zu bezeichnen.
Es ist das tagtägliche Leben. Wir können es erleben und nach-
vollziehen – praxisorientiert.

 

2.) Das „Ich“, die „Anderen“, das „Man“

Für Heidegger ist kein isoliertes „Ich“ ohne die „Anderen“
denkbar – Subjektsein ist wie ohne Welt sein (nicht möglich)
-> „Ich“ immer in Bezug auf „Andere“.

Kommentar:
Wegfall des Subjekts „Ich“ führt auch zum Wegfall einer „Ethik“.
(Ethik als normativ, geleitet durch Verantwortung)

Ethik: die Gebote
Kant : die Vernunft

Verschwindet das Ich zugunsten der „Anderen“ aus der Betrachtung,
nachdem auch „Gott“ und das subjektivierte „Bewußtsein“ fortgefallen
ist – ist auch kein „Überbau“ mehr vorhanden;
(sein (alt) durch „ICH / Bewußtsein“ / kategorisch),
es gibt kein „ICH“ / Bewußtsein mehr – nur die Existenz
-> es kann dann keine Ethik mehr geben.

 

Die Anderen beinhalten das „Ich“, die „Ichs“ verlieren ihre
Bedeutung und durch die „Zeughaftigkeit“ der Dinge um uns
nimmt die Beziehung zu den „Anderen“ eine existenzielle Rolle
ein.
Das Verhältnis ist geprägt durch die „Existenziale“:
„Wir leben mit dem Zeug (Kategorie) und mit Anderen (Existenzial)“
Die Anderen machen für uns die „Struktur der Weltlichkeit“ aus.

Im Zeug erscheinen für uns die Anderen:
die Hersteller, die Besitzer, die Benutzer
– wir sehen die Menschen, als mit etwas beschäftigt.

Selbst „das Alleinsein des Daseins ist Mitsein in der Welt“.
Dasein wird zu „Mitdasein“ – „Sorge“ wird zu „Fürsorge“.

„Ich bin zugleich ich selbst und anderer“.
Das „Ich“ hält dem Druck nicht stand und geht unter!

 

Vom verlorenen ICH zum „MAN-Sein“

Das Dasein verstrickt sich im „MAN“.
„Man selbst gehört zu den Anderen und verfestigt ihre Macht.“
Das Man ist überall dabei…das Man entlastet das Dasein…
Das MAN übernimmt die Verantwortung, hinter ihm kann man sich
verstecken, verdecken. Es ist der Schutz der Öffentlichkeit.
Man sagt das so, man tut das, man lässt das, man verhält sich.
Es lebt sich mit der „Beruhigung“ (wie „Ruhe vor dem Sturm“).

In Durchschnittlichkeit, Abständigkeit, Einebnung zeigt sich, was wir
„die Öffentlichkeit“ nennen. (Die Öffentlichkeit verdunkelt alles,
gibt sich aber als bekannt aus.)

(S.127/5.Abs.) „Das Man entlastet so das jeweilige Dasein in seiner
Alltäglichkeit.“ -> es führt zu einer „Seinsentlastung“, entlastet
das Dasein mit „Leichtigkeit“, verfestigt gerade dadurch „seine
hartnäckige Herrschaft.“

(S.128/Z.6) „Jeder ist der Andere und Keiner er selbst.“ Das Man
beantwortet die Frage nach „dem Wer des alltäglichen Daseins“
mit „Niemand“.

Dieses Niemand ist kein Nichts, es ist „ens realissimum“,
das allerrealste Wesen, d. i. Gott.

Heidegger meint, das Man sei so wenig vorhanden, wie das Dasein.
Je offensichtlicher das Man ist, desto versteckter ist es –
dennoch ist es aber nicht Nichts.

(S.129/Z.10) „Das Man ist ein Existenzial und gehört (…)
zur positiven Verfassung des Daseins.“

Die Betrachtung des Daseins beginnt nicht mit dem (S.129/Z.28) „ich bin…
im Sinne des eigenen Selbst, sondern die Anderen in der Weise des Man.“
Erst hieraus werde „ich mir selbst zunächst gegeben.“ Das Dasein ist
zunächst Man und bleibt zumeist.

