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und geht…

6.2 „Natur als Feind?“ – eine Antwort!

von Andrea

ich hatte immer vor, noch etwas zu (dem)… Text über die Natur als Feind sagen. Ich fand  auch, dass es so viele tolle Autoren gibt, die zu diesem Thema kluge Sachen sagen, die das, was ich denke viel besser ausdrücken, als ich das je vermöchte. Es eine Zusammenfassung der Gedanken meiner Lieblingsautoren zu diesem Thema.

 

Naturbeherrschung: Gemeinsamkeiten von Nietzsche, Adorno und Foucault

Friedrich Nietzsche, Michel Foucault, Philosophie, Theodor W. Adorno

„[…] macht Euch die Erde untertan.“

Die Bibel, AT Genesis 1,28

Dieser alttestamentarische Imperativ mag in den Köpfen von Nietzsche, Adorno und Foucault gewesen sein, als sie sich mit der Naturbeherrschung befasst haben. Nietzsche schreibt in „Götzendämmerung“: „Die christliche Moral ist ein Befehl; …“142, welcher nicht zu hinterfragen ist. Was gut und was böse ist, weiß nur Gott allein. Die Wahrheit ist göttlichen Ursprungs.

Die Naturbeherrschung ist die logische Folge des Befehls und der (instrumentellen) Vernunft, wie sie im vorangegangenen Kapitel behandelt wurde. Während sich Foucault auf die Beherrschung der inneren Natur spezialisierte, hat sich Adorno in seiner umfassenderen Theorie mit der inneren und der äußeren Naturbeherrschung beschäftigt.

Für Nietzsche ist die Aufklärung, wie bereits erwähnt, die prolongierte Form des christlich-asketischen Ideals. Eine Moral, die – wie im obigen Bibelzitat angedeutet – die Natur beherrschen soll. Die Vorwegnahme des christlichen Ideals, und daraus resultierend die Ideale der Aufklärung, verortet Nietzsche, genau wie Adorno143, in der Antike. Und exakt wie später Adorno und Foucault, konstatiert er in der Beherrschung der äußeren Natur gleichsam die Notwendigkeit der Unterdrückung der eigenen Natur. Dies steht im Kontext der Sklavenmoral, welche nicht nur ein schlechtes Gewissen schafft, sondern auch die Legitimation der Naturbeherrschung in sich trägt. In ‚Die Geburt der Tragödie’ rekurriert Nietzsche auf Euripides. In der ‚Genealogie der Moral’ spricht er gar von der „Vergewaltigung der Natur und des Selbst durch die Maschinen und die Ingeneur-Erfindsamkeit“144.

Die Natur wird von den Menschen als Bedrohung angesehen. Um dieser Bedrohung zu entgehen, gab es zu allen Zeiten Opfer. Seien es symbolische Opfer an die Götter oder, in der modernen Variante, die Unterdrückung der eigenen Natur.

Natur in der Aufklärung

Exemplifiziert wird dies bereits bei Adornos Interpretation des Homer Epos’ ‚Odysseus’, in welchem die Ruderer nicht zur Seite schauen dürfen und ihre Ohren verstopft sind, sodass sie den Gesang der Sirenen nicht hören können. Nur so kann es vorwärtsgehen, nur so kann es Fortschritt geben. Dies ist, so Adorno, ein wesentlicher Moment in einer Entwicklung, welche anders hätte verlaufen müssen, sollte ein menschengerechter Zustand erreicht werden.

In der Aufklärung wird oftmals vom Naturzustand als Grundmoment der Menschheit gesprochen. In selbiger Aufklärung, der Zeit der Repräsentation, wird die Natur, nach Foucault, „absolut verallgemeinert. Statt lediglich Geltung hinsichtlich der Beziehungen der Natur und der menschlichen Natur zu besitzen, erfragt sie die Möglichkeit jeglicher Erkenntnis.“145

Durch das christliche, asketische Ideal wird die Macht über den Körper auf die Macht über den Geist transferiert. Dies geschieht über die Unterdrückung der Bedürfnisse. Bei Adorno kommt dies der inneren Naturbeherrschung gleich, die nötig ist, um die äußere Naturbeherrschung zu gewährleisten. Bei Foucault wird durch den Körper qua Überreglementierung oder, wie er es sagt, mittels Disziplinierung auf den Geist eingewirkt. Die äußere Natur ist, ähnlich wie bei Nietzsche, im Zentrum der Analyse zur Naturbeherrschung zu finden.146

„Seine Herrschaft über die äußere Natur ist nur möglich durch asketische Selbstbeherrschung, durch rigide Kontrolle über das eigene identische „ICH“. Selbsterhaltung ist somit paradoxerweise nur möglich durch Selbstverleugnung und muß dadurch überdies mit der Entsagung von tatsächlichem Glück bezahlen. Dem Konsistenzzwang, äußeren Natur korreliert ein biographischer Konsistenzzwang, ein Zwang zur Identität, der das verhindert, was eigentlich erhalten werden sollte: die Entwicklung eines mündigen Subjekts, das sich frei, jenseits von allem Zwang, entfalten kann.“147

Das Band zwischen Mensch und Natur verlor sich durch den Begriff und die Vernunft. Diese Vernunft, deren Ursprung angesichts ihrer Askese auf den Selbsterhalt reduziert bleibt, ist der christlichen Theologie geschuldet. Schon der Terminus Adornos, „Askese“, deutet auf Nietzsche hin, dessen beschriebene Priester um dem Willen zur Macht zu entgehen, die Askese proklamieren.

