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und geht…

Newsletter Dezember 2017

Grüße zu den Festtagen und eine Semsterübersicht von Rainer, Dez.2017

Freiheit, hin und her

Streitgespräch zwischen Rainer und Andrea über das Thema: Freiheit

Was ist Freiheit?

Ist es die grandiose Möglichkeit alles zu tun was man möchte? DieFreiheit jeglichen Gedanken für möglich zu halten? Ja, jeden Gedanken überhaupt zuzulassen? Kann ich alles tun was ich möchte?

Und dazu fällt mir noch eine Frage ein: Bin ich so denn überhaupt so frei zu wissen, was ich möchte? Oder halte ich bereits das, was ich“ möchten soll“ für das, was ich möchte. Inwieweit hat es permanente Disziplinierung durch die Gesellschaft erreicht, dass ich das gesellschaftlich gewollte, als das von mir gewollte ansehe. Inwieweit hat mich die Reklame dazu gebracht, etwas zu wollen etc. Wäre es in diesem Falle noch Freiheit das zu tun, was ich möchte?

Wenn du hinterfragst,ob die Gesellschaft die Ideengeberin deiner Gedanken sei; so nehme ich an, sie hätte etwas dagegen,
wenn du die erkenntest?

eigentlich nicht! Ich denke die „Gesellschaft“ stört es nicht, wenn die Mitglieder erkennen, was sie sollen und wie sie dazu gebracht werden sollen. Sie müssen das nicht mal gut finden, Hauptsache die Sache läuft. Einzelne Abweichler sind ebenfalls nicht relevant. Friedliche Demos und Wahlen stören das System nicht, stärken es vielmehr. Einzelne stören auch nicht durch Konsumverzicht.
Was allerdings schlimm wäre, wenn plötzlich keiner mehr Bock auf neue Smartphones, schicke Autos, Flugreisen usf. hätte. Das ist aber nicht zu erwarten.

Es geht auch hier um die Fragen; die richtigen?
Ja, es wäre Freiheit, aber eine formale, konsumierende. Ob du es wirklich möchtest, müsstest du erfragen.

Gegenfrage: geht es bei der Frage „was ist Freiheit“darum, was ich möchte ? Ich dachte es geht um die Frage: „Was ist F.“ Eine übrigens – wie wir bei Popper gelernt haben – total überholte Frage aus alten metaphysischen Zeiten.

Ist Freiheit grenzenlos? Gibt es in ihr keine Regeln? Oder kann Freiheit nicht schrankenlos sein? Widerspricht Freiheit demZusammenleben von Menschen? (Hier ist gemeint die individuelle Freiheit über gesellschaftliche Notwendigkeit).Muss Freiheit im Spiel mit anderen Menschen nicht Bedingungen unterliegen?

Die Vorstellungen der Gesellschaft und Vorstellungen des Einzelnen werden wohl immer in Konflikt stehen.

Warum muss das sein?

Das muss so sein, weil in einer Gesellschaft immer einige die Richtung vorgeben (weil sie stärker sind, bzw. reicher) und weil diese Richtung naturgemäß nicht allen gefallen kann-

Foucault meint, dass der Widerstand auch Teil der Macht ist und diese möglicherweise stärkt, ohne dass wir das überhaupt bemerken. Was bedeutet das für die Freiheit? Wo Freiheit ist, ist auch Macht. Nach Foucault gibt es außerdem Machtbeziehungen nur in dem Maße, in dem die Subjekte frei sind. Damit eine Machtbeziehung bestehen kann, bedarf es also auf beiden Seite einer bestimmten Form von Freiheit. Nach Foucault ist die Freiheit geradezu als die Voraussetzung von Machtausübung. Sklaverei ist danach keine Machtbeziehung, denn es handelt sich um physischen Zwang. Freiheit ist also eine notwendige Voraussetzung für die Ausübung von Macht. Andererseits muss sich die Freiheit gleichzeitig der Machtausübung widersetzen, welche immer versucht ist vollständig über die Freiheit zu bestimmen.

Das verstehe ich nicht wirklich
-> gerade über die Freiheit entwinde ich mich der Machtausübung durch andere und nach meiner These gibt es keine Freiheit gegen andere!