Das Dasein in der Welt erschließt sein eigentliches Sein immer durch das
(S.129/Z.32) „Wegräumen der Verdeckungen und Verdunkelungen, als Zerbrechen der Vorstellungen, mit denen sich das Dasein gegen
es selbst abriegelt.“

 

Von einem „ganz normalen“ Dasein zum Absturz

In diesem Dasein, in dem Man-selbst sich eigentlich nicht zeigt
(uneigentlich) gelingt das Heraustreten aus dem Man nicht.
Dafür gibt es Stimmungen, aus denen kein Erkennen hervorgeht.
Das Dasein erscheint als nicht vorhanden, aber die Dinge.
Heidegger meint, das Dasein werde in die Stimmungen hinein-
geworfen, geworfen in die Welt.

Die Furcht
Stimmungen steigen auf, irgendwann, irgendwie steigt eine
Furcht auf. Doch wovor fürchten, warum?
Es muss verdeckt, unbekannt sein, wäre dies offenkundig, gäbe
es diese Furcht nicht – daher ist die Furcht unheimlich und
bedrohlich.
Furcht kann nur im Dasein (des Menschen) auftreten, es wird
als Bedrohung des Seins empfunden.
Es gibt auch kein fürchten für andere, es nähme ihm diese auch
nicht ab, da der Andere diese Furcht nicht zu haben braucht.
Die Furcht selber aber kann sich steigern in Erschrecken,
zum Grauen und zum Entsetzen.

Das Gerede
Das Gerede setzt ein Verstehen voraus, dass in der Gruppe
schon vorhanden ist. (S.168/Z24f) Die Rede wird verstanden,
„…das Worüber nur ungefähr,…man meint dasselbe, weil man
das Gesagte gemeinsam in derselben Durchschnittlichkeit versteht.“
(S.168/Z.35) „auf dem Wege des Weiter- und Nachredens“ zieht
das Geredete weitere Kreise: „Die Sache ist so, weil man es
sagt.“, es entwickelt sich das Gerede.

Die Neugier
Heidegger meint, sie suche das Neue nur, um von ihm erneut zu
Neuem zu springen. Es ginge nicht darum das „Licht der Weisheit“
zu erlangen oder zu erkennen. Die Klassik formuliert hier:
„Die Menschen streben von Natur aus nach Wissen“ im Unterschied
zu Heidegger.

Der Verfall (der Fall)
(S.177/Z.21f)Kommt das Dasein selbst ins Gerede und gibt die
Möglichkeit „…sich im Man zu verlieren, der Bodenlosigkeit
zu verfallen…“ eine stete Versuchung zum Verfallen.
„Das In-der-Welt-sein ist an ihm selbst versucherisch.“
(Das Dasein ist wie der Teufel.)
(S.177/Z.27f) „Gerede und Zweideutigkeit, das Alles-gesehen-
und Alles-verstanden-haben bilden die Vermeintlichkeit aus…“
die dem Dasein „…die Sicherheit, Echtheit und Fülle aller Mög-
lichkeiten seines Seins verbürgen.“
Alles ist in „bester Ordnung“ und beruhigend.
Dieses „verfallende In-der-Welt-sein“ wärmend, ist sogleich auch
„entfremdend“.
H. nennt diese „Bewegheit des Daseins in seinem eigenen Sein
den Absturz.“ (S.178/Z.29).
Der Sturz „in die Bodenlosigkeit und Nichtigkeit…der Alltäg-
lichkeit…bleibt ihm durch die öffentliche (Auslegung) verborgen“,
vielmehr wird er ausgelegt „als Aufstieg und konkretes Leben.“.