„Der asketische Priester richtet nun den Ressentiment-Instinkt gegen sich selbst, er sagt: ‚Du bist selbst Schuld, das du krank bist, dass du leidest!’ und gewinnt aus der Affektentladung von der gewünschten Rache über Betäubung endlich Erleichterung. […] Es ist also die priesterliche Umdeutung des schlechten Gewissens zur ‚Sünde’, die das schuldige Mittel des Priesters ausmacht, und die in ihrer Folge nun die Sündhaftigkeit als Beschäftigung mit sich selbst zur Folge hat als weitere nach-innen-Richtung des Menschen, als weiteres sich-vom-Leben-entfernen, vom Willen zur Macht.“148

Das Ziel der Naturunterdrückung, dessen Empfänger der Beherrschte ist, ist gleichsam die Möglichkeit Menschen gefügig zu machen. „Was die Menschen von der Natur lernen wollen, ist, sie anzuwenden, um sie und die Menschen vollends zu beherrschen. Nichts anderes gilt.“149

Die von Kant deduzierte „selbstverschuldete Unmündigkeit“ erkennt Adorno als das Unvermögen der Selbsterhaltung. Dieser Prozess, die Natur zu kontrollieren, kann als Machtausübung verstanden werden. Auch Foucault verweist auf diesen Aspekt, wenn er in einem Text über Nietzsche150 schreibt, dass die „Kraft gegen sich selbst kämpft“151:

„Auf ihre Ermüdung [der Kraft des eigenen, unterdrückten Ichs] reagiert sie [die Kraft], indem sie sich von der ermüdeten Kraft nährt und so die Ermüdung weitertreibt: sie zwingt ihre Grenzen, Opfer und Kasteiungen auf, staffiert sie mit einem hohen moralischen Wert aus und gewinnt so wiederum neue Kraft. Darum entsteht das asketische Ideal im ‚Instinkte eines degenerienden Lebens, welches … um sein Dasein kämpft.“152

Natur und die Naturwissenschaften: Adorno und Foucault

Die Herausbildung der Naturwissenschaften ist laut Adorno und auch Foucault von immanenter Bedeutung. Eine Korrelation zwischen ihnen ergibt sich entlang der Linie der Naturbeherrschung, deren beider Ursprünge sich bereits bei Nietzsche verorten lässt.

So weiß Foucault, dass es die Naturwissenschaften waren, die die Disziplinartechniken entwickelt haben und Adorno schreibt, es seien die Naturwissenschaften, die die Natur auf die Verfügbarkeit reduzieren.

Die Reduzierung der Natur auf bloße Verfügbarkeit und somit die Reduktion zum Objekt ist gleichsam die Verfügbarkeit über das objektivierte Individuum. Die Angst vor der Natur, ob der Eigenen oder der Äußerlichen, ist der Tatsache geschuldet, dass ein Ausleben unmöglich ist und daraus resultiert die Motivation zur Entwicklung bestimmter Techniken.

Naturbeherrschung und Macht

„Die Verdopplung der Natur in Schein und Wesen, Wirkung und Kraft, die den Mythos sowohl wie die Wissenschaft erst möglich macht, stammt aus der Angst des Menschen, deren Ausdruck zur Erklärung wird.“153

Techniken beziehen sich hierbei auf technische Erfindungen oder auf (in einem anderen Sinne instrumentelle) Selbsttechniken des Subjekts.

Foucault beschreibt die Unterwerfung der Natur am Beispiel des Sexualtriebes. Sex a priori wurde verteufelt, manche sexuelle Praktiken wurden bzw. werden als anormal gesehen. Durch Verinnerlichung dessen wurde die Kontrolle erst möglich. Da er sich von den vorhergegangenen Weber’schen Machtdefinitionen unterscheiden will, fokussiert er „eine Geschichte der Mächte im Westen …, und zwar vor allem der Mächte, die in die Sexualität eingebracht wurden“154.

Die Maschen der Macht“ vor der Aufklärung waren zu groß und der Kontrolle entging zu vieles, also wurde die Macht in den Körper jedes Einzelnen und somit in die gesamte Bevölkerung eingeschrieben. „Das Leben ist jetzt, vom 18. Jahrhundert an, ein Objekt der Macht geworden.“155 Mit beispielsweise der Kontrolle des Sexuallebens kann das Individuum diszipliniert und die Bevölkerung reguliert werden.

Ziel des Aufwands der Naturbeherrschung ist, das Herrschen zu erleichtern. Der Beherrschte fungiert als Adressat. „Ein schwachsinniger Despot kann Sklaven mit eisernen Ketten zwingen; ein wahrer Politiker jedoch bindet sie viel fester durch die Kette ihrer eigenen Ideen; deren erstes Ende macht er an der unveränderlichen Ordnung der Vernunft fest.“156

 

Adorno weist in seinem Werk verschiedentlich darauf hin, dass die Aufklärung zur Barbarei führe. Die Tatsache, wie der Mensch unseres Kulturkreises mit Tieren umgeht, spricht Bände darüber, was er mit Menschen macht, die als Tiere eingestuft werden. Auch Nietzsche prophezeit die Barbarei, die sich vormals als Aufklärung sah.157 Diese Logik ergab sich nicht erst im Faschismus und bleibt auch weiterhin von flagranter Wahrheit, denn die Naturbeherrschung ist zweckhaft, sei es die Herrschaft von Menschen über Menschen oder die prinzipiell synonyme Technik der Disziplinierung. Foucault und Adorno identifizieren mit der Naturbeherrschung und der herrschenden Vernunft den Ausgangspunkt für ihre weiteren Analysen der Gesellschaft, wobei Adorno mit seiner holistischen Theorie das Ganze abbildet und Foucault mit seiner Spezialisierung auf die Feinheiten detaillierter eingeht. Von Nietzsche über Adorno zu Foucault ist die äußere Naturbeherrschung nur durch die Beherrschung der inneren Natur denkbar.