Aus meiner Sicht ist es nicht möglich, sich der Machtausübung zu entziehen, es ist nur möglich eine Macht durch eine andere zu ersetzen. Die Macht steht uns auch nicht gegenüber in Gestalt von Menschen. Sie steckt in den Strukturen. Jean Ziegler hat einmal gesagt, dass er sehr nette Menschen kennengelernt hat, die im Management von Nestle´arbeiten. Sie sind überhaupt nicht böse. Aber dennoch sind sie für Tod und Verelendung von Menschen verantwortlich, weil sie für die Gewinnmaximierung des Konzerns verantwortlich sind. Auch Lebensmittelspekulanten können ganz liebenswürdig sein. Die Macht liegt in den Strukturen, s. auch Marx. Wie willst Du Dich denn beispielsweise der Macht des Geldes „entwinden“ Und das ist doch die eigentliche Macht.

Ist Freiheit der Gegensatz zu Machtausübung? Ist Machtausübung ggf. jeder menschlichen Beziehung immanent. Dann ist vielleicht auch die Freiheit als Kehrseite jeder Beziehung immanent. Dann geht es vielleicht nicht um das „ob“ und das „wie“ der Freiheit, und das „wer“ und das „wieviel“, Balance?

Zuerst befreite der Mensch sich aus den Zwängen,der ihn umgebenden Natur (weit gehend).

Dafür hat er sich lieber von einigen Großkonzernen abhängig gemacht. Bis Ende des Jahres werden voraussichtlich nur noch drei Konzerne 70 Prozent des Welthandels mit Agrarstoffen beherrschen. („Wer die Saat hat, hat das sagen“Morgenpost, Januar 2017 )

Soll doch nur ein Hinweis sein, dass Freiheit erst möglich wird, wenn wir etwas zu essen haben, sonst hatten wir nur die Freiheit
zu sterben (zu verhungern).

Ich meine: da wir nicht mehr in der Lage sind, uns selbst zu versorgen (wegen der Einhegung allen Grund und Bodens) und das, was wir zum Überleben benötigen in der Hand weniger liegt, sind wir erpressbar durch diese, sofern uns das Weiterleben nicht gleichgültig ist.
Damit haben diese Konzerne eine ungeheuere Macht, mein Verhalten zu kontrollieren.- Ich kann mich freilich dieser Machtausübung durch Ableben entwinden, aber ist das Freiheit?

Ich sehe bei einem Begriff „wirkliche Freiheit“ keine Trennung zwischen äußerer und innerer Freiheit ->
irgendwann vernichtet Gewalt auch innere Freiheit (trotz anderer Behauptung s.o.)

Gewalt ist eine Sache für sich. Es geht doch – zumindest in unseren Breiten- nicht um Freiheit von Gewalt. In unserer Zeit und in unseren Breiten wird keine Gewalt mehr benötig, die Zurichtung des Menschen ist in Jahrhunderten erfolgt. (Nietzsche) Sie ist bereits nach innen verlagert. Fremdzwang ist durch Selbstzwang abgelöst, wir stehen pünktlich auf, halten Verträge ein und ziehen uns an. Außerdem geht es uns gut. Wir machen mit, wir kaufen, wir wählen …………….Ist das Freiheit? Im Kapitalismus muss ich mich nicht der Machtausübung durch andere „entwinden“, um frei zu sein. Ich muss nur Geld haben. Das befreit mich von Nöten und Pflichten und von Machtanmaßungen anderer. Ich habe selbst dadurch die Macht.

Meine Gleichung für unser Gesellschaftssystem: Geld = Freiheit.

Innere Freiheit könnte aber vielleicht ein erster Schritt aus dem Frettchenrad des Systems sein, ob ich Geld habe oder nicht. Innere Freiheit durch Erkenntnis der Strukturen des Systems und meines eigenen Denkens könnte mich zumindest davon befreien, im neuen Smartphone mein Seelenheil zu suchen. Das wäre schon ein schönes Stück Freiheit.

Popper und die Annäherung an die Wahrheit

Popper sagt: „Die einzige Weisheit, die zu erwerben ich hoffen konnte, war das sokratische Wissen von der Unendlichkeit meines Nichtwissens.“ Das Wissen um die Unverlässlichkeit von Erfahrungen lassen ihn scheinbar an den bisherigen Methoden und Utopien zweifeln.  Dennoch hält ernerstaunlicherweise an der Idee der absoluten Wahrheit fest.

Unterschiede in verschiedenen Auffassungen haben nach seiner Vorstellung unterschiedliche Wahrheitsnähe. Auch wenn Meinungen falsch sind, können sie dennoch mehr oder weniger gut mit der Wahrheit übereinstimmen. So soll die Lösung eines Problems zunächst vorläufig gefunden werden, sie wird wieder verworfen, wenn sie falsifiiziert werden kann. So nähern sich schließlich die Lösungsansätze immer mehr der Wahrheit an.

