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und geht…

Martin Heideggers Ontologie in Sein und Zeit [1927]

von Andrea

zur Erinnerung an das Sommersemester und Vorbereitung auf Wintersemester

  1. Fundamentalontologie

Heidegger setzt sich von den Ontologien der traditionellen Philosophen ab und gibt der Ontologie eine neue Wendung. Ontologie ist nach Heidegger in Anthropologie zu fundieren.

Damit steht er einerseits in der Tradition einer Philosophie der Moderne, in der es üblich ist, alles vom Menschen aus zu denken. Neu ist aber andererseits, dass er ausdrücklich sagt, die Fundamentalanalytik ist die Analytik das Daseins, also des menschlichen Seins.

Die Ontologien sind in der ontischen Struktur des Daseins selbst fundiert. Daher muß die Fundamentalontologie, aus der alle anderen erst entspringen können, in der existenzialen Analytik des Daseins gesucht werden.  Die fundamentale Form von Ontologie ist die „Menschenseinsverfassunganalytik“, also die Ontologie des seienden Menschen. Erst daraus sind die anderen Ontologien zu entwickeln.

Heidegger setzt sich dadurch von Kant ab, dass nach seiner Ansicht die Analyse des Daseins nicht erst eine Analyse unseres Verstandes und unserer erkenntnistheoretischen Grundbegriffe nötig ist. Er möchte vielmehr sich viel grundlegender, viel elementarer dem Daseins nähern, indem er nicht auf den Menschen blickt, wie er in erkenntnistheoretischen Seminaren erscheint, sondern wie er „geht und steht und handelt“.

Zitate:

„Die  ausdrückliche  und  durchsichtige  Fragestellung  nach  dem  Sinn  von Sein  verlangt  eine vorgängige angemessene Explikation eines Seienden (Dasein) hinsichtlich seines Seins.“ (Sein und Zeit [SuZ], Tübingen: Niemeyer 19. Aufl. , 2006, S 7, Abs. 2)

„Die  Ontologien,  die  Seiendes  von  nicht  daseinsmäßigem  Seinscharakter  zum  Thema  haben, sind   […]   in   der   ontischen   Struktur   des   Daseins   selbst   fundiert   und   motiviert,   die   die Bestimmtheit eines vorontologischen Seinsverständnisses in sich begreift.Daher muss die Fundamentalontologie,  aus der  alle  andern  erst  entspringen  können,  in der existenzialen Analytik des Daseinsgesucht werden.“(ebd., S.13, Abs.4)

  1. Wie gibt es Seiendes ?

Zuhandenes- Vorhandenes

„Vorhandenheit“ ist die Seinsweise, wie man üblicherweise das Seiende thematisiert.(SuZ, S. 13, 15, 16): was ist etwas an sich selbst betrachtet, kontextfrei oder in diesem oder jenen Kontext betrachtet. Es ist etwas zunächst einmal an ihm selbst.

Aber Heidegger sagt, es ist nicht so, dass wir zunächst Dinge im Sinne von vorhandenen objektiven Entitäten kennen und diese dann in einen Verständnis- bzw. Handlungzusammenhang bringen, sondern der menschliche Verständnis-und Handlungszusammenhang ist das erste.

Dinge, Gegenstände bzw. Zeug als solches gibt es primär im Horizont menschlichen „In-der-Welt-Seins“, menschlichen Handelns, menschlichen Vertrautseins.Das Seiende ist zunächst das Gebrauchte, Hergestellte und dgl.

Diese Seinsweise nennt Heidegger Zuhandenheit“. Das ist die ursprüngliche Verfassung für Menschen. Er sieht es gewissermaßen „handwerklich“: die Dinge sind zur Hand. „Die nächste Art des Umganges ist […] das hantierende, gebrauchende Besorgen […].“

„Vorhandenheit“ entsteht – nach Heidegger- erst durch Störung ( Nichtfunktionieren) in der ursprünglichen Verfassung der Zuhandenheit. Erst dann beginnt das Betrachten des Dings als solches. Es beginnt das Betrachten, die Theorie, das „Begaffen„.