Die Naturbeherrschung ist rational und sie ist ökonomisch – darin stimmen Foucault und Adorno überein. Für Foucault gilt, dass jegliche Form der Disziplinierung von Grund auf zwei Aspekte hat: Ökonomie und Politik. Dies beschreibt er nicht nur in ‚Überwachen und Strafen’, es zieht sich auch durch seine ‚Geschichte der Gouvernementalität’, in welcher er die Ökonomie als den eigentlichen Antrieb für die Humanisierung der Strafpraxis sieht.158 Auch Adorno betrachtet den ökonomischen Faktor als Vehikel der Macht, welche den legitimen – vernünftigen – Grund für die Unterwerfung bietet. „…, daß die Gesetze der Ökonomie das Prinzip der Macht nie außer Kraft gesetzt oder auch nur geschwächt hatten … – zu einem besonders effektiven Mittel verdeckter, strukturell gewordener Machtausübung geworden waren.“159

Literaturnachweis für die Gemeinsamkeiten von Nietzsche, Adorno und Foucault zur Naturbeherrschung

138 Foucault (1985): „Freiheit und Selbstsorge“, S. 53.

139 Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“, S. 106.

140 Foucault (1993): „Ordnung der Dinge“, S. 15.

141 Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“, S. 95.

142 Tanner (1994): „Nietzsche“, S 53.

143 Vgl. „Odysseus oder Mythos und Aufklärung“ in: Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“; Horkheimer/Adorno (2003).

144 Zitiert nach Weiniger (1998): „Vernunftkritik bei Nietzsche und Horkheimer/Adorno“, S. 76.

145 Foucault (1993): „Ordnung der Dinge“, S. 209.

146 Fischer (1999): „Verwilderte Selbsterhaltung“, S. 135.

147 Kager (1988): „Herrschaft und Versöhnung“ S. 53.

148 Dukagjini (2002): „Zur Genealogie der Moral“, S. 13. (unveröffentlichte Quelle)

149 Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“, S. 11.

150 Es ist zwar eine Nietzsche-Interpretation Foucaults, doch schrieb Foucault m. E. stets im Dienst des eigenen Projekts.

151 Foucault (1996): „Nietzsche, die Genealogie, die Historie“, S. 76.

152 Ebd.

153 Horkheimer/ Adorno (2003): „Dialektik der Aufklärung“, S. 21.

154 Foucault (1999): „Botschaften der Macht“, S. 180f.

155 Ebd., S. 185.

156 Foucault (1994): „Überwachen und Strafen“; S. 131.

157 Vgl. Fischer (1999): „Verwilderte Selbsterhaltung“, S. 28.

158 Foucault (2004): „Geschichte der Gouvernementalität“, S. 24; vgl. auch Foucault (2005): „Analytik der Macht“, S. 233.

159 Wiggershaus (1998): „Theodor W. Adorno“, S. 63.

 

Quelle: http://www.soziologie-politik.de/naturbeherrschung-gemeinsamkeiten-von-nietzsche-adorno-und-foucault/

 

Martin Heideggers Ontologie in Sein und Zeit [1927]

von Andrea

zur Erinnerung an das Sommersemester und Vorbereitung auf Wintersemester

  1. Fundamentalontologie

Heidegger setzt sich von den Ontologien der traditionellen Philosophen ab und gibt der Ontologie eine neue Wendung. Ontologie ist nach Heidegger in Anthropologie zu fundieren.

Damit steht er einerseits in der Tradition einer Philosophie der Moderne, in der es üblich ist, alles vom Menschen aus zu denken. Neu ist aber andererseits, dass er ausdrücklich sagt, die Fundamentalanalytik ist die Analytik das Daseins, also des menschlichen Seins.

Die Ontologien sind in der ontischen Struktur des Daseins selbst fundiert. Daher muß die Fundamentalontologie, aus der alle anderen erst entspringen können, in der existenzialen Analytik des Daseins gesucht werden.  Die fundamentale Form von Ontologie ist die „Menschenseinsverfassunganalytik“, also die Ontologie des seienden Menschen. Erst daraus sind die anderen Ontologien zu entwickeln.

Heidegger setzt sich dadurch von Kant ab, dass nach seiner Ansicht die Analyse des Daseins nicht erst eine Analyse unseres Verstandes und unserer erkenntnistheoretischen Grundbegriffe nötig ist. Er möchte vielmehr sich viel grundlegender, viel elementarer dem Daseins nähern, indem er nicht auf den Menschen blickt, wie er in erkenntnistheoretischen Seminaren erscheint, sondern wie er „geht und steht und handelt“.

Zitate:

„Die  ausdrückliche  und  durchsichtige  Fragestellung  nach  dem  Sinn  von Sein  verlangt  eine vorgängige angemessene Explikation eines Seienden (Dasein) hinsichtlich seines Seins.“ (Sein und Zeit [SuZ], Tübingen: Niemeyer 19. Aufl. , 2006, S 7, Abs. 2)

„Die  Ontologien,  die  Seiendes  von  nicht  daseinsmäßigem  Seinscharakter  zum  Thema  haben, sind   […]   in   der   ontischen   Struktur   des   Daseins   selbst   fundiert   und   motiviert,   die   die Bestimmtheit eines vorontologischen Seinsverständnisses in sich begreift.Daher muss die Fundamentalontologie,  aus der  alle  andern  erst  entspringen  können,  in der existenzialen Analytik des Daseinsgesucht werden.“(ebd., S.13, Abs.4)

  1. Wie gibt es Seiendes ?

Zuhandenes- Vorhandenes

„Vorhandenheit“ ist die Seinsweise, wie man üblicherweise das Seiende thematisiert.(SuZ, S. 13, 15, 16): was ist etwas an sich selbst betrachtet, kontextfrei oder in diesem oder jenen Kontext betrachtet. Es ist etwas zunächst einmal an ihm selbst.