Ich frage mich:

– Wie kann man aber feststellen, dass eine Theorie der Wahrheit näher kommt oder nicht, wenn man nicht eine genaue Vorstellung von der Wahrheit hat?

– Und wie kann eine Lösung falsifiziert werden, wenn es keine übergeordneten Normen gibt, anhand derer die Theorien beurteilt werden können? Welche Kriterien soll es dafür geben?

– Welches Argument kann gegen eine vorläufig gefundene Lösung vorgebracht werden, wenn es keinen Maßstab gibt, an dem die Lösung gemessen werden kann?

– Entscheidendes Kriterium für die Wahrheit ist nach Popper die Korrespondenz mit den Fakten. Aber wie läßt sich diese Übereinstimmung feststellen, woran kann man dies ausmachen?

Thomas Kuhn (http://www.claus-beisbart.de/teaching/wi2011/popper/p12.pdf )kritisiert die Vorstellung Poppers von der Fehlerelimination. Denn Fehler gebe es nur, wo es klar definierte Regel gebe,  also  unter  dem  Dach  eines  Paradigmas,  d.h.  in  der  Normalwissenschaft. Das heißt, ein Fehler wird im allgemeinen, also in der Normalwissenschaft (das ist die Phase zwischen zwei Revolutionen) lediglich innerhalb eines Paradigmas korrigiert werden. Dadurch entsteht aber keine Annäherung an „die“ Wahrheit, sondern lediglich eine bessere Vereinbarkeit mit den Regeln des Paradigmas.

Das Paradima ist aber keine ´“ewige Wahrheit“ sondern die von der Wissenschaft mittels ihrer Definitionsmacht erzeugte Wahrheit.

Kuhn verweist auch darauf, dass Theorien stets durch gedankliche Spekulationen gewonnen werden. In dieser Hinsicht sind aber Beobachtungen, die eine Theorie (angeblich) zu Fall bringen sollen, ebenfalls theorieabhängig.  Ohne Theorie ‚im Hinterkopf‘ können überhaupt keine Beobachtungen gemacht werden

 

Nach Popper kann zum Beispiel die Theorie, alle Schwäne seien weiß, widerlegt werden, indem ein schwarzer Schwan entdeckt wird. Um den neuen Vogel als Schwan zu klassifizieren muß der Beobachter aber schon eine Theorie im Kopf haben. Erst dann kann die Beobachtung des schwarzen Vogels zur Falsifikation herangezogen werden.

Außerdem kann auch eine falsifizierte Theorie rehabilitiert werden, zB indem man nachweist, daß jener schwarze Vogel gar kein Schwan ist.

Mir fällt es schwer, die Theorie der – ich nenne es mal – Wahrheitsannäherung nachzuvollziehen. Fällt Popper damit nicht philosophisch sogar in die Zeit vor Nietzsche zurück? Nietzsche mißtraute der wissenschaftlichen Erkenntnis:Was sind denn zuletzt die Wahrheiten des Menschen? – Es sind die unwiderlegbaren Irrtümer des Menschen.“ sagt dieser in der fröhliche Wissenschaft, also keine Falsifikation der Irrtümer möglich.

Mir fällt Nietzsches Vorstellung von der Figur des Sokrates in der „Geburt der Tragödie“ ein. Die alten Griechen waren laut Nietzsche in der Lage, dem Entsetzen ohne metaphysischen Trost in die Augen zu schauen und das Leben trotzdem zu genießen .

Dann kommt Sokrates und das tragische Zeitalter ist vorbei,  es beginnt der Optimismus in Bezug auf das Wissen und die  Erkenntnis. Sokrates glaubt daran, mit Hilfe der Erkenntnis das Dasein korrigieren und damit verbessern zu können. Popper fühlt sich Sokraktes verwandt , möglicherweise ist für ihn wie für Sokrates  die Erkenntnis eine Medizin gegen das Entsetzliche und Absurde des Seins.  Vielleicht suchen die beiden nicht die Wahrheit sondern Sicherheit vor dem Grauen des horror vacui.

Mir gefällt trotzdem an Popper, dass er für Toleranz plädiert und auch dafür, immer wieder offen zu sein, eigene Fehler zu finden und zu korrigieren, auch wenn ihm die Toleranz in Bezug auf andere Philosophen (wie Hegel und Marx) schwer fällt.

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