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und geht…

Ich denke (nicht meine Gedanken), also bin ich (nicht)

zuerst erschienen siehe:  philohof

Ich denke (nicht meine Gedanken), also bin ich (nicht)

Link: https://www.facebook.com/Die-Nacht-der-Philosophie-472772002775854/?fref=ts

Ich bereite mich auf meinen Abend bei der diesjährigen „Nacht der Philosophie“ vor, welche am 25. Mai 2016 in Wien stattfindet. Zu dieser Veranstaltung, in der zahlreiche PhilosophInnen in Wiener Kaffeehäusern auftreten, werde ich um 19:00 Uhr mit einem Vortrag mit Diskussion im Lokal „zur rezeption“, Große Sperlgasse 6, 1020 Wien (https://www.facebook.com/zur-rezeption-540031136147939/info?tab=overview) beitragen.

Als Titel meines Abends habe ich gewählt: „Ich denke (nicht meine Gedanken), also bin ich (nicht)“

Dieser Titel geht, wie dem Bildungsbürger gleich auffallen wird, auf René Descartes (1596-1650) zurück. Anlass genug für mich, mich ein wenig mit Descartes‘ Gedanken auseinanderzusetzen, der mir haarsträubend falsch erscheint (und mich darüber zu verwundern, dass sich offenbar noch niemand mit ihm in derselben Weise auseinandergesetzt hat, wie ich das tue).

Descartes formulierte seinen Gedanken „Ich denke, also bin ich“ in drei verschiedenen Werken: im Discours de la méthode (1637), in den Grundlagen der Philosophie (1641) und in den Prinzipien der Philosophie (1644) (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum). Er muss ihm also sehr wichtig gewesen sein.

Ich selbst nehme nun den Discours de la méthode zur Hand und lese daselbst:

„Weil unsere Sinne uns manchmal täuschen, wollte ich voraussetzen, es gebe nichts, das so wäre, wie sie es uns vorstellen lassen. Da es außerdem Menschen gibt, die sich beim Überlegen täuschen, – selbst bei den einfachsten Materien der Geometrie […] und ich urteilte, dem Irrtum genauso unterworfen zu sein wie jeder andere auch, wies ich alle Begründungen zurück, die ich vorher für Beweise genommen hatte. Schließlich zog ich in Betracht, daß genau dieselben Gedanken, die wir haben, wenn wir wach sind, uns auch kommen können, wenn wir schlafen, ohne daß irgendeiner davon wahr wäre. Deshalb entschloß ich mich, so zu tun, als ob alles, was jemals in meinem Geist eingetreten war, nicht wahrer wäre als die Illusionen meiner Träume. Aber gleich darauf bemerkte ich, daß, während ich so denken wollte, alles sei falsch, es sich notwendig so verhalten müsse, daß ich, der dies dachte, etwas war. Ich bemerkte, daß diese Wahrheit: Ich denke, also bin ich, so fest und gesichert war, daß auch die verrücktesten Voraussetzungen der Skeptiker nicht fähig waren, sie zu erschüttern, und deshalb urteilte ich, sie ohne Bedenken als erstes Prinzip der von mir gesuchten Philosophie annehmen zu können.“ (René Descartes: Discours de la Méthode. Französisch – Deutsch. Meiner, Hamburg 2011. S. 57-59.)

Kurz, weil die Sinne täuschen können, weil man sich beim Nachdenken manchmal irren kann und weil auch Traumbilder sehr real erscheinen können, wollte Descartes keinen einzigen Gedankeninhalt für vertrauenswürdig halten. Das einzige, das ihm mit Fug und Recht behauptbar erschien, war, dass der Mensch diese Inhalte denkt und dass er deshalb wohl existieren muss, um sie denken zu können.

Diese Behauptung erscheint zunächst einmal, grundsätzlich und in ihrer vereinfachten Gestalt betrachtet, einsichtig: Damit jemand denken kann, muss es jemanden geben, der denkt; damit jemand getäuscht werden kann, muss es jemanden geben, der getäuscht wird, etc. Aber das widerspricht meinen Erfahrungen.