Aber Heidegger sagt, es ist nicht so, dass wir zunächst Dinge im Sinne von vorhandenen objektiven Entitäten kennen und diese dann in einen Verständnis- bzw. Handlungzusammenhang bringen, sondern der menschliche Verständnis-und Handlungszusammenhang ist das erste.

Dinge, Gegenstände bzw. Zeug als solches gibt es primär im Horizont menschlichen „In-der-Welt-Seins“, menschlichen Handelns, menschlichen Vertrautseins.Das Seiende ist zunächst das Gebrauchte, Hergestellte und dgl.

Diese Seinsweise nennt Heidegger Zuhandenheit“. Das ist die ursprüngliche Verfassung für Menschen. Er sieht es gewissermaßen „handwerklich“: die Dinge sind zur Hand. „Die nächste Art des Umganges ist […] das hantierende, gebrauchende Besorgen […].“

„Vorhandenheit“ entsteht – nach Heidegger- erst durch Störung ( Nichtfunktionieren) in der ursprünglichen Verfassung der Zuhandenheit. Erst dann beginnt das Betrachten des Dings als solches. Es beginnt das Betrachten, die Theorie, das „Begaffen„.

Die anfängliche Verfassung ist also die, dass wir mit den Dingen im Zusammenhang sind. (Besorgungszusammenhang–“Zeugganzes“). Über Störungen entsteht erst Erkenntnis und es beginnt die Vorhandenheit, die anderen Denkern als das Primäre erschien, für Heidegger aber das Sekundäre ist..

(nach Wolfgang Welsch, aus: „Ontologie“, 13. Vorlesung Wintersemester 2010/2011 Uni Jena, Hörbuch von „Auditorium Netzwerk“)

10. Von der „Sorge“ zur „Fürsorge“

Veranstaltung vom 16.06.2016

von Rainer

Von der“Sorge“ zur „Fürsorge“

Sorge (besorgen) bezieht sich auf den Umgang mit Zeugs.
Herstellen, bearbeiten, anbauen von Waren, Werkzeugen etc.
Fürsorge bezieht mich und die Anderen ein; es handelt sich
um eine Art Personifizierung, Einbringen in das Leben:
das Zeug wird dienstbar gemacht!

das Bild des Bootes verweist auf anderes Dasein

S.118   Wir leben mit dem Zeug und den Anderen;
            Zeug ist hierbei kategorisch, die Anderen sind Exenziale

S.119   „Die Anderen…“
            -> S.123,Z32 Struktur der Weltlichkeit
                 -> „Andere“ zeigen sich im „Boot“

Wir denken verschieden, es ist keine „Ich-Verdoppelung“
[Wir sehen die Menschen mit etwas beschäftigt]

S.120   „bei der Arbeit“ treffen, heißt primär in ihrer
            „In-der-Welt-sein“
„Auch das Alleinsein des Daseins ist Mitsein in der Welt!“
-> Modus des Sein des Daseins

unten Entfremdung

S.121   „Modus der Gleichgültigkeit und der Fremdheit“
                  -> Dasein ist Mitdasein (auch umgekehrt)

Sorge zur Fürsorge

Zitate aus „wikibooks.org“

Da das Sein des Daseins als Sorge bestimmt wurde, gründet hierin auch das Mitsein: das Verhältnis zu Anderen fasst Heidegger in der Fürsorge. Sie umfasst auch die Modi der Defizienz (z. B. Wider-einandersein) und der Indifferenz (Einander-nichts-angehen).positive Fürsorge kann weiterhin in zwei Formen auftreten, sie kann für den anderen einspringen, dem Anderen die Sorge abnehmen, dies führt für diesen jedoch zur Abhängigkeit, oder aber sie kann für den Anderen vorspringen, sodass sie nämlich dem Anderen hilft, für seine eigene Sorge frei zu werden. Wie zum Besorgen die Umsicht gehörte, so eignet der Fürsorge die Rücksicht und Nachsicht. Mitsein ist somit umwillen Anderer, Besorgen umwillen seiner selbst.

S.126 §27,2.Abs. Konkurrenz – Abstand z.B. ausgleichen,
                  aufholen, überholen

Das Man als das Wer des alltäglichen Daseins
Mit dem Terminus Man fasst Heidegger den kulturellen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund des Daseins. Der Mensch ist als kulturelles Wesen stets auf ein Überlieferungsgeschehen angewiesen und durch dieses bestimmt. Die Summe der kulturellen und gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen nennt Heidegger Faktizität. Von ihr kann niemals abgesehen werden, da sie wesentlich zum Mensch als kulturelles Wesen gehören. Wird dem Dasein seine Bestimmung durch die Tradition jedoch nicht bewusst, so ist es den vorgegebenen Verhaltensmustern und Anschauungen ausgeliefert. Diesen Zustand des Ausgelieferseins nennt Heidegger uneigentlich.

Heidegger hat nun andererseits den Menschen als Möglichkeit bestimmt: was ihn ausmacht, ist seine Existenz. Allerdings ist unser Verständnis der Möglichkeiten zunächst durch die Anderen bestimmt. Sie nehmen dem Dasein das Sein ab, Dasein steht in der Botmäßigkeit der Anderen. Die Anderen sind hierbei niemand Spezielles und so lautet die Antwort auf die Frage, wer das Daseins in seiner Alltäglichkeit ist: das Man.

„Wir genießen und vergnügen uns, wie man genießt; wir lesen, sehen und urteilen über Literatur und Kunst, wie man urteilt; wir ziehen uns aber auch vom ‚großen Haufen‘ zurück, wie man sich zurückzieht.“

Das Man wacht über jede sich vordrängende Ausnahmen:

„Alles Ursprüngliche ist über Nacht als längst bekannt geglättet. Alles Erkämpfte wird handlich. Jedes Geheimnis verliert seine Kraft. Die Sorge der Durchschnittlichkeit enthüllt wieder eine wesenhafte Tendenz des Daseins, die wir die Einebnung nennen wollen“.