Bemerkung
Wittgensteins Eingangssatz im Tractatus ist:
„Die Welt ist alles was der Fall ist.“
Wir denken zuerst an Geschehen, Ereignis, Beschaffenheit,
an das was ist oder nicht ist oder geschehen könnte.
Betrachtet man es aber, ich würde es pathologische Sicht
nennen, als eine hervorgehobene Position, besonders,
beeindruckend, ungewöhnlich, so könnte der „Fall“ mit
einer, der Krankheit verglichen werden. Nur das von der
Regel abweichende, das Außergewöhnliche ist auffällig und
kann für eine Differenzierung des Gesamtbildes heran gezogen
werden.
Also ist „der Fall“ das gewöhnlich Ungewöhnliche. Es ist
alles Auffällige, auch das Verdeckte, erahnte, vorgestellte.
Es ist vorhanden, ob wahrgenommen oder nicht.
So betrachtet hat sich Heidegger des wichtigsten Statements
Wittgensteins bedient.

Die Angst
In der ursprünglichen Seinsganzheit des Daseins enthüllt sich das
Sein als Sorge. Nach Heidegger bringt nicht der oben genannte
Absturz die Diskussion um die Angst voran, da ja das Dasein
geradezu im Man-sein flüchtet, sich auflöst.
Zu bemerken aber ist, „daß die Flucht des Daseins Flucht vor ihm
selbst ist.“ Wovor also die Angst? Nicht vor der Flucht.
Die Furcht als Befindlichkeit hat einen bestimmten, „innerweltlichen“
Grund.
„Das Wovor der Angst ist das In-der-Welt-sein als solches.“(S.186/Z12)
Die Angst ist nirgends, „das Nichts ist es und nirgends“,
„das Wovor der Angst ist die Welt als solche.“
Es ist die Angst vor dem Leben!
Ist die Angst damit auch Ausdruck des Lebens?

 

Schluss
Bis hierher verstanden zu haben, lässt die Erkenntnis zu,
Heidegger bietet uns in „Sein und Zeit“ eine Betrachtungs-
möglichkeit von „Dasein“ an, die neu ist und heutigem
Dasein durchaus entspricht.

Newsletter Dezember 2916

Rainer Beinlich sendet den Newsletter 04 an alle Philosophie-Freunde , Dienstag, 27. Dezember 2016

7. / 8. Eine kleine grobe Systematik v. S&Z

Veranstaltungen vom 01. u. 08.12.2016

von Andrea :

Hermeneutik des Daseins in „Sein und Zeit“

Eine Kernthese von „Sein und Zeit“ ist  das Ausgehen von einer Analyse des menschlichen Daseins in seiner Alltäglichkeit. Nach Heidegger ist Dasein schon immer in der Welt. Jeder theoretische Untersuchung geht ein durch die Lebenspraxis, den unmittelbaren Lebensvollzug erworbenes Verständnis der Welt voraus. Das ist neu in der Geschichte der Phänomenologie.

Bei Heidegger gibt es kein Subjekt (allenfalls die Moorleiche eines Subjekts). Das Subjekt war in der Geschichte der neuzeitlichen Philosophie, insbesondere der Erkenntnistheorie Träger der Erkenntnis (zurückgehend auf Descartes?). Der Einzelne hatte danach einen unzweifelhaften Zugang zu seinen Gedanken und Gefühlen und konnte auf dieser Basis Kenntnisse von der Außenwelt gewinnen.

Bei Heidegger ist das Verhältnis zu anderen unserem Selbstverhältnis immer schon vorgelagert. Alle Vorstellungen von uns selbst und der Welt sind bereits durch die Gemeinschaft, durch das „man“ geformt. Bevor wir anfangen zu reflektieren, sind die Deutungen und Vorstellungen die im Lebensvollzug im Zusammenleben mit anderen geformt wurden und werden, bereits vorhanden. Hiedegger erläutert diese Vorstellungen ausführlich in den Kapiteln über das „Mitsein“ (4. Kapitel §§ 25 bis 27 SuZ)

In Kapitel 5 SuZ geht es wieder um das Dasein Sinne seiner zentralen Stellung innerhalb der Fundamentalontologie. Es geht um die „Erschlossenheit“ des Daseins. Das Dasein wird von seiner Existenz her analysiert. Die Seinsarten, die sich von der Existenz her verstehen sind Existenziale (im Gegensatz zu Kategorien).

Heidegger geht in Kapitel 5 auf verschiedene Existenzial ein

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