Meine eigenen Erfahrungen besagen ungefähr dieses: Ich werde mir meiner Existenz als denkendes Wesen nur dann bewusst, wenn ich mich gedanklich, also inhaltlich, genau mit diesem Gedanken befasse, dass ich existiere. Wenn ich denke, dass ich bin, dann denke ich, dass ich bin – und in dem Fall werde ich mir meiner Existenz auch bewusst. Aber es ist keinesfalls so, dass ein jeder Gedanke von mir, egal ob er durch mein eigenes Erkenntnisstreben motiviert ist oder ob ich gerade von einer äußeren Instanz manipuliert und getäuscht werde, von dem Gedanken begleitet würde, dass es auf jeden Fall ich bin, der diesen Gedanken denkt.

Ganz im Gegenteil: In der Arbeit muss ich fortwährend, darüber nachdenken, in welchem Ordner im Computer ich welche Information gespeichert habe und welches Email mit welchem Inhalt ich an wen schicken soll. Die Erfahrung während der Arbeitszeit ist, dass mich das „Ich-denke-also-bin-ich“ völlig verlässt und ich erst nach der Arbeit (manchmal) aufwache und zu mir komme. Daraus folgt, dass ich während der Arbeitszeit also offenbar nicht existiert habe.

Wie ist diese Diskrepanz zwischen der Auffassung von Descartes und der meinigen nun zu erklären? Nun, eine Möglichkeit wäre die zu sagen: In seinem Discours de la Méthode oder auch in seinen Meditationen über die Grundlagen der Philosophie hat Descartes sein eigenes Projekt verfolgt und seine eigenen Gedanken gedacht, während ich in der Arbeit ja die Zwecke meines Arbeitgebers verfolge und meine Gedanken inhaltlich nichts mit mir und mit meinen eigenen Motivationen zu tun haben.

Wenn das stimmt, dann würde das auch bedeuten, dass es letztlich falsch und erschwindelt ist, wenn Descartes in den Meditationen behauptet, ein böser Dämon könne ihn täuschen so viel er wolle, niemals werde er es fertigbringen, ihn davon zu überzeugen, dass er nichts sei, solange er denke, dass er etwas sei. Wenn der Dämon Descartes mit Gedanken belästigt, die Descartes nicht denken will und die ihm gleichgültig sind, weil sie nichts mit ihm zu tun haben, so ist es freilich zu erwarten, dass Descartes innerhalb kurzer Zeit dessen müde werden wird zu denken, dass er da ist und existiert.

Erschwindelt ist dieser Dämon von Descartes deshalb, weil sich Descartes gar nicht richtig einem Dämon aussetzt, der ihm irreführende Gedanken einsetzt und ihm ordentlich den Kopf wäscht; sondern Descartes stellt sich einen Dämon vor, der ihn täuscht, während er ihm in aller Ruhe dabei zuschaut. Das ist so ähnlich, als würde man behaupten, man könne Hochschaubahn fahren, ohne dabei herumgewirbelt und auf den Kopf gestellt zu werden.

Kurz, mein Argument ist, man kann dessen müde werden oder die Motivation dazu verlieren, fortwährend zu denken, dass man ist. Auf der Website https://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum finden sich einige Gegenargumente zu Descartes‘ Cogito-These Wie üblich bei solchen Fällen ist das meinige nicht darunter. Ich scheine tatsächlich einen etwas anderen Blick auf die Dinge zu haben. Und dabei fällt mir auf, dass die Philosophen wiederum das Allernaheliegendste nicht bedacht haben: Oft ist der Mensch einfach zu müde dazu, um zu denken, dass er ist. Mir kommt wirklich vor, die Philosophiegeschichte ist dazu da, damit immer dieselben Geschichten gedankenlos wiederholt werden, ohne dass einer sie einmal verwundert anschaut und sagt: „Da stimmt doch etwas nicht!“