Diese Funktion des Man bezeichnet Heidegger als Öffentlichkeit. Das Man übernimmt zudem die Verantwortung für das Dasein, denn das Dasein kann sich stets auf es berufen: Das macht man so. Heidegger formuliert scharf: „Jeder ist der Andere und Keiner er selbst.“

Das Man hat auch auf die Entwicklung der philosophischen Tradition seine Auswirkung, denn es bestimmt das vorontologische Verständnis des Daseins, d. h. die Auslegung des Sinns des Seins, als auch seine ontologische Auffassung des Daseins als aus der Welt heraus verstanden.

Der uneigentlichen Fremdbestimmung stellt Heidegger das eigentliche Selbstsein als existentielle (nicht existenziale) Modifikation des Man entgegen. Hierzu analysiert Heidegger im folgenden Abschnitt die drei dem In-sein zugeordneten Existenzialien Befindlichkeit, Verstehen und Rede. In dem Bestreben, ein authentisches Leben zu führen, kann das Dasein, so Heidegger, nur im Rahmen dieser Existenzialien bleiben, sie konstituieren ja das Menschsein. Allerdings ist es ihm möglich, sich zu ihnen zu verhalten und so eine Modifikation ihrer vom uneigentlichen hin zum eigentlichen zu vollziehen.

9. Das in-der-Welt-sein als Mit- und Selbstsein. Das „Man“.

Veranstaltung vom 09.06.2016

von Andrea

Kritik an der klassischen Subjektphilosophie

Viertes Kapitel § 25:

Das In-der-Welt-sein als Mit- und Selbstsein. Das „Man“

Bei  der  Untersuchung des  In-der-Welt-seins  ist das Dasein in  seiner  Alltäglichkeit   Thema.  Heidegger  untersucht zuerst  das  Phänomen  der  Welt,  ausgehend vom innerweltlich Zuhandenem, weil der Mensch in  seinem  Alltag  sich  in  typischer  Weise  zur  Welt  verhält.  Welt wird zunächst durch das Zeug verstanden.

Das Dasein ist von seiner Welt benommen.  Seinsart des Aufgehens in der Welt und das zugrunde liegende in-Sein bestimmen das Phänomen, dem jetzt nachzugehen ist (SZ S.. 113 unten). Dies geschieht mit der Frage:

Wer ist es, der so in der Welt und in der Alltäglichkeit des Daseins ist?“

bei Wittgenstein – der spielende Mensch

bei Karl Marx – der arbeitende Mensch

vorher in der klassischen Philosophie war es das „ich“: Was diesem „ich“ begegnet ist verschieden, aber das ich bleibt identisch.

Descartes- cogito ergo sum

Gegenposition: wIr erfinden das Subjekt, wir erfinden die Welt

Exkurs Subjekt-Philosophie:

Mit der Reflexion auf das eigene Erkenntnis­vermögen erfolgte in der Neuzeit ein Bedeutungswandel. Der Begriff des Subjekts wurde nun eingeschränkt auf das erkennende Ich. Es entstand die Vorstellung eines Dualismus von einer (geistigen) Innenwelt und einer (materiellen) Außenwelt. Seitdem versteht man in der Philosophie unter Subjekt den menschlichen Geist, die Seele, das sich selbst gewisse und sich selbst bestimmende Ich-Bewusstsein. (Wikepedia)

Bei Heidegger erfolgt in §  25 eine Destruktion der klassischen Subjektphilosophie.

Bereits Nietzsche hatte fundamentale Kritik am neuzeitlichen Subjektbegriff formuliert. Er bezeichnete Descartes Idee eines Ich als „Fabel“. Diese ist darin begründet, dass Descartes in dem grammatischen Satz „Ich denke“ bereits das Ich als existierend voraussetzt und damit einen Zirkel erzeugt.(Wikepedia)

„Niemand [ist] heute mehr so unschuldig, noch in der Art des Descartes das  Subjekt  ‚ich’  als  Bedingung  von  ‚denke’  zu  setzen;  vielmehr  ist  durch  die  skeptische  Bewegung  der  neueren  Philosophie  die  Umkehrung,  nämlich  das  Denken  als  Ursache  und  Bedingung  sowohl  von  ‚Subjekt’wie  von  ‚Objekt’,  wie  von  ‚Subustanz’  wie  von  ‚Materie’ anzunehmen  –  uns  glaubwürdiger  geworden:  was  vielleicht  nur  die  umgekehrte  Art  des  Irrthums  ist“  (KSA  11,  637  (40[20])).  Für  Nietzsche  bleibt  die  Frage  zu  klären,  „[…] Doch, es gibt das Ich, Es gibt das Ich’, d.h. ‚Das Denken gibt das Ich’. Das Ich ist das Ergebnis des Denkens – nicht umgekehrt. […] Das Ich ist keine Person,  sondern  ein  Personalpronomen in  einem  Satz,  und  nicht  das  Ich  bildet  den  Satz,  sondern der Satz bildet das Ich“

„Wer“ hatte in der klassischen Philosophie das Wesen der Vorhandenheit.

 Dasein kann nach Heidegger nicht als Vorhandenes verstanden werden.

„Wer “ darf also nicht mit einer Essenz des Daseins, nicht mit einem Kern des Daseins beantwortet werden. Dasein ist nur, indem es existiert, also als Lebensvollzug

 

Verweisung auf ein Mitdassein

Alles in der Welt verweist

  1. auch S 71 Zeile 3

Gegenstände sind Zeichen von jemandem. So  verweist zum Beispiel das verankerte Boot am Ufer auf dessen Besitzer, die Mausefalle vor dem Mauseloch auf den Mausefallensteller.

Wir begegnen Zeug (Falle, Boot), das für andere Zuhandenes ist

Heidegger-Kritik

von Andrea

100-Seiten-Frist für „Sein und Zeit“

Regierungen haben ihre 100-Tage-Frist, Schriftsteller bei mir ihre 100-Seiten-Frist. Jetzt haben wir etwa 100 Seiten von „Sein und Zeit“ studiert und ich möchte darlegen, was mir – bisher- an dem Werk gefällt und was nicht.

Was mir gefällt

Was mir gefällt ist die Idee der ontologischen Differenz.

Heidegger kritisiert die klassische  Ontologie, weil sie die ontologische Frage nach dem Sein immer nur vermittels des ontischen Seienden gestellt hat. Sie führe das Sein auf Seiendes zurück. Dadurch aber wird nach Heidegger das Sein des Seienden verstellt. Denn wenn man beispielsweise davon ausgehe,  dass Seiendes Materie ist, dann wisse man nur, dass der Hammer Holz und Metall ist, aber nicht, dass er „das Ding zum Hämmern“ ist.

Auch der Mensch selbst könne sich nur dann verstehen, wenn er sich nicht nur als Vorhandenes sondern als Dasein/Existenz ansehe. Er könne sich selbst nicht als lediglich vorhanden  Gegenstand denken. Sondern er sei vielmehr ein Seiendes, welches zugleich so beschaffen sei, dass es nach seinem eigenen Sein fragen kann. Der Mensch müsse erkennen, dass er nur im Lebensvollzug existiere. Dasein hat nach Heidegger immer schon ein gewisses Vorverständnis von sich, dem Sein und dem Seienden, die Welt ist ihm als sinnhafte Ganzheit gegeben, hinter deren Sinnzusammenhänge er nicht zurückgehen könne.

Das das ein interessanter und vielversprechender (damals) neuer Ansatz für Heideggers Untersuchung.

Was mir nicht gefällt

  1. die Körperlosigkeit des Daseins

Aber es ist nicht einfach, das Dasein auf sein Sein hin zu befragen, wenn man nur sehr unklare Begriffe desselben hat. Ich finde Heidegger macht sich ein bisschen schnell davon, wenn er erklärt, was das Dasein sein solle.

Es ist ja nicht Mensch, also nicht Mann, nicht Frau (Tatsächlich habe ich es mit immer weiblich vorgestellt, weil es mich an meine Mutter erinnert, die auch zeitlebens im Seinsmodus der Sorge war und noch ist). Aber Dasein hat bei Heidegger bis Seite 100 kein Geschlecht. Vielleicht muss es sich dann wenigstens um seine Sexualität nicht sorgen.

Irgendeinen Körper muss das Dasein aber haben, denn zum Sorgen benötigt es ein Gehirn, das Gedanken produziert oder empfängt. Außerdem hämmert es laut „Sein und Zeit“. Zum Hämmern bedarf es ebenfalls eines Körpers.

Mein Eindruck ist, dass Heidegger den Körper irgendwie unangenehm ontisch findet an diesem hübsch ausgedachtem Dasein und ihn darum ein wenig unter den Tisch fallen läßt. Denn der Körper macht die ontologische Differenz im Hinblick auf das Dasein etwas komplizierter, weil er eben auch ontisch ist. Aber Dasein gibt es nicht ohne diesen ontischen Bestandteil.

  1. Natur nur unter Nützlichkeitserwägungen

Was mir auch nicht so gut gefällt ist die Betonung des Vorrangs des praktischen Weltbezugs dahingehend, dass auch die Natur nur unter Nützlichkeitserwägungen erscheint.Dies ist ein Punkt, welcher bereits von einer Kommilitonin angesprochen worden war. Heidegger wird ja diese Sichtweise in seiner späteren Technikkritik selbst aufgeben. Weshalb ich mich an dieser Stelle frage, ob es  vielleicht ein Fehler ist, sich allzu ausführlich mit „Sein und Zeit“ zu befassen und nicht lieber rascher zum „späten Heidegger“ wechseln sollte.

  1. die Sprache Heideggers

Was mir – wie offensichtlich vielen anderen auch- nicht recht gefällt, ist die Sprache Heideggers. Einige Kritiker sind der Ansicht, das Werk sage im Ganzen recht wenig, jedenfalls wenig Neues, und verschleiere dies mit vielen Worten. Meine philosophische Bildung ist gering und meine „Sein und Zeit“-Lektüre nicht über 100 Seiten hinaus gelangt, daher enthalte ich mich einer regelrechten Kritik und lassen es damit bewenden, zu erwähnen, dass mich die Sprache zunehmend nervt. Einen heideggerschen Begriff nach dem anderen habe ich mir gefallen lassen. Aber langsam aber verliere ich die Freude an weiterer Lektüre. Bisher hat sich mir nicht erschlossen, warum alles gerade so ausgedrückt werden muss.

Mein Wunsch

Ich würde es begrüßen, nicht allzu lange bei „Sein und Zeit“ zu bleiben und lieber den späten Heidegger“ zu studieren.

8. „immer unterwegs“ (Heidegger)

solo3

von Rainer

Einer der wichtigen Gedanken der Philosophie Heideggers ist:

S.79 Z16
„Ausweichen gehört als Einschlagen einer Richtung wesenhaft zum In-der-Welt-sein
des Daseins. Dieses ist immer irgendwie ausgerichtet und unterwegs;“

„immer unterwegs“ (Heidegger) steht contra zu der klassischen Position: Ruhe,
verharrend.
[zuerst bei Karl Marx gibt es die „dynamische Umwälzung“]
→ „Unterwegs zur Sprache“ (Heidegger)
→ wir müssen erst einen Weg finden
Bewegungsbestimmtheit des Daseins

S.79/80
Zeichen ist kein Ding zu anderem Ding in zeigender Beziehung;
sondern ein Zeug (Zeugganzes) „das ein Zeugganzes ausdrücklich in die Umsicht
hebt, so daß sich in eins damit die Weltmäßigkeit des Zu-handenen meldet.“

Anzeichen und Vorzeichen “zeigt sich“ was kommt
Merkzeichen zeigt woran man jeweils ist
Zeichen zeigen immer „worin man“ lebt.

S.83 §18
Sein eines Seienden (Zeug spezial) hat die Struktur der Verweisung
(Verweisungsgesamtheit)

Bewandtnis (mit etwas auf sich haben)) z.B. ein Raum (Bewandtnisganzheit)

S.84 Z10
Wozu fragt nach der Dienlichkeit (Zweck)
Wofür verwendet (wobei bezieht sich auf die Bewandtnis)

Ein Beispiel:
Hammer hämmert…  → Befestigung
→ Dachpappe als Schutz vor Unwetter
→ ergibt Dasein
die Einzelheiten im Beispiel bilden die Bewandtnisganzheit,
sie zeichnet vor: das in-der-Welt-sein des Daseins, s.a.S.71

S.85
…ich habe verstanden, welche Funktion eine Ampel hat
es ist mir erschlossen (verstanden) → Dienlichkeit

S.86
Die Erschließung des Zwecks gehört zum Seinsverständnis

Ich verstehe den Zweck des Seienden
Gibt es keinen erkennbaren, frage ich danach
Vom „hämmern“ zum Hammer → Seinsart der Bewandtnis

Gerade auch das Nichtverstehen führt zum Verstehen!

6.1.5 Leben und Kreativität als Mittel des Überlebens

solo3

von Rainer

Gerade weil der Mensch Teil der Natur ist, betrifft sie ihn auch unausweichlich.
Sie ermöglicht ihm das Überleben oder präzise das Leben.
Die Betrachtung der Feindschaft geschieht, indem der Mensch sich theoretisch
außerhalb der Natur stellt. Es ist eine abstrakte Position, die aber in der
Praxis Konsequenzen hat.

Auf der Skala Leben, mit und in der Natur gibt es Eckpunkte zwischen denen
der Istpunkt des Lebens bewegt wird. Ein nur kleines Bewegungselement ist die Selbstbestimmung des Menschen.
Seine Konstitution aber wird hauptsächlich bestimmt durch die ihn umgebenden und ihn ausmachenden Funktionen. Ist er krank ändert das seine Position auf obiger Skala. Diese Betrachtung erfolgt aus menschlicher Perspektive. Aber die Position ist keine Wahlmöglichkeit, sie zu verändern bedarf es des Erkennens und der Kreativität.

Während dieses „Überlebenskampfs“, was einem „nicht-zu-Tode-kommen“ entspricht, kämpft der Mensch zum Betrachtungszeitpunkt sowohl um sein Leben, als auch für sein Leben und dabei kämpft er zuallererst gegen die Faktoren, die sein Leben verkürzen wollen!

Was ist Kreativität?

Kurz, Kreativität ist die schöpferische Kraft, die sich z.B. im Erfindergeist für
für die Überlebensfähigkeit sehr vorteilhaft auswirkt. Erfinden und benutzen von Werkzeugen war eine dieser Vorzüge.
Kreativität zum / aus Vergnügen war erst möglich und wahrscheinlich als die
Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt waren.
Kreativität im Zusammenhang mit Kultur und Vergnügen ist sicher auch ein
spirituelles (Zusatz-) Erlebnis.
Kinder in Afrika basteln aus Blechdosen Spielzeugautos a.) um damit zu spielen
aber b) auch um sie an Touristen zu verkaufen, zur Aufbesserung des Familieneinkommens.

Die Behauptung, Angst und Kampf seinen „Kreativitätsbremsen“ gilt sicher nur für den Fall a) und damit für den Vergnügungsaspekt – die Kreativität zu Überleben dürfte hier auch mehr gefragt sein.

6.1.4 Noch ein paar Gedanken zu Mensch und Natur

von Andrea

Ja, es stimmt: Natur kann auch Feind sein.

Die Antwort auf die Frage , ob Natur als solches als Feind angesehen werden kann, hängt davon ab, ob der Mensch selbst zur Natur gehört oder nicht. Darüber gibt es keinen Konsens.

Du zählst den Menschen nicht oder nur temporär zur Natur oder siehst eine Dichotomie von Mensch und außermenschlicher Natur. Darum kann ich Deine Position verstehen, ohne sie zur Zeit aber zu teilen (vielleicht werde ich noch davon überzeugt). Ich zähle den Menschen zur Natur hinzu.

Für Dich kann Natur an sich also durchaus schlüssig Feind oder Freund sein, weil sie ein Gegenüber ist. Ich – als Teil der Natur – könnte vielleicht sagen: „dieser Wolf, der mich angreift, ist mein Feind (und wie ich Teil der Natur)“. Aber das könnte ich auch über einen Menschen sagen, der mich angreift. Für Dich könnte hier ein Unterschied vorliegen. Mit dem Wolf griffe Dich „die Natur“ an, mit dem Menschen nicht.

Allerdings sehe ich nicht, dass uns die Natur einen Überlebenskampf „aufzwingt. Eher fühlt sich das Individuum, das Interesse am Weiterleben hat, gezwungen, dafür zu kämpfen, dass innerhalb der gesetzten Bedingungen überlebt. Überlebenskampf kann eventuell mit oder gegen „die Natur“erfolgen, vielleicht auch beides gleichzeitig. Der Überlebenskampf ist aber doch per se eher ein Kampf um oder für etwas, nicht gegen etwas. Man sagt auch, ein Kranker kämpfe ums Überleben. Da wird die Differenzierung schwierig; ist die Krankheit Natur und der Mensch nicht? Was ist mit Autoimmunkrankheiten?

Eine Gefährdung des eigenen Lebens – sofern man es erhalten möchte- fordert sicher den Überlebenswillen heraus. Allerdings zweifele ich daran, dass der „Widerpart Natur“ die Ursache von Kreativität ist. Kreativität gehört zu unserer Natur wie sie auch zur Natur der Natur gehört. Nach meiner Beobachtung liebt es der Mensch kreativ zu sein, es ist ihm ein Vergnügen, sich auszudrücken. Angst und Kampf sind eher Kreativitätsbremsen.

Aber ist stimme zu, dass Menschen kreativ darin sind, gefährliche Elemente der außermenschlichen Natur zu bezwingen. Aber sie sind genauso erfinderisch darin, kulturellen Gefährdungen zu begegnen. Es war schon sehr kreativ (zum eigenen Schutz?)eine Atombombe zu erfinden.

6.1.3 Was bedeutet „Feind“ sein?

solo3

von Rainer

Feind,
als Begriff und durch emotionale Verbundenheit sicher subjektiv  →  nicht diskutabel.
Wenn aber etwas existenzbedrohendes faktisch gegen mich gerichtet ist,
kontakariert es mein Leben → wird diskutabel.

Unsere Körper und das Bewußtsein sind auf Existenzerhaltung eingerichtet.
Überfährt ein Autofahrer einen Fußgänger, geschieht das in der Regel
nicht mit Absicht, aus „bösem Willen“ – es ist eher ein Versehen oder
Zufall, dass ein „Fehler“ ein solch „böses Ende“ nimmt.
Überrollt mich eine Gerölllawine und fügt mir Schaden zu, rechne ich
das auch eher dem Zufall (meiner Anwesenheit) zu, als einer bösen Absicht
des Berges.

Wenn ich meinen Körper in das Denken „Natur“ einbeziehe, geschieht
Ihm in obigen Fällen aber eine Herauslösung, da sie „mein Ende“ darstellt.
An keiner Stelle meiner Texte wird behauptet, die „Natur“ sei „nur Feind“
oder / und nur gegen das Leben gerichtet.
Ich beziehe mich z.B. auf die Biologie (Leben hervorbringen) und gerade der
„Überlebenskampf“ den uns „das Leben“ und hier „die Natur“ aufzwingt,
ist zum großen Teil „das Leben“.

Der natürliche Widerpart ist die Ursache für Kreativität und „Überlebenswillen“.
Natur im Widerspruch zum Leben ist keine Behauptung, die ich aufstelle –
im Gegenteil:
Nur durch das Hin und Her des Zusammenspiels von Natur (egal gedacht
als Ganzes oder etwas Anderes) und Mensch (als einzelnens autonomes Wesen
oder als Teil Natur) ist menschliches Leben möglich.

7. Weltmäßigkeit der Welt

Veranstaltung vom 26.05.2016

von Andrea

Zum Auftakt gab es eine Erläterung von Herrn Dr. Thomas zum „Eichhörnchen“:

( zur Erinnerung:

an der Aussage: „das Eichhörnchen ist ein Seiendes, welchen nicht Dasein ist“ hatten sich Zweifel angemeldet, weil das Eichhörnchen aufgrund seiner Vorsorge für den Winter ein Sein zu sein scheint, zu dem der Modus des „Besorgens“ gehört)

a ) Natur beachten

  1. b) Natur ausbeuten
  2. a) und b) sind formal Standpunkte

genauso sind:

  1. a) Das Eichhörnchen ist ein Seindes von der Art des Daseins
  2. b) das Eichhörnchen ist kein Dasein

(a und b) ebenfalls Standpunkte

solche Thesen kann das Eichhhörnchen nicht aufstellen;  nur das Seiende, welches Dasein ist, kann Standpunkte wie o.a. einnehmen.

Wiederholung der letzten Stunde

 Heidegger unterscheidet bei der Seinsart von Zeug zwischen Zuhandenheit und bloßer Vorhandenheit abzugrenzen. Die Zuhandenheit erschließt sich dem Dasein im praktischen Umgang mit dem Zeug (Schreiben mit Papier und Stift, )

(SZ S 70) Natur ist nur noch vorhandenes, Seiendes noch nicht zuhandenes

Wir erörtern noch einmal das Thema der Natur als „Feind“ (verstehe ich allerdings erneut nicht recht)

Weiter in Sein und Zeit

SZ § 16, S. 72 ff

Zum Vorschein kommen der Weltlichkeit

Heidegger fragt, ob dem Dasein die Weltlmäßigkeit der Welt, also die Verweisungsganzheit, in ihrem praktischen Weltbezug bewusst werden kann. Sie kann:

Die Weltlichkeit der Welt meldet sich nämlich dann, wenn Defizienz im Verweisungscharkter des Seienden entsteht, dies kann sich in den folgenden 3 Modi des Besorgens zeigen

– bei Unverwendbarkeit

– bei Fehlen

– bei im-Wege-liegen

wird der Verweisungcharakter des Seienden, also das Um-zu der Dinge, in ihrem Verweisen auf ein Dazu, gestört

so wird der Verweisungszusammenhang für das Dasein ausdrücklich. Das Zuhandene kommt in den Modus der Aufdringlichkeit

SZ § 17 S. 76 ff

Heidegger erläutert das Phänomen des Verweisens anhand einer Analyse des Zeichens. Zeichen ist Zeug, dessen Zeugcharakter im Zeigen liegt (z. B. ein Blinker am Auto).

 Das Zeichen steht aber nicht mit einem anderen Ding in Beziehung, sondern hebt die Zeugganzheit (z. B. den Zusammenhang von Verkehrsmitteln und -regelung) in die Umsicht.

Zeichen als Zuhandenes lassen die ontologische Struktur der Verweisungsganzheit erkennen, nehmen aber zugleich aus dieser ihre Bedeutung.

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