Die anfängliche Verfassung ist also die, dass wir mit den Dingen im Zusammenhang sind. (Besorgungszusammenhang–“Zeugganzes“). Über Störungen entsteht erst Erkenntnis und es beginnt die Vorhandenheit, die anderen Denkern als das Primäre erschien, für Heidegger aber das Sekundäre ist..

(nach Wolfgang Welsch, aus: „Ontologie“, 13. Vorlesung Wintersemester 2010/2011 Uni Jena, Hörbuch von „Auditorium Netzwerk“)

Heidegger und die „Schwarzen Hefte“ (Video)

Die «Sternstunde Philosophie» pflegt den vertieften und kritischen Ideenaustausch und geht den brennenden Fragen unserer Zeit auf den Grund.

Die «Sternstunde Philosophie» schlägt den grossen Bogen von der gesellschaftspolitischen Aktualität zu den Grundfragen der Philosophie: Wer ist wofür verantwortlich, worin besteht die menschliche Freiheit, was bestimmt unseren Lebenssinn? Zu Gast sind Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft – Stimmen, die zum Denken anregen und unser Zeitgeschehen reflektieren und einordnen.

Die Quelle des folgenden Videos ist Philosophie und Nationalsozialismus – eine unheilige Allianz?

Philosophie und Nationalsozialismus – eine unheilige Allianz?

Der Streit um Heideggers «Schwarze Hefte» hat gezeigt: Die Frage, ob Philosophen geistige Wegbereiter des Naziregimes waren, ist noch nicht vom Tisch. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs beleuchtet «Sternstunde Philosophie» das wohl düsterste Kapitel der deutschen Philosophiegeschichte.

SFR Kultur Übersichtsseite

Heideggers Antisemitismus und sein Einfluss auf andere Denker

von Andrea

Heideggers Antisemitismus und der Einfluss seines Denkens
Das Verhältnis Heideggers zum Nationalsozialismus wird bereits seit Kriegsende diskutiert. Dabei ist unstreitig, dass sich Heidegger im Jahr 1933 im nationalsozialistischen Deutschland engagierte und der „Nationale Revolution“ genannten Bewegung nahe stand. Als Rektor der Universität Freiburg hielt er politische Reden, in denen er Adolf Hitler huldigte. Die interessante Frage in der Heidegger-Forschung ist nun, ob und inwiefern Heideggers Philosophie als solche mit diesem politischen Engagement und der NS-Ideologie zusammenhing.

Heidegger ist einer der berühmteste und einflussreichsten deutschen Philosophen dieses Jahrhunderts. Er hat insbesondere die französischen Denker beeinflußt. Die neuere französische Philosophie wäre ohne Heidegger nicht vorstellbar. Der Existenzialismus von Jean-Paul und das gesamte postmoderne Denken stehen unter dem Einfluss Heideggers. Michel Foucault und Jacques Derrida knüpfen wesentlich an Heideggers an.

Sicherlich war dies der Grund, dass Heideggers politische Verstrickungen besonders lebhaft in der französischen Öffentlichkeit diskutiert wurden. Als Ende der 80ger Jahre das Buch „Heidegger und der Nationalsozialismus“ von Victor Farias “ erschien, wurde es nicht nur in der Fachliteratur, sondern in allen namhaften französischen Medien besprochen. So schrieb „Le Monde“ dieses Buch sei eingeschlagen wie eine „Bombe“ und „Heil Heidegger!“ lautete die übergroße Schlagzeile in „Liberation“.

Mit der Veröffentlichung von Heideggers Denktagebüchern, den „Schwarzen Heften“ * von März 2014 bis März 2015 bestimmt nun vor allem auch wieder die Frage nach der Rolle des Antisemitismus in Heideggers Denken die öffentliche Diskussion. Die Aufzeichnungen lassen keinen Zweifel an Heideggers antisemitischer Auffassung.
Einige Stimmen von Philosophen zu Heideggers Äußerungen in den „Schwarzen Heften“ zitiert nach http://www.deutschlandfunk.de/heideggers-schwarze-hefte-enttaeuschung-und-entsetzen-ueber.1148.de.html?dram:article_id=3187 zeigen dies beispielhaft:
„Geradezu hämische Bemerkungen: Wenn er etwa sagt, die Juden leben immer schon nach dem Rasseprinzip und jetzt wird das Rasseprinzip auch auf sie angewendet. Und dann lamentieren sie. – Ich meine, was soll eine solche Bemerkung (…) die auch die Dignität des Philosophen Martin Heidegger massiv in Zweifel zieht.“ Marion Heinz, Philosophin, Universität Siegen.
„Es geht nicht nur um die expliziten antisemitischen Stellen. (…) Man hat eine ganze untergründige antisemitische Semantik, wenn die Rede ist zum Beispiel von jenen eitlen Wechslern oder der händlerischen Rechenhaftigkeit.“ Sidonie Kellerer, Heidegger-Forscherin, Universität Siegen.

Günter Figal als Vorsitzender der Martin-Heidegger-Gesellschaft ist nach Veröffentlichung der „Schwarzen Hefte“ zurückgetreten. Die Freiburger Universität will den Martin-Heidegger-Lehrstuhl in eine Juniorprofessur für sprachanalytische Philosophie umwidmen. Und die Gemeinde Messkirch, Heideggers Geburtsort, diskutiert, ob sie ihrem berühmtesten Sohn die Ehrenbürgerschaft aberkennen müsse.

In der Diskussion spielt Donatella Di Cesares die Buch „Heidegger, die Juden, die Shoah“ eine zentrale Rolle. Di Cesare weist einen grundlegenden Judenhass der heideggerschen Philosophie nach. Sie sieht Heidegger in einer Tradition des Antisemitismus in der Philosophie gemeinsam mit anderen Philosophen wie Kant, Hegel und Nietzsche.
Sie spricht von einem „metaphysischen Antisemitismus“ und zitiert folgende Sätze aus den „Schwarzen Heften“: „Die Frage nach der Rolle des Weltjudentums ist keine rassische, sondern die metaphysische Frage nach der Art der Menschentümlichkeit, die schlechthin ungebunden die Entwurzelung alles Seienden aus dem Sein als „weltgeschichtliche“ Aufgabe übernehmen kann.“

Für Heidegger gebe es laut di Cesare eine Verbindung zwischen Judentum und Metaphysik. Die Juden seien für ihn die wurzellosen Agenten der Modernität. Die Technik sei für Heidegger die letzte Fassung der Metaphysik. So wie nach Heidegger eine Komplizenschaft zwischen Metaphysik und Judentum bestehe, so stelle er auch eine Komplizenschaft zwischen Judentum und Technik fest.

Aber Heidegger falle bei diesen Betrachtungen selber wieder in die Metaphysik zurück. So spreche er nicht von den konkreten Juden in ihren Differenzen, er sei auch nicht an der Geschichte des jüdischen Volkes interessiert, er frage sich vielmehr: Was ist der Jude? Was ist das Wesen des Juden?

Trotz ihrer Analyse des Heideggerschen Antisemitismus und obwohl das Buch die Frage nach der Verantwortung der Philosophie für die Vernichtung der Juden Europas stellt, bekundet die Cesare „Wir brauchen heute Heidegger mehr denn je. Wären Arendt, Jonas, Anders ohne Heidegger vorstellbar? Und die jüdische Philosophie der letzten Jahrzehnte – von Levinas bis zu Derrida? Und wir brauchen Heidegger, selbst um die Shoah zu verstehen; es genügt, an die Verbindung zu erinnern, die er zwischen Shoah und Technik gezeigt hat. Leider wird die Shoah im deutschen Kontext nicht als philosophische Frage empfunden, sondern vor allem als Frage für Historiker. Das finde ich wirklich bedauerlich.“ http://www.hoheluft-magazin.de/2015/02/heidegger-enthuellung/

Erwähnenswert erscheint mir in diesem Zusammenhang der Artikel von Micha Brumlik von der taz http://www.taz.de/!5267346/ , in welchem dieser darlegt, dass in dem von Gianni Vattimo und Michael Marder edierten Band „Deconstructing Zionism. A Critique of Political Metaphysics“ von 2014, in welchem es um die Dekonstruktion des Zionismus geht, sich der Antizionismus auf Heidegger beruft.

Die vertretenen Autoren wie Slavoj Žižek, Judith Butler und Marc Ellis, entfalteten in dem Band ihr nichtzionistisches Verständnis des Judentums. Beinahe alle AutorInnen beriefen sich dabei nicht nur auf Jacques Derrida, sondern auch auf Martin Heidegger.

Dem Zionismus werde der Vorwurf gemacht, ein „metaphysisches“ Verständnis des Judentums zu vertreten. Unter „Metaphysik“ werde dabei das Postulieren von dem geschichtlichen Wandel entzogenen, klar bestimmbaren Wesenheiten verstanden: hier einem je schon mit dem Land Israel verbundenen jüdischen Volk. (ebenda)

Santiago Zabala, Begründer eines „hermeneutischen Kommunismus“, behaupte, so Brumlik, dass Heidegger zwar ein Rassist, vor allem aber ein Denker gewesen sei, der die Mittel bereitstelle, die ontologischen Züge des politischen Zionismus zu kritisieren.Tatsächlich versteige sich der Philosoph zu der Behauptung, dass der politische Zionismus seit 1948 nicht nur kontinuierlich palästinensisches Land enteignet habe, sondern damit auch das Sein selbst entlassen habe. Danach wäre also das palästinensische Land jenes „Sein“ ist, das vor zionistischen Machenschaften geschützt werden müsse. (ebenda) Das ist eben der Vorwurf, den Heidegger dem Judentum gemacht hat.

Den Herausgebern des Bandes sei daher das vorzuwerfen, was Hannah Arendt – ebenfalls von Heidegger geprägt – Eichmann vorhielt und was im Kreise von Heideggerianern als schärfste Kritik gilt: Gedankenlosigkeit! (ebenda).

Zurück bleibe ich mit den Frage „brauchen wir heute Heidegger wirklich mehr denn je? Oder ist es gefährlich Heidegger zu lesen?

 

 

*(„Schwarze Hefte“ ist die Bezeichnung der Denktagebücher des Philosophen Martin Heidegger, die er in den Jahren von 1931 bis 1975 mit postumer Publikationsabsicht führte und in geplanten neun Bänden (fast 1300 Seiten) die Gesamtausgabe abschließen sollen. Der Name stammt von der schwarzen Farbe des Einbandes. Heidegger selbst hat diesen Heften „Überlegungen“ und „Anmerkungen“ betitelt. Es handele sich also um Kommentare am Rande des Textes und nicht um ein philosophisches Hauptwerk. Mit kleinen Skizzen versucht Heidegger, eine große Erzählung von Aufgang und Untergang und erneutem Aufgang des „Seyns“ und des „Menschentums“ zu konturieren, die zugleich sichtbar zu machen prätendiert, „was jetzt geschieht“.Der dritte, zur Frage nach Heideggers Verhältnis zum Antisemitismus von Fachphilosophen und im Feuilleton der Zeitungen in der Folge besonders rezipierte Band der „Schwarzen Hefte“ (1939–1941) erschien im März 2014; der erste (1931–1938) und zweite Band (1938/39) wurden zeitnah im Februar und März 2014 veröffentlicht. Ein vierter Band (1942–1948) erschien im März 2015. https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Hefte )

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