Mit Descartes‘ Discours de la Méthode stimmt vieles nicht. Die gesamte Schrift erscheint mir als ein ungereimter Blödsinn voller Widersprüchlichkeiten, sodass es mich wundert, wie sie von irgendjemandem ernst genommen werden konnte und wie es möglich ist, dass Descartes als philosophischer Wegbereiter der modernen Naturwissenschaften gilt. Schauen wir beispielsweise kurz den gleich nachfolgenden Absatz im Discours an:

„Danach prüfte ich mit Aufmerksamkeit, was ich war, und sah, daß ich so tun konnte, als ob ich keinen Körper hätte und es weder eine Welt noch einen Ort gäbe, an dem ich mich befand. Aber ich konnte deshalb nicht so tun, als ob ich überhaupt nicht wäre; im Gegenteil folgte eben daraus, daß ich dachte… […] Daraus erkannte ich, daß ich eine Substanz war, deren ganzes Wesen oder deren ganze Natur nur darin bestand, zu denken, und die, um zu sein, weder einen Ort benötigt, noch von irgendeinem materiellen Ding abhängt. Deshalb ist dieses Ich, d.h. die Seele, durch die ich das bin, was ich bin, vollkommen unterschieden vom Körper und ist sogar leichter zu erkennen als er, so daß sie nicht aufhören würde, alles zu sein, was sie ist, selbst wenn es ihn überhaupt nicht gäbe.“ (Ebd., S. 59)

Puh, Descartes kann so tun, als ob er keinen Körper hätte! Also ich kann das nicht – können Sie das? Im Übrigen scheint mir diese irrsinnige Vorstellung eine ganze Kette von weiteren falschen Vorstellungen zu triggern: Z.B. erscheint mir ein Denken ohne einen Körper wie ein Auto, das ohne Treibstoff funktionieren soll. Welchen Antrieb hätte denn ein Denken, überhaupt irgendetwas zu denken, wenn es nicht einen Körper gibt, der Triebe und Bedürfnisse hat und dem Menschen damit die Aufgabe gibt, darüber nachzudenken, wie er diese befriedigen kann?

Und wenn wir vom Denkantrieb einmal absehen: Wie könnte dieses Denken, das ohne Körper funktioniert, sich dazu entscheiden, lieber einen Gedanken als einen anderen zu denken? Denn schließlich kann es ja nicht alle möglichen Gedanken zur gleichen Zeit denken. (Dieser Umstand kommt übrigens im dritten Teil von Descartes Discours de la Méthode zum Ausdruck, in welchem er – ohne Bewusstsein dafür, dass er damit die vollkommene Pleite seines Vorschlags eingesteht – seine „vorläufige Moral“ darstellt. Diese hat zum Inhalt, dass seine Denkmethode Descartes in allen praktischen Angelegenheiten daran hinderte, sich ein eigenes Urteil zu bilden – was zur Folge hatte, dass er den Urteilen Anderer und der Tradition folgen musste, ohne sie kritisch befragen zu können.)

In Summe besteht Descartes‘ Fehler darin, dass er eine völlig falsche und irreführende Vorstellung vom Denken zeichnet. Er tut so, als ob Denken so etwas wie ein Rechnen oder ein logisches Argumentieren wäre, das automatisch in Gang kommt, wenn sobald es mit einer beliebigen Fragestellung gefüttert wird. Mit einem Wort, es handelt sich hier um eine sehr abstrakte, reduzierte Vorstellung vom Denken. (Viele Fehler in der Philosophie entstehen durch Abstraktion. Genauer: dadurch, dass man von Aspekten abstrahiert, von denen man nicht abstrahieren darf.) Diese abstrakte Vorstellung vom Denken macht uns blind dafür, wie Denken tatsächlich funktioniert. Und sie lässt auch die Frage nach den Rückwirkungen des Denkens auf den lebendigen Organismus in Vergessenheit geraten.

Im Rahmen dieser Rückwirkungen des Denkens auf uns wäre z.B. auch die Frage zu stellen: Welche unserer Gedanken erinnern uns an uns? Welche Gedanken erinnern uns daran, dass wir existieren, weil wir denken – und welche anderen Gedanken tun das vielleicht weniger? Gibt es so etwas wie eine Entfremdung von uns selbst dadurch, dass wir permanent gezwungen sind, Gedanken zu denken, die wir nicht denken wollen oder die nichts mit uns zu tun haben? Existieren wir tatsächlich, wenn wir Mathematik, Logik oder Wissenschaft treiben, also uns in Disziplinen betätigen, in denen wir unser Ich verleugnen müssen? Sollte es ein Menschenrecht darauf geben zu existieren, indem man denken darf, dass man existiert – etwa dadurch, dass man dem arbeitstätigen Menschen genug Freizeit zugesteht, damit er die Möglichkeit hat, auch seine eigenen Gedanken zu denken? Oder auch dadurch, indem die LehrerInnen in der Schule dazu angehalten werden, ihre SchülerInnen darauf aufmerksam zu machen, dass sie zwar in der Schule dazu genötigt sind, fortwährend fremde Gedanken zu denken (und dadurch gleichsam zeitweilig auf ihr eigenes Leben zu verzichten), es aber auch wichtig sei, sein eigenes Denken zu entwickeln, um sich als lebendig zu erfahren?
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Kapitalismus ohne Ethik

solo3

von Rainer

Der Urproduzent von Dingen des täglichen Lebens
(Nahrungsmittel, Werkzeuge…) musste seine Ressourcen
einschränken, begrenzen. Seine Überlebenssituation
machte eine „nachhaltige“ Wirtschaftlichkeit notwendig.
Er schützt die Natur, raubt sie nicht aus, erhält sie von
sich aus – um morgen überleben zu können -> „ETHIK“

Im Kapitalismus geht es letztlich nicht mehr um das Produkt,
sondern um das „Kapital“ -> Geld.
d.h. die Erhaltung der Überlebensbedingungen ist sekundär
geworden. Es geht um kurzfristige Zunahme des Kapitals.
Ausbeutung ist das Prinzip – aber nicht nur des Arbeiters,
sondern auch der Natur -> es gibt keine Ethik, da die Produktion
und das endliche Produkt (Geld) zwar ein konkretes, aber letztlich
ein abstraktes Ziel ist – ohne Rücksicht auf Gegenwärtiges.

Was ist Leben?

solo3

von Rainer

Du bewegst dich doch, sagte ich zum Elektromotor und unterstellte ihm damit, dass er lebte.
Als jedoch die Wasserflut kam, sagte ich ihm, „keine Angst, du wirst nicht ersaufen, sorge nur dafür, dass dein Rotor immer genügend Sauerstoff bekommt.“
Mein Elektromotor hörte zwar meine Worte, das Hochwasser jedoch überlebte er nicht.

Ich unterstelle erst einmal, dass er nicht genügend Lebenswillen hatte. So hatte er doch einen genügenden mechanischen Standard: er konnte bei -10 °C und bei 50 °C arbeiten, er war mindestens Spritzwasser geschützt und auch klimatische Besonderheiten machten ihn laut Typenschild keine Probleme. Doch er überlebte nicht – er verreckte!

Offensichtlich ist Bewegung oder die Fähigkeit sich bewegen zu können, kein, eines oder nur eines von vielen Kriterien für Leben.

Mein Motor konnte sich nicht an die äußeren Umstände anpassen. Er tat nur das, wofür er geschaffen wurde, er drehte sich.
Für Leben sind also mehr Dinge notwendig, um dieses zu bezeichnen.

Wachsen, verändern (Evolution), wuchern, mutieren, sich fortpflanzen (mit allen hier enthaltenden komplizierten Prozessen).

Dann kommt noch der Verstand bei Lebewesen der höheren Art hinzu. Diese Wesen sind in der Lage ihre eigene Veränderung wahrzunehmen und zu beschreiben.
Eine weitere Stufe ihrer Vollkommenheit ist die Fähigkeit, sogar über diese Wahrnehmung nachdenken zu können (Hegel: das Sein in Begriffen zu erfassen).

Lebt ein Stein?

Kann es sein, dass etwas lebt, dessen Veränderung in eines Menschen Leben nicht zu erfassen ist?
Leben als pure Veränderung? Ob langsam oder schnell, ob wahrnehmbar oder unmerklich, hieße dies, auch ein Bergrutsch wäre Leben. (Wenn der Prophet nicht zum Berge kommt, kommt der Berg zum Propheten).

Wenn also Leben auch jenseits von Wahrnehmung stattfände, dann lebt alles um uns herum.
Somit könnten wir erst einmal wieder bei der puren Bewegung angelangt sein.
Ein Gas breitet sich aus, ein Körper verändert sich durch Rotation, Sterne verdichten sich oder verdünnen sich – all das müsste auch zum Leben gehören.

Leben wäre also nicht nur biologisch, sondern auch geologisch, astronomisch, kosmologisch und alle diese Prozesse betreffend, die uns umgeben.

Vorläufig:
Es scheint, der wichtige Begriff für das Leben ist die Fortpflanzung…

Gedanken

Schon bevor der Gedanke gedacht,
bevor seine Fortsetzung möglich,
setzt die Zensur ihre Regeln.
Kein Einbruch, kein Ausbruch,
kein Ereignis oder Befreiung
lässt dieser Zensor zu.
Gelernte Rolle der Inquisition,
Angstmacher, Gedankenzwang
treibt in die Irre.
Verschollen ins Meer der Belanglosigkeit,
bedeutungslos blitzen die irrenden Lichter
durch die Ritzen des Geistes.
Lichtschauer an Stelle Ideen,
Kreuzworträtsel statt Zusammenhang.
Klebrige Einzelteile,
Puzzlespiele der Intelligenz,
auflösunglos und ohne Hoffnung.
Du lässt nichts passieren.
Kein Schmiergeld ist groß genug
Begierde zu entwickeln.
Selbstkasteiung ist die Beschränkung
und die Zensur im Kopf.
Stammelnd, Bruchstücke gelallt,
liegt das Gehirn auf dem Rücken,
die Glieder ausgestreckt, rührend.
Nie im Leben
werden diese,
Boden unter sich verspüren.

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aus "Texturen",  Gedichte von R.Beinlich 2006

Sind wir real?

von Andrea

Um diese Frage zu beantworten, stelle ich mir vorab einmal die Frage, wer ist eigentlich derjenige, der prüft oder erkennt bzw. nicht erkennen kann, was wirklich und was simuliert ist. Wer ist z.B. eigentlich „ich“ bei Decartes wenn er sagt „ich denke, also bin ich.“ Wer ist dieses „ich“, das Descartes offensichtlich mit dem Denken gleichsetzt. Ist dieses „ich“ wirklich etwas so sicheres?

Aus meiner Sicht ist das heute nicht mehr so leicht zu behaupten und es muss zunächst sichergestellt werden, dass es überhaupt etwas oder jemanden gibt, der erkennen kann, was Wirklichkeit und was Simulation ist. Im Zusammenhang damit ist selbstverständlich auch zu klären, was Wirklichkeit ist.

Was Simulation ist, kann hingegen erst einmal beiseite gestellt werden, denn eine Simulation kann es ja nur geben, wenn es überhaupt eine erkennbare Wirklichkeit gibt, die simuliert werden kann.

Mit der Frage, was dieses „ich“ ist und damit in gewisser Weise auch, was die „Wirklichkeit“ ist, beschäftigt sich heute nicht nur die Philosophie sondern auch die Neurobiologie.

Deren Erkenntnisse legt der Philosoph und Bewusstseinsforscher Thomas Metzinger in seinem Buch „Der Egotunnel“ dar. Er zeigt, dass das Ego lediglich ein virtuelles Werkzeug sei, das sich entwickelt hat, damit wir mit seiner Hilfe unser eigenes Verhalten kontrollieren und vorhersagen und das Verhalten anderer verstehen konnten. „Jeder von uns lebt sein bewusstes Leben in seinem eigenen Ego-Tunnel, ohne direkten Kontakt mit der äußeren Wirklichkeit“ Und er führt weiter aus: „Wir sind Ego-Maschinen, aber wir haben keine Selbste. Das Ego und sein Tunnel sind repräsentationale Phänomene: Sie sind nur eine von vielen möglichen Weisen, in denen bewusste Wesen ein Modell der Wirklichkeit erzeugen können.“

Danach ist das „ich“ also bereits eine Fiktion oder wie Metzinger sagt „ein Werkzeug“. Aber es ist kein Werkzeug zur Erkenntnis der Wirklichkeit sondern eines zu dessen Erzeugung. Lebe „ich“ dann vielleicht bereits in meiner eigenen Simulation, indem ich mir meine Wirklichkeit erzeuge? Oder ist vielleicht die von mir erzeugt Wirklichkeit bereits die „wirkliche Wirklichkeit“ Oder gibt es noch eine absolute Wirklichkeit neben der von mir erschaffenen?

Diese Frage aber muss ich leider unbeantwortet lassen, da es mir – sofern ich mich als das Ego i.S. Metzingers betrachte- als Werkzeug der Erschaffung der Wirklichkeit nicht möglich sein kann, dies zu erkennen. Ich kann nur wieder neue Wirklichkeit schaffen, indem ich dies bejahe oder verneine.

Ich lasse es vorerst so stehen und betrachte die Wirklichkeit, die ich mir erschaffen habe oder vielleicht auch nur die Schnittmenge, der von mir und von der Mehrheit, der mich umgebenden Menschen als Wirklichkeit erkannten Phänomene als „die Wirklichkeit“ an.

Gibt es dann vielleicht die Simulation dieser Schnittmenge oder ggf. auch die Simulationen jeder von einem einzelnen erschaffenen Wirklichkeit?

In dem Film Matrix führen vom Menschen erschaffene Maschinen mit künstlicher Intelligenz einen Krieg gegen diese. Ich möchte die Frage, ob es eine Rolle spielt, dass Maschinen die Simulation durchführen oder höher entwickelte Zivilisationen – wie in Bostroms Hypothese – gern unbeantwortet lassen, weil ich nicht erkennen kann, dass dies eine zur Klärung der Frage beitragende Rolle spielt. Die Maschinen also in „Matrix“ entwickelten die Computersimulation der Matrix, um die bewusstlosen Menschen unter Kontrolle zu halten. Die Körper der Menschen liegen unbeweglich und an zahlreiche Leitungen angeschlossen. Hier ist – für den Zuschauer- ganz einfach zu erkennen, was Simulation und was Wirklichkeit ist. Beides besteht parallel. Aber es ist eben nur für einen Filmzuschauer erkennbar, weil der Film uns die Wirklichkeit und die Simulation vorgibt.

Nun, es ist eben nur ein Film und ich habe gelernt, dass das im Film dargestellte nicht wahr ist. Stimmt doch, oder?

Aber „Reality Shows“, die sind doch nun wirklich wahr? Ups, bin ich da noch auf derselben Ebene? Gerade habe „ich“ (also das Werkzeug zur Realitätserzeugung) mir eine Wirklichkeit erschaffen, kommt jetzt vielleicht durch die Welt der Medien noch eine weitere durch diese erschaffene Wirklichkeit hinzu.

Ich will mich nicht verzetteln, aber, wenn ich die Wirklichkeit erforschen will, muss ich doch wohl auch hier weiter forschen, denn die mediale und digitale Welt ist sehr präsent in meinem Alltag. Vielleicht kommt ja auch von dieser die Simulation? Baudrillard sagt mir, hier wird es langsam schwierig die Wirklichkeit und die Simulation zu unterscheiden. Merke ich das überhaupt noch?

Der Philosoph und Soziologe Baudrillard sieht ein umfassendes Netz von Simulationen, welches die Stelle der Wirklichkeit eingenommen hat. Mittels entsprechender Software sind die medialen Abbildungen der Welt täuschend echt zu manipulieren. Aus seiner Sicht überholt Simulation die Realität, die Differenz von Wahrheit und Täuschung spielt eine immer geringere Rolle. Die reale Welt wird von ihrer Simulation entwertet. Er spricht von „Hyperrealität“. Er sagt auch, dass die Realität verschwunden ist. Ein umfassendes Netz von Simulationen habe sich an ihre Stelle gedrängt.

„Wir leben wir heute im Zeitalter der „Simulation“ – einem gesellschaftlichen Zustand, in dem Zeichen und Wirklichkeit zunehmend ununterscheidbar werden.“

Für mich ergibt SICH? hieraus Folgendes:

es gibt oder wir sind das Ego, das sich seine Wirklichkeit erschafft. Diese Wirklichkeit wird seitens der medialen und digitalen Welt simuliert und beide Bereiche kaum mehr zu unterscheiden.

So gesehen leben wir sowohl in der Wirklichkeit als auch in der Simulation.

Ob es zudem vielleicht noch eine weitere Simulation – gewissermaßen von außen gemäß der Bostrom- Hypothese- gibt, wird das sich die Wirklichkeit oder – im Falle einer solchen Simulation- scheinbar die Welt erschaffende Ego aus meiner Sicht nicht feststellen können. Denn dieses hat bei seinem Blick durch den Egotunnel ja immer den Eindruck einer bereits vorhandenen Wirklichkeit.

Also sitzen wir fest, jedem inner- und außerweltlichen Simulationsbegehren heillos ausgeliefert?

Im Film „Matrix“ lernen die Helden Morpheus und Neo, dass in der Simulation der Matrix physikalische Gesetze durch mentale Kraft erkannt und der Code durch diese überschrieben werden kann.

Vielleicht ist hier der Ausweg?

Haben wir neben dem die wirklichkeitserschaffenden Ego ggf. als bewusste Wesen doch noch eine echte Erkenntnismöglichkeit? Dieses legen jedenfalls die spirituellen Überlieferungen aller Kulturen nahe. Sie sprechen von Erkenntnissen, die durch das Denken allein nicht zugänglich sind. Denken können ja auch die, an die Matrixmaschine angeschlossenen, Menschen, aber sie bleiben gefangen in der Simulation. Können wir vielleicht wie Morpheus und Neo durch eine das Denken überschreitende Geisteskraft Simulation erkennen und ihr entkommen?

In den östlichen Philosophien gibt es neben einem Ego –welches hier ebenfalls eine Fiktion ist – das Selbst, das ein Teil eines allumfassenden Bewusstseins ist. Der Mensch kann lernen, durch Bewusstseinsschulung die Egotäuschung zu durchschauen und höhere Erkenntnisse erlangen. Diese Erkenntnis wird durch spirituelle Praxis gewonnen. Decartes „cogito ergo sum“, das die vollkommene Identifikation mit dem Denken bedeutet, würde hier als Irrtum betrachtet werden. Und auch Metzinger sagt, dass das Ego und sein Tunnel lediglich eine Möglichkeit der Wirklichkeitserzeugung sind.

Vielleicht sollten wir es versuchen und unser Bewusstsein schulen, um die Chance zu erhöhen, der Matrixmaschine, der Hyperrealität Baudrillards und jeder weiteren perfiden Simulation notfalls entkommen zu können. Es wäre den Versuch wert.

Seien wir achtsam